Glitzernd und giftig legt sich der Aluminiumstaub auf die Haut. Er färbt die Hände silbrig und hinterlässt Spuren auf Armen, Gesicht und Beinen. Er dringt in die Atemwege und schädigt die Lunge. Wenig erstaunlich also, dass Shohan Uddin erschrak, als er bei einem seiner Rundgänge durch ein Armenviertel in der Stadt Jessore einem Jungen namens Tazim begegnete. „Ich sah einen kleinen Jungen voller Aluminiumstaub. Es war schlimm für mich, ihn so zu sehen“, berichtet der 32-Jährige. Shohan ist Sozialarbeiter bei der ARKTF-Stiftung, einer Sternsinger-Partnerorganisation. „Ich dachte mir gleich: Ich muss ihm helfen.“
Behutsam knüpfte Shohan Kontakt zum zwölfjährigen Tazim und erfuhr, dass der Junge seit fast zwei Jahren in einer kleinen Fabrik arbeitete. Bis zu zehn Stunden am Tag stellte er mit erwachsenen Kollegen Aluminiumschüsseln her. Es ist eine harte körperliche Arbeit, die viel Konzentration erfordert. Schutzkleidung trägt keiner der Angestellten. Tazim arbeitete barfuß und ohne Handschuhe. „Nach der Arbeit schmerzten meine Beine und Hände“, sagte Tazim. „Auch im Kopf fühlte ich mich müde.“
Shohan kam mit Tazims Eltern ins Gespräch, die von der Not der Familie berichteten: Die Familie ist vor vielen Jahren nach Jessore gezogen, als ihre älteste Tochter Muslima noch klein war. Zerstörerische Überschwemmungen hatten sie aus ihrer Heimatregion, den Sundarbans, vertrieben. Die Stadt stellte ihnen ein kleines Grundstück zur Verfügung. Dort bauten sie ein Häuschen aus Wellblech, Planen und Holz, in dem sie bis heute wohnen. Die beiden Zimmer sind liebevoll eingerichtet, doch in der Regenzeit dringt Wasser ein und weicht den Lehmboden auf. Trinkwasser muss die Familie an einem öffentlichen Brunnen holen. Strom gibt es nur gelegentlich. Aber Tazims Mutter beschwert sich nicht. „Hier ist es viel besser als dort, wo wir vorher lebten“, sagt sie. „Denn hier haben wir keine Angst vor Überschwemmungen.“ Tazims Vater arbeitete als Rikschafahrer, seine Frau als Hausangestellte. Als Tazim geboren wurde, war seine Schwester Muslima schon verheiratet – mit kaum 13 Jahren. Nach der Geburt ihres zweiten Kindes trennte sie sich vom gewalttätigen Ehemann und zog zu den Eltern zurück. Das Geld wurde noch knapper. Nach und nach brachen die Covid-Pandemie und Krankheiten über die Familie herein.