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© Vivida Photo PC / Shutterstock.com
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Homo homini

Zum Gedenktag des Märtyrers Maximilian Kolbe erzählt Weihbischof Matthias König im WDR Rundfunk von dessen bewegender Tat in Auschwitz. Seine Geschichte zeigt: Selbst im dunkelsten Grauen kann ein Mensch für den anderen mehr sein als ein Wolf – ein Bote der Liebe.

Hier können Sie den Beitrag von Weihbischof König gesprochen hören:

Ich werde diesen Moment nie vergessen: 1979 habe ich als junger Mensch das Konzentrationslager Auschwitz besucht. Wir wurden auch in den Todesblock geführt und standen vor der Erschießungswand, vor der so unzählig viele Menschen ihr Leben gelassen haben.

Direkt daneben war der so genannte „Hungerbunker“. Genau da war eine Tafel angebracht, die nur zwei lateinische Worte zeigte: „Homo homini“. Das bedeutet übersetzt: „Der Mensch ist des Menschen …“

Ich weiß nicht, wann diese Tafel in Ausschwitz angebracht wurde. Aber mir kam sofort das Sprichwort aus dem antiken Rom in den Sinn: „Homo homini lupus est“ – „Der Mensch ist des Menschen Wolf“. Wo, wenn nicht in Auschwitz  bestätigt sich dieses Wort in grausamer Weise? Aber: Die Worte auf der Tafel lassen eine Deutung offen – Denn: „Homo homini“ könnte auch anders ergänzt werden. Z.B:. „Der Mensch ist dem Menschen ein Helfer, ein Engel…“

In der Nähe dieser Tafel hat der Franziskanerpater Maximilian Kolbe 1941 sein Leben gelassen. Sein Gedenktag ist heute. Wie viele Intellektuelle, Professoren, Lehrer und Priester aus Polen wurde er in das Konzentrationslager Auschwitz eingeliefert. Dort erfuhr er am eigenen Leibe die Grausamkeiten eines unmenschlichen Regimes. Für die Nazis war Pater Kolbe kein Mensch mehr, sondern ein Subjekt mit eintätowierter Nummer. Überlebende bezeugen, dass Maximilian Kolbe trotzdem versucht hat, anderen Menschen ein Engel zu sein. Er hat versucht, die Liebe Gottes durch das eigene Tun zu Menschen zu tragen.

Als nach der gelungenen Flucht einiger Gefangenen aus dem KZ die Häftlinge antreten mussten, schritt auf dem Appellplatz der Kommandeur an ihnen entlang. Er nannte jeweils Nummern. Die Aufgerufenen mussten vortreten. Sie wussten, was nun folgte: der qualvolle Tod im Hungerbunker. Als ein junger Familienvater aufgerufen wurde, schrie dieser auf, weinte und beklagte, dass er sein neugeborenes Kind nie wieder sehen würde. Da trat Maximilian Kolbe vor und bat, für diesen Menschen in den Tod gehen zu dürfen. „Ich bin katholischer Priester und habe keine Familie. Ich bin bereit, für diesen hier zu sterben.“ Maximilian Kolbe kam also mit den übrigen Gefangenen in den Hungerbunker. Auch dort sprach er den Gefangenen Trost zu. Als man nach 14 Tagen die Türen öffnete, sind bis auf ihn alle umgekommen. Die Nazi-Schergen töteten ihn daraufhin mit einer Phenolspritze.

„Homo homini“, „der Mensch ist des Menschen“ – ja, was? In diesem Fall wurde einer für den anderen zum tröstenden Engel.

Es gibt immer wieder Menschen, die aus ihrem Glauben alles für andere einsetzen – sogar das eigene Leben. Das darf nicht vergessen werden. Ebenso wie das Grauen.

Vergesst nicht!

„Vergesst nicht, wozu Menschen fähig sind! Vergesst nie, was sie auch heute noch anderen Menschen antun und wehrt euch, dass so etwas nie wieder geschieht.“ Die verstorbene KZ-Überlebende Margot Friedländer wurde nicht müde, immer wieder den Satz in den Mund zu nehmen, der ihr zum Lebensprinzip geworden war:

„Seid Menschen! Seid Menschen!“

Maximilian Kolbe und andere haben bezeugt, wie das gelebt werden kann.

Ein Beitrag von:
© Besim Mazhiqi / Erzbistum Paderborn
Weihbischof

Matthias König

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