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© Isabella Maria Struck / Erzbistum Paderborn
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Hin zum „Mehr“

600 Teilnehmerinnen und Teilnehmer bei der diesjährigen Libori-Landvolkkundgebung im Paderborner Schützenhof - katholisches Duo Frengels und Chef hält Festrede

Andreas Altemeier, seit Februar 2026 Direktor für Jugendhaus und Landvolkshochschule in Hardehausen und Barbara Leufgen, pädagogische und konzeptionelle Leitung der Landvolkshochschule, begrüßten die rund 600 Teilnehmerinnen und Teilnehmer zur diesjährigen Landvolkkundgebung im Paderborner Schützenhof: „Der heutige Tag lädt dazu ein, die Suche nach Orten des begeisternden Kircheseins aus unterschiedlichen Perspektiven in den Blick zu nehmen“, versprach Leufgen.

Eine Kirche, geprägt von unterschiedlichen Perspektiven setzt Verbindung voraus. Libori ist im Paderborner Kirchenkalender ein Anlass, zu dem Gläubige Jahr für Jahr zusammenkommen und diese Verbindung gemeinsam feiern. So lautet das Libori-Leitwort in diesem Jahr treffend „mittendrin“. Das Grußwort, das Erzbischof Dr. Udo Markus Bentz anlässlich des diesjährigen Liboriwortes verfasst hatte, sei von einem weiteren Begriff geprägt: „Brückenbauer“, erinnerte Andreas Altemeier: „Im Libori-Leitwort des Erzbischofs Dr. Udo Markus Bentz ist von Brückenbauen die Rede und davon, Menschen miteinander ins Gespräch zu bringen und ihnen zu helfen, miteinander Wege zu finden, Zeit und Glauben zu gestalten. Unser Leitsatz in Hardehausen: ‚Die Tür steht offen, das Herz noch mehr‘ greift diesen Gedanken und den der Gastfreundschaft, die Libori ausmacht, in besonderer Weise auf.“ Das gelte für Hardehausen insgesamt. Hardehausen sei ein Ort, der Menschen einlädt, miteinander Leben zu gestalten.

Aus dem Leben berichten auch das Duo Frengels und Chef in der diesjährigen Festrede – genauer gesagt aus ihrem Leben in der Dio-Kirche Krefeld. Die Dio-Kirche bezieht sich dabei auf die Kirchengemeinde St. Dionysius in der die Gemeindereferentin Michelle Engel und Pfarrer David Grütjens wirken. Mit Mut, Begeisterung und Freude haben sie es geschafft, ein lebendiges Kirchenleben zu etablieren. Nicht selten erhielten sie die Frage, ob die Bilder auf ihrem 119.000. Follower starken Instagram-Kanal „diokirche_krefeld“ an Weihnachten entstanden seien. „Oder warum ist das so voll“, zitierte Pfarrer Grütjens die begeisterte Followerschaft.

Behaltet das Gute

Den Weg zu diesem aktiven Gemeindeleben beschreibt das Duo in seinem Buch und gleichnamigen Bühnen-Programm „Dio mio!: Wenn Kirche Spaß macht, entsteht ein Ort der Begeisterung“. Pfarrer David Grütjens erklärte: „Wie sind wir dahin gekommen? Wir haben zuallererst gesagt, wir wollen aufhören, immer nur auf die Defizite unserer Kirche und unserer Gemeinde zu schauen und das hat unfassbar viel verändert.“ Ein wesentlicher Impuls sei gewesen, frei nach Paulus „alles zu prüfen und das Gute zu behalten“, berichtete das Duo. Sicherlich habe es im Prozess der Veränderung und der Erneuerung auch Sackgassen gegeben – Veranstaltungen und Initiativen, die nicht wie erhofft angenommen wurden. „Dann gilt es, sich nicht daran festzuhalten, wenn man schon absehen kann, dass auch im nächsten Jahr keiner kommen wird“, erklärte Pfarrer Grütjens. Wichtig sei es, Dinge nicht zu sein lassen, sondern sie, wenn nötig, zu verändern: „Gute musikalische Angebote im kirchlichen Leben ziehen an. Wir haben aber auch festgestellt, dass Menschen Angebote schätzen, die zur Stille und Besinnung einladen“, schilderte das Duo ein Beispiel aus der Praxis.

Sehnsucht nach Anerkennung

Eine der tragenden Säulen im Kirchenleben sei das Ehrenamt. „Sicherlich sind sie alle irgendwo engagiert, ob in der Gemeinde, in Verbänden, Vereinen oder der Politik. Viel zu oft kommt es zu Situationen, in denen Dank und Anerkennung fehlen“, erinnerte Michelle Engel. Gegenseitige Wertschätzung und ein „Danke“ seien essenziell: „Wir Menschen verspüren eine Sehnsucht nach Anerkennung und danach, gesehen zu werden. Erinnern wir uns doch selbst immer wieder daran, wie gut es tut, ein ‚Danke‘ zu hören“, mahnte Engel.

© Isabella Maria Struck / Erzbistum Paderborn
In der Talkrunde tauschten sich Erzbischof Dr. Udo Markus Bentz, Nadine Mersch, Helena Schmidt und Antonius Tillmann aus.

„Da muss doch mehr gehen“

In der anschließenden Podiumsdiskussion tauschten sich Erzbischof Dr. Udo Markus Bentz, Nadine Mersch, Vorsitzende des Diözesankomitees, Helena Schmidt, BDKJ-Diözesanseelsorgerin und Antonius Tillmann, Westfälisch-Lippischer Landwirtschaftsverband über Momente aus, in denen sie Freude empfinden und solche, in denen es schwerfällt, Zuversicht zu verbreiten. Erzbischof Dr. Udo Markus Bentz zeigte sich ermutigt angesichts der Erfahrungen, die die Dio-Kirche-Krefeld gemacht habe: „Als Sie angefangen haben, habe Sie sich gesagt: ‚Da muss doch mehr gehen als das, was da ist‘. Für mich ist das ein Stichwort gewesen. Ich will, dass unsere Veränderung im Erzbistum auf die Zukunft hin nicht auf ‚weniger, weniger, weniger‘ ausgerichtet ist, sondern auf die Suche nach einem Mehrwert in der Veränderung.“ Es gelte, sich die Frage zu stellen: „Wo entsteht etwas, das uns verändert, was anders, vielleicht auch fremd und ungewohnt anmutet, aber was uns wirklich ein Stück weiterführt?“ Stelle man sich diese Fragen, löse sich etwas und Veränderung werde leichter, ermutigte der Erzbischof.

Auch Diözesanvorsitzende Nadine Mersch ist sich sicher, dass Veränderung nur im Austausch miteinander gelingen kann. „Ich habe Freude am Streiten“, sagte Mersch und ergänzte: „Weil ich immer denke, daraus entsteht etwas. Ich bin kein ‚Hau-Drauf‘. Ich bin der festen Überzeugung, dass die Dinge gut werden, wenn man versucht, den Ausgleich zu schaffen und in den Dialog und ins Zuhören kommt.“ Oft sei es auch richtig, einen Schritt zurückzugehen, weil andere mehr Zeit benötigten. „Das ist etwas, das wir in unserer Kirche mit den vielen Reformen, die anstehen, definitiv brauchen“, zeigte sich Nadine Mersch überzeugt.

Helena Schmidt ergänzte die Perspektive in der Arbeit mit jungen Menschen: „Hoffnung und Zuversicht lassen sich gut trainieren. Das nehmen wir auch mit jungen Menschen immer wieder in den Blick.“ Es gelte, lösungsorientiert zu denken und sich von der Vorstellung zu trennen, man sei machtlos und könne ohnehin nichts verändern, appellierte Schmidt.

Das Gefühl, gemeinsam etwas bewegen zu können, verspürte auch Antonius Tillmann angesichts der Proteste von Landwirten im Januar 2024. „Da sind viele Menschen gemeinsam losgefahren und haben gesagt ‚Wir wollen, dass die Politik auf uns hört!‘“, erinnerte sich Tillmann. Dass in der Landwirtschaft Sorgen um die Zukunft herrschten, verspürten vor allem junge Landwirte und Landwirtinnen, berichtete Antonius Tillmann zuvor und betonte den Stellenwert der Landwirtschaft für die Umwelt und das gesellschaftliche Leben in Dörfern. Beides sei durch den anhaltenden Schwund der Landwirtschaft vermehrt bedroht.

Ein Beitrag von:
© Besim Mazhiqi / Erzbistum Paderborn
Isabella Maria Struck
Referentin Team Presse

Isabella Maria Struck

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