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© Sonja Funke / Erzbistum Paderborn
© Sonja Funke / Erzbistum Paderborn

Gottesdienst zu Libori: Was die Kirche von den Marktbeschickern lernen kann

Bevor der Handelstag begann, kamen rund 30 Marktleute zum traditionellen Libori-Gottesdienst zusammen. Im Mittelpunkt standen Gemeinschaft, Würde jedes Menschen und zwei vertraute Gesichter des Pottmarktes.

Zwei bekannte Marktleute mit ins Gebet eingeschlossen

An den meisten Ständen sind die Läden und Planen noch geschlossen. Es ist ruhig, friedlich und noch angenehm schattig auf dem Pottmarkt, als um 8.30 Uhr in der Alexiuskapelle der Gottesdienst für die Marktbeschicker beginnt.

Wenig später werden sie wieder ihre Waren anpreisen, mit offenen Augen und Ohren auf die Menschen zugehen und spontan auf ihre Kundschaft reagieren. Jetzt aber nehmen sie sich einen Moment der Stille – zum Durchatmen, Nachdenken und Zusammensein.

„Sie sind mittendrin rund um den Dom!“ Mit diesen Worten begrüßt Dompropst Monsignore Joachim Göbel die Marktbeschicker zu ihrem Libori-Gottesdienst.

Zwei Menschen sind an diesem Morgen in besonderer Weise in die Gebete eingeschlossen: Petra Wiedig, die kürzlich verstorbene langjährige Sprecherin der Interessengemeinschaft Pottmarkt-Beschicker, und ihr erkrankter Kollege Will Koch.

Dompropst Göbel erinnert bereits zu Beginn des Gottesdienstes an die beiden, die sonst immer dabei gewesen seien. Als neuer Sprecher nimmt Thomas Philip an dem Gottesdienst teil. Auch Paderborns Bürgermeister Stefan-Oliver Strate ist unter den Gästen. Sie sind in Gesellschaft von knapp drei Dutzend  Marktleuten, die sich eine Dreiviertelstunde Ruhe und Einkehr gönnen. Zum Reflektieren, zum Luftholen, zum Zusammensein.

Wach, aufmerksam und immer mit dem Ohr an den Kundinnen und Kunden

„Die Mitte spielt eine große Rolle in der Bibel. Gott wird am Ende in der Mitte sein“, so Dompropst Göbel. Er ging auf das Gleichnis vom Weinstock und den Reben ein und auf Jesus, der hier sein „mittendrin sein“ ausdrücke. Und er erzählt, was er selbst „mittendrin“ rund um den Dom erlebte.

Auch die Marktbeschicker seien während Libori im wörtlichen Sinne mittendrin: rund um den Dom, im Zentrum des Festes und im direkten Kontakt mit den Menschen. „Sie sind wirklich mittendrin. Ich bin immer wieder über den Markt gegangen, habe beobachtet und festgestellt, wie aufmerksam viele sind. Sie sind sehr wach. Sie haben die Augen fast überall. Sie können, schnell, spontan und witzig reagieren.“

Als Beispiel schildert der Domprobst eine Begegnung mit Petra Wiedig im Jahr 2025, ihrem letzten Jahr als Sprecherin der Interessengemeinschaft:

„Sie hatte diese grünen Tücher an ihrem Stand. Wir haben ein bisschen erzählt und dann drückte sie mir fünf in die Hand und sagte: ,Nehmen Sie die mit!‘ In dem Moment kam eine Frau an den Stand und fragte: ,Taugen die was?‘ Petra Wiedig sagte: ,Das ist der Dompropst, der nimmt sie seit Jahren und hat sich noch nie beschwert!‘ Die Kundin nahm fünf Tücher.“

Die Begebenheit zeige, wie schnell, gut und humorvoll die Marktbeschicker reagierten. Was Kirche sowie Christinnen und Christen von ihnen lernen können? „Ebenso wach, reaktiv und in der Gesellschaft präsent zu sein.“

Jeder Mensch ist gleich wichtig

Besonders beeindrucke ihn, dass die Händlerinnen und Händler allen Menschen mit derselben Aufmerksamkeit begegneten, so Dompropst Goebel weiter.

„Sie geben jeder Kundin, jedem Kunden das Gefühl gleich wichtig zu sein. Alle werden gleich behandelt, egal, wie sie angezogen sind, ob sie lieb oder frech sind. Sie versetzen sich in die Kunden hinein und überlegen, was könnte ich ihnen anbieten. Jede und jeder wird in der selbend Höflichkeit und zuvorkommend bedient Das fasziniert mich.“

Darin erkennt der Dompropst eine Parallele zum christlichen Auftrag: „Und ich denke, wir Christen in der Gesellschaft sind die, die Eintreten für die Würde und Gleichheit der Menschen. Wir holen die hinein, die außen vor sind und vergessen die Ränder nicht. Das ist unsere wichtige Aufgabe.“

Darüber hinaus seien die Marktbeschicker überzeugt von ihren Produkten, die für sie unübertrefflich seien. „Das möchte ich gerne von Ihnen lernen, dass wir als Christen und Kirche ein gutes Angebot und die frohe Botschaft haben und wieder mehr darüber sprechen. Wir – wenn Sie so wollen – haben auch   ein Produkt, dass nicht enttäuschen wird, und dass das Leben mittendrin verheißungsvoller und besser macht.“

Und letztlich sei der Alltag der Marktleute mit ihrem ständigen Ankommen und wieder Aufbrechens ein gutes Bild für die Suche im Leben jedes Menschen: Wo gehöre ich hin? Wo bin ich zu Hause? Wo ist meine Mitte. „Sie predigen sich selbst!“

Zum Abschluss spendet Dompropst Göbel den Segen. „Der Gottesdienst hier ist immer ein schöner Moment für mich“, zieht er ein Resümee. Er dankt den Marktbeschickern dafür, dass sie den Dom traditionell jedes Jahr mit ihren bunten Ständen umgeben. „Das freut uns natürlich sehr.“

Anschließend kehren die Händlerinnen und Händler zurück auf den Pottmarkt – bereit für einen langen, heißen und hoffentlich geschäftigen Tag.

 

Ein Beitrag von:
Sonja Funke
Redakteurin

Sonja Funke

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