„Heilige Orte sind dazu da, um vor Gott zu sein und sich von ihm beschenken zu lassen. Selbst für den, der nicht glaubt, ist eine Kirche ein Ort, über das Geheimnis des Lebens nachzusinnen und davor ins Schweigen zu kommen.“ Das sagte Erzbischof Hans-Josef Becker im Kapitelsamt, das er anlässlich des Jahrestages der Weihe des Paderborner Domes gemeinsam mit dem Metropolitankapitel feierte. Im Gottesdienst wurde zudem das 18. Jahresgedächtnis für Erzbischof Johannes Joachim Kardinal Degenhardt begangen, der 2002 kurz vor dem Beginn des Libori-Festes im Alter von 76 Jahren verstorben war.
„Gott nicht klein denken“
Erzbischof feiert Kapitelsamt zum Jahrestag der Weihe des Hohen Domes und zum 18. Jahresgedächtnis Kardinal Degenhardt
Erzbischof Hans-Josef Becker stand am Mittwoch dem Kapitelsamt vor, in dem der Jahrestag der Weihe des Paderborner Domes sowie das 18. Jahresgedächtnis für Kardinal Degenhardt begangen wurde. Foto: Thomas Throenle / Erzbistum Paderborn
„Wir dürfen unser Bild von Gott und vom Glauben nicht einfach weichspülen“, forderte Erzbischof Becker in seiner Predigt. Gott sei kein „gefühlsduseliger, leicht seniler Übervater“. Die sogenannte Tempelreinigung zeige, dass Jesus einer sei, der kraftvoll und mit Vollmacht handle. Heilige Orte dürften nicht für rein Irdisches gebraucht werden, bekräftigte der Paderborner Erzbischof. „Von Gott dürfen wir nicht zu klein denken und ihn hinabziehen in unsere Markthallen“, so Erzbischof Becker. Er warnte: „Wer zu sehr im irdischen Denken aufgeht, der wird Gott nicht erkennen. Wer die Banknote und den eigenen Erfolg zum Götzen macht, der verliert Gott.“