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Gestresste Elfjährige?!

Die katholische Jugendarbeit begleitet Theresa Bartz ihr gesamtes Berufsleben. Zuletzt war sie Jugendreferentin auf Dekanatsebene. Ihre Erfahrungen bringt sie nun im Jugendhof Pallotti in Lennestadt-Altenhundem ein, wo sie die stellvertretende Leitung und die geistliche Leitung übernommen hat.

Ich bin gestresst – dieser Satz ist ein Erwachsenensatz. Und es ist schlimm genug, dass er überall fällt. Aus dem Mund von Elfjährigen aber hört sich diese Aussage doppelt und dreifach verkehrt an. „Schülerinnen und Schüler der fünften Klasse sollten kein Wort für Stress haben. Erst recht sollten sie das Gefühl nicht kennen“, sagt Theresa Bartz. Und dennoch. Wann immer Gruppen an den Tagen religiöser Orientierung zu ihr auf den Jugendhof Pallotti kommen, fällt er unweigerlich, dieser eine Satz: Ich bin gestresst.

Schülerinnen und Schüler der fünften Jahrgangsstufe sind erschöpft vom Wechsel auf die weiterführende Schule. Die etwas Älteren leiden darunter, dass ihr Aussehen, ihre Sozialbeziehungen oder womöglich ihr ganzes Leben nicht instagrammable genug sind. Besonders hoch ist der Stresspegel unter den Schülerinnen und Schülern, die bald vor dem Abschluss stehen. Bei ihnen mischt sich unter den Lernstress das ungute Gefühl, keinen rechten Platz in der Gesellschaft finden zu können. „Als ich vor 15 Jahren als studentische Honorarkraft in die katholische Jugendarbeit eingestiegen bin, gab es auch schon Leistungsdruck“, berichtet Theresa Bartz von ihren Erfahrungen. „Aber mittlerweile hat der Stresspegel unter Kindern und Jugendlichen ein neues Niveau erreicht.“

Nichtalltäglichkeit ist wichtig

Religiöse Orientierungstage gehören zum Kernangebot des Jugendhofs Pallotti – und dieses Angebot wird gut angenommen, selbst von Schulen außerhalb des Erzbistums Paderborn und von nichtreligiösen Lehrerinnen und Lehrern. Von den drei bis fünf Tagen der „Nichtalltäglichkeit“ in der Jugendbildungsstätte erhoffen sie sich, den Zusammenhalt in der Klassengemeinschaft zu stärken. „Wenn eine Mittelstufenklasse aus einer Schule in Köln, Düsseldorf oder einer anderen Großstadt anrückt, ist bei uns einiges los“, weiß Theresa Bartz. Sie weiß aber auch, wie die jungen Menschen zu nehmen sind, wie groß teilweise die Verunsicherung ist – und wie belastend der Stress.

Was bin ich wert? Wie soll ich mit dieser Welt umgehen? Wie soll ich mit anderen umgehen? Wer bin ich eigentlich, was macht mich aus? In der Regel dauert es nicht lange, bis sich junge Menschen während der Orientierungstage so weit öffnen, dass sie diese Fragen stellen – selbst junge Menschen, die in ihrem Leben noch nie in Kontakt mit der christlichen Religion kamen. „Und wir haben durch unseren Glauben gute Antworten auf diese nagenden Lebensfragen“, erklärt die Jugendsozialarbeiterin Bartz. „Natürlich wird bei uns niemandem etwas übergestülpt. Wir machen aber den jungen Menschen schon klar, wofür wir als Christinnen und Christen stehen und woran wir glauben.“

Wachsen zur Fülle des Lebens

Während unter der Woche oft Schulklassen im Rahmen der religiösen Orientierungstage den Jugendhof Pallotti besuchen, kommen am Wochenende meist religiös stärker gebundene junge Menschen nach Lennestadt-Altenhundem. Darunter sind Angehörige von christlichen Jugendgruppen oder junge Menschen, die als Teil ihrer Firmvorbereitung ein Intensivwochenende in der Jugendbildungseinrichtung belegen. Das Vokabular dieser stärker kirchlich gebundenen jungen Menschen ist ein anderes als das der Jugendlichen, die zu den Orientierungstagen kommen. Ihre Lebensfragen aber ähneln einander sehr. Auch die Antworten unterscheiden sich nur graduell im Wortlaut, kaum aber im Inhalt. Eine dieser Antworten liegt im Motto des Jugendhofs Pallotti: „Wachsen zur Fülle des Lebens“. Eine andere Antwort gibt das Unendlichkeitszeichen im Logo der Jugendbildungseinrichtung, das für die unendliche Liebe Gottes steht.

Jugendarbeit im Pallottinischen Geist

„Wir wollen Mittler sein, damit die jungen Menschen diese Liebe Gottes spüren“, beschreibt Theresa Bartz ihren Auftrag in der katholischen Jugendbildungsarbeit. Damit versteht sie sich in der Tradition von Vincenzo Pallotti. Dieser förderte im 19. Jahrhundert nicht nur die Jugendarbeit, sondern legte – als ein in Rom wirkender Priester – großen Wert darauf, dass sich auch Laien an der Verkündigung der Frohen Botschaft beteiligen. Selbst wenn auf dem Jugendhof Pallotti kein Pallottiner mehr ist: Der Pallottinische Geist wirkt weiter.

Ein Beitrag von:
© Jürgen Hinterleithner
freier Autor

Hans Pöllmann

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