Ich bin gestresst – dieser Satz ist ein Erwachsenensatz. Und es ist schlimm genug, dass er überall fällt. Aus dem Mund von Elfjährigen aber hört sich diese Aussage doppelt und dreifach verkehrt an. „Schülerinnen und Schüler der fünften Klasse sollten kein Wort für Stress haben. Erst recht sollten sie das Gefühl nicht kennen“, sagt Theresa Bartz. Und dennoch. Wann immer Gruppen an den Tagen religiöser Orientierung zu ihr auf den Jugendhof Pallotti kommen, fällt er unweigerlich, dieser eine Satz: Ich bin gestresst.
Schülerinnen und Schüler der fünften Jahrgangsstufe sind erschöpft vom Wechsel auf die weiterführende Schule. Die etwas Älteren leiden darunter, dass ihr Aussehen, ihre Sozialbeziehungen oder womöglich ihr ganzes Leben nicht instagrammable genug sind. Besonders hoch ist der Stresspegel unter den Schülerinnen und Schülern, die bald vor dem Abschluss stehen. Bei ihnen mischt sich unter den Lernstress das ungute Gefühl, keinen rechten Platz in der Gesellschaft finden zu können. „Als ich vor 15 Jahren als studentische Honorarkraft in die katholische Jugendarbeit eingestiegen bin, gab es auch schon Leistungsdruck“, berichtet Theresa Bartz von ihren Erfahrungen. „Aber mittlerweile hat der Stresspegel unter Kindern und Jugendlichen ein neues Niveau erreicht.“