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© Photo Kozyr / Shutterstock.com
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Gerechtere Weltwirtschaft duldet keinen Aufschub

Initiative "Lieferkettengesetz" protestiert mit mehr als 222.222 Unterschriften am Bundeskanzleramt

Mitglieder der Initiative „Lieferkettengesetz“, die auch vom Erzbistum Paderborn unterstützt wird, haben am Mittwoch in Berlin demonstriert, weil das Bundeskabinett die Besprechung der Eckpunkte für ein Lieferkettengesetz erneut verschoben hat. Dabei errichteten die Engagierten einen überdimensionalen „gesetzlichen Rahmen“ und übergaben symbolisch eine Petition mit mehr als 222.222 Unterschriften aus ganz Deutschland an das Bundeskanzleramt. Das Bündnis aus über 100 zivilgesellschaftlichen Organisationen fordert von der Bundesregierung, das Lieferkettengesetz nicht länger zu verschieben, sondern mit dessen Realisierung endlich für einen wirksamen Schutz von Menschenrechten und Umwelt zu sorgen.

 

Mit einem Lieferkettengesetz sollen Unternehmen verpflichtet beziehungsweise haftbar gemacht werden, ihre im Ausland beschafften Vorleistungsgüter oder Fertigerzeugnisse in jeder Phase der Lieferkette zurückzuverfolgen – vor allem im Hinblick auf umweltschädigende oder Menschenrecht verletzende Produktionsverfahren. Das Erzbistum Paderborn gehört zu den zahlreichen Unterstützern der Kampagne zum Lieferkettengesetz. „Wenn wir eine gerechtere Weltwirtschaft wollen, brauchen wir gesetzliche Regelungen, mit denen die Firmen zur Sorgfalt verpflichtet werden“, macht Ulrich Klauke unmissverständlich klar. Er ist Referent für Mission, Entwicklung und Frieden im Erzbischöflichen Generalvikariat Paderborn.

Weltkirchliche Solidarität

Viele Gruppen und Gemeinden im Erzbistum Paderborn haben im vergangenen Jahr die Kampagne zum Lieferkettengesetz unterstützt und bei der Sammlung von Unterschriften geholfen. „Das ist ein Zeichen des partnerschaftlichen Bewusstseins in unserem Erzbistum. Zur weltkirchlichen Partnerschaft gehört besonders die Solidarität mit Menschen, deren Menschenrechte mit Füßen getreten werden“, hält Klauke fest. „Es ist ein Skandal, dass die Eckpunkte eines Lieferkettengesetztes immer noch nicht im Kabinett beraten wurden.“ In ganz Deutschland haben Menschen in den letzten Monaten Unterschriften gesammelt und damit die Forderung nach einem gesetzlichen Rahmen für das Lieferkettengesetz in die Öffentlichkeit getragen und auf dessen Notwendigkeit aufmerksam gemacht.

 

„Heißes Eisen“

Das Lieferkettengesetz ist in der Politik seit langem ein „heißes Eisen“: Anders als Eckpunkte des Arbeits- und des Entwicklungsministeriums es vorsehen, schlägt das Wirtschaftsministerium derzeit vor, ein Lieferkettengesetz nur für Unternehmen ab 5.000 Mitarbeitenden einführen. Zudem soll der zivilrechtliche Durchsetzungsmechanismus entfallen. Damit gäbe es jedoch für Betroffene von Menschenrechtsverletzungen kaum eine Handhabe, vor deutschen Gerichten Entschädigungen geltend zu machen.

Auch frühere Eckpunkte des geplanten Gesetzes hatten zu Kritik in der Zivilgesellschaft geführt: Es sollten nur Unternehmen mit Hauptsitz in Deutschland in die Pflicht genommen werden und es waren keinerlei umweltbezogene Sorgfaltspflichten eingeschlossen. „Landesgrenzen dürfen kein Kriterium sein, weil Verstöße gegen die Umwelt oder Menschenrechte oftmals am Anfang der Lieferkette und damit außerhalb der Europäischen Union stattfinden. Ein Lieferkettengesetz muss also notwendig die gesamte Kette berücksichtigen“, fasst Ulrich Klauke zusammen.

 

 

Über 100 zivilgesellschaftlichen Organisationen unterstützen die Initiative Lieferkettengesetz. Foto: Sina Niemeyer/Greenpeace.

Zur symbolischen Übergabe der Petition gegen die erneute Verschiebung der Kabinettsdebatte um das Lieferkettengesetz in Berlin waren Vertreter der verschiedenen Träger und Unterstützer der Initiative zum Bundeskanzleramt gekommen. „Es war ermutigend zu erleben, wie breit dieses Bündnis aufgestellt ist. Es bleibt die Hoffnung, dass ein wirksames Gesetz noch in dieser Legislaturperiode beschlossen wird“, zeigt sich Ulrich Klauke optimistisch.

 

Träger der Initiative Lieferkettengesetz

  • Arbeitsgemeinschaft der Eine Welt-Landesnetzwerke in Deutschland e.V. (agl)
  • Brot für die Welt
  • Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland e.V. (BUND)
  • Christliche Initiative Romero e.V. (CIR)
  • CorA-Netzwerk für Unternehmensverantwortung
  • Deutscher Gewerkschaftsbund (DGB)
  • European Center for Constitutional and Human Rights (ECCHR)
  • Forum Fairer Handel e.V., Germanwatch e.V.
  • Greenpeace e.V., INKOTA-netzwerk e.V.
  • Bischöfliches Hilfswerk MISEREOR e. V.
  • Oxfam Deutschland e.V.
  • SÜDWIND e.V.
  • ver.di – Vereinte Dienstleistungsgewerkschaft
  • WEED – Weltwirtschaft, Ökologie & Entwicklung e.V.
  • Weltladen-Dachverband e.V.
  • Werkstatt Ökonomie e.V.

Über 80 weitere Organisationen unterstützen die Initiative. Mehr Informationen unter www.lieferkettengesetz.de.

Weiterführende Informationen

  • Bildmaterial zur Foto-Aktion vor dem Bundeskanzleramt finden Sie hier.
  • Die Analyse „Verhältnismäßig und zumutbar: Haftung nach dem Lieferkettengesetz“ finden Sie hier.
  • Die fünf Kernforderungen der Initiative Lieferkettengesetz finden Sie hier.

 

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