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Fulminanter Schlussakkord für das Manifesta 16 Ruhr + Projekt in der Kirchengemeinde St. Martin

Am 4.10.2026 schließt die Manifesta 16 Ruhr nach 106 Tagen ihre Pforten. Gleichzeitig geht auch das Manifesta + Projekt Nebenan – Quartiersgeschichten – auf dem Weg zur Ehrenamtskirche in der Kirchengemeinde St. Martin zu Ende.

Noch einmal locken in den letzten fünf Tagen tolle Angebote in die Kirchengemeinde, die in den letzten 100 Tagen Kirche und Atrium zu einem Platz der Nachbarschaft (Piazetta) geformt hat. Damit wurde eine alte Idee neu belebt.

Als vor gut siebzig Jahren, im Jahr 1955, die ersten Pläne für die Gartenstadt-Nord veröffentlicht wurden, war es die Absicht, hier einen neuen Stadtteil für gut 3.000 Menschen zu bauen. Ausgehend von einem Wettbewerb sollte hier ein Quartier von besonderer städtebaulicher Qualität entstehen. Ein Quartier, in dem Hochhäuser, Reihenhäuser und Einfamilienhäuser nebeneinander stehen, in dem Menschen unterschiedlicher Herkunft und unterschiedlicher Lebensentwürfe zusammenwohnen können.

Die Planer wollten — das war damals der Topos — eine „Stadt der kurzen Wege“. Und im Zentrum dieser Stadt sollte ein Marktplatz stehen, gerahmt von Geschäften, Wohnhäusern und einem Gemeindezentrum mit Kirche.

Kirche als Ort der Begegnung

Diese Kirche war als Nordwand eines Marktplatzes gedacht, der zwischen der Gabelsbergerstraße und der Straße Am Zehnthof liegen sollte. Das Kirchenzentrum sollte nicht abseits liegen, sondern Mitte sein — räumlich und sozial. Genau da ist das Projekt der Manifesta + verortet. Gedacht als ein Projekt für den Stadtteil Gartenstadt-Nord, hat es den Titel NEBENAN.

Ausgehend von den Quartiersgeschichten wird die Frage nach der Zukunft der Kirchengemeinde und ihrer Gebäude gestellt. Was kann Kirche sein in einer Zeit, in der hauptamtliches Personal weniger wird, die strukturellen Einheiten immer größer werden, in der Glaubensgewissheiten sich verschieben und in der viele Menschen – junge und alte – allein sind?

Die Antwort der Kirchengemeinde St. Martin: Kirche ist da, wo Menschen einander begegnen – wo sie in Beziehung treten. In diesem Sinne ist die Gemeinde neue Wege gegangen – liturgisch, aber auch bei der Nutzung des Kirchengebäudes, mit Zustimmung des Erzbistums Paderborn.

Und so wurde aus der Kirche und dem Atrium eine Piazetta – ein kleiner Marktplatz, wo sich teilweise bis zu 250 Menschen bei einem Pop-up-Biergarten trafen.

Die Angebote der letzten Tage im Überblick:

Mittwoch, 30. September, wird um 19 Uhr in der Kirche der Film „One, Two, Three“ von Billy Wilder gezeigt – ein echter Klassiker mit dem jungen Horst Buchholz in einer der Hauptrollen.

Donnerstag, 1. Oktober, lockt um 15.30 Uhr das offene Café mit selbstgebackenem Kuchen in den Gemeindesaal.

Freitag, 2. Oktober, kommt um 19.30 Uhr Ulrike Böhmer in die Kirche. Die Kirchenkabarettistin bringt ihre Paraderolle mit: Frau Schabiewsky. Sie ist eine Frau, wie es sie in vielen Gemeinden gibt. Gern lädt sie den Herrn Pastor mal auf ein Stückchen Kuchen ein, geht zur Bibelstunde und kennt sich überhaupt bestens mit allem aus, was in der Gemeinde so los ist.

Samstag, 3. Oktober, laden um 15 Uhr die St. Martin Makers Kinder und Jugendliche ab 10 Jahren zum Basteln, Erkunden und Experimentieren ins Gemeindehaus ein.

Sonntag, 4. Oktober, folgt um 17 Uhr in der Kirche die Finissage des Manifesta + Projektes mit einem Vortrag von Prof. Dr. Barbara Welzel von der TU Dortmund. Anschließend gibt es Gelegenheit zum Netzwerken in gemütlicher Runde.

Wie es mit NEBENAN weitergeht

Einsamkeit und unfreiwilliges Alleinsein sind keine rein privaten Befindlichkeiten, sondern eine ernsthafte politische und demokratische Herausforderung. Die Menschen suchen nach Möglichkeiten der Begegnung. In einer Umfrage während der Manifesta gaben 74 Prozent der gut 200 Befragten an, dass sie zu den Veranstaltungen gekommen sind, um Freunde und Bekannte zu treffen. Knapp 15 Prozent kreuzten die Aussage „Ich bin viel allein“ an.

Am Ende bleibt die Frage, was bleibt von der Manifesta 16 Ruhr – was von den Manifesta + Projekten. Der große Zuspruch und die gesellschaftliche Verantwortung, die Kirche auch in der heutigen Zeit hat, haben die Verantwortlichen bewogen, den Weg weiterzugehen. Dafür sollen noch finanzielle Mittel eingeworben werden.

Mehr als 5.000 Besucher kamen zu den unterschiedlichen Veranstaltungen. Deshalb soll im nächsten Jahr an einem lebendigen Netzwerk aus Ideen und Aktivitäten weitergearbeitet werden. Für den 18.1.2027 um 18 Uhr ist das erste Treffen für die neue Quartiersplanung in den Räumen der Kirchengemeinde St. Martin geplant. Eingeladen sind alle, die im Quartier Gartenstadt-Nord mitgestalten wollen – für die Menschen und für ein gutes NEBENAN.

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