Während das Wahl-Kreuz für Eindeutigkeit stehe, sei das Kreuz Jesu ein eindeutiges „Heils-Zeichen“. Die durch den Kreuzestod Jesu bezeugte Liebe Gottes zu den Menschen sei „existenziell“, erklärt der Weihbischof Holtkotte. Sie frage nicht, woher jemand komme, und urteile nicht nach Verdiensten und Leistungsfähigkeit. „Sie blickt auf den Menschen in seiner von Gott verliehenen Würde – unbesehen aller Kriterien, die in unserem menschlichen Empfinden als nützlich, berechtigt, gerechtfertigt oder gerecht gelten.“ Dies verbinde alle Menschen als Kinder Gottes, erläutert Weihbischof Holtkotte: „Das gilt ausnahmslos – auch wenn manche politische Äußerungen in ihrer Schärfe und Unerbittlichkeit den Eindruck vermitteln, manche Menschen seien mehr wert als andere.“
Komplexe Herausforderungen
An eine Welt ohne jegliche Unterschiede zu glauben, sei jedoch naiv, führt der Paderborner Weihbischof weiter aus: „Es gab und gibt noch immer gravierende Unterschiede, was Wohlstand, Bildung oder Nahrungsversorgung angeht. Es ist bis heute nicht gelungen, Armut flächendeckend und nachhaltig zu überwinden. Ebenso wenig sind die sozialen Umstände verschwunden, die bei Menschen Sorgen, Neid und Missgunst gegenüber ihren Mitmenschen auslösen.“ Die Bearbeitung dieser Herausforderungen bleibe eine Daueraufgabe für politisch Verantwortliche, zeigt sich Weihbischof Holtkotte überzeugt.
Wie bei allen komplexen Herausforderungen würden schnelle Lösungen, die mit Ausgrenzung und Abwertung von Menschen spielen, jedoch nichts bringen. „Mein Eindruck ist: Manche vermeintlich einfachen Antworten auf politisch komplizierte Sachfragen haben einzig die Absicht, Empörungsmechanismen zu schüren“, so der Paderborner Weihbischof.