280 Jugendliche und junge Erwachsene aus dem ganzen Erzbistum Paderborn – von Castrop-Rauxel über Arnsberg, Meschede oder Lennestadt bis nach Bielefeld oder Warburg – feierten am Samstag und Sonntag das 15. YOUNG MISSION-Weekend im Jugendhaus Hardehausen – das Motto lautete „Just do it!“, frei übersetzt mit „Tu’s einfach!“. Seit fünf Jahren haben sich bei der jungen Glaubensinitiative über 3.500 junge Menschen von Gott berühren lassen. Bei der Jubiläumsfeier stand der Blick nach vorn im Mittelpunkt: Wie können wir noch mehr junge Menschen vom Glauben begeistern? Wie können wir im Erzbistum Paderborn eine junge, dynamische Kirche aufbauen?
Eine Antwort darauf gab Jugendpfarrer Stephan Schröder, Direktor des Jugendhauses, anhand des neuen Logos von YOUNG MISSION: dem Herz. Die Voraussetzung für Mission sei, dass das Herz berührt werde. Dass es von Gott voll sei. Genau da setzt die junge Glaubensinitiative seit fünf Jahren an. Sie gibt eine Gemeinschaft im Glauben. Statt 70 Teilnehmer wie bei den ersten Veranstaltungen, kamen diesmal 280 Jugendliche und junge Erwachsene ins Jugendhaus Hardehausen.
Ein Ort zum Kraft-Tanken
Diözesanjugendpfarrer zeigte die Schriftrolle, auf der die Teilnehmenden und Erzbischof Hans-Josef Becker mit ihrer Unterschrift bekräftigt hatten, mit ihrem Namen für Jesus einzustehen.
Foto: pdp/Tobias Schulte
Das Programm der YOUNG MISSION-Wochenenden blieb über die Jahre recht konstant: Willkommen in lockerer Atmosphäre, dann die Vigilfeier als Lichterfeier, im Anschluss die gemeinsame Party am Samstag sowie Glaubensgespräche und die Heilige Messe am Sonntag. „YOUNG MISSION ist ein Ort, an dem ich im Glauben wachsen kann“, sagte Lukas Berting (24) aus Neheim. „Besonders die Vigilfeier hat unglaublich viel Kraft gegeben“. In der Feier erleuchten nur noch punktuell wenige rote LED-Strahler und Hunderte kleine Kerzen die Kirche. Die Band singt Worship-Lieder die „ein Gefühl der Geborgenheit“ vermitteln, wie es Sänger Jacob Heemann (20) nennt. Jesus Christus wird in der Monstranz ausgesetzt. Es folgt komplette Stille. Zeit, ganz tief in den Gedanken zu versinken. Fragen zuzulassen. Zu beten.
Mit seinem Namen dafür einstehen, Christus zu bezeugen
Christen müsse die Freude am Glauben im Gesicht abzulesen sein, sagte Erzbischof Hans-Josef Becker in der Vigilfeier.
Foto: pdp/Tobias Schulte
„Ich habe darüber nachgedacht, dass ich in meinem Leben so schnell im Alltag versinke“, stellte Lukas Berting fest. „Hier konnte ich runterkommen und mich auf den Glauben konzentrieren. Daraus schöpfe ich viel Mut und Energie.“ In Zeiten, in denen die Kirche oft als „alt“ oder „tot“ bezeichnet wird, fließen in der Vigilfeier Tränen der Rührung. Jugendliche stellen sich an, um mit Priestern ein Gespräch zu führen, sich segnen zu lassen oder das Sakrament der Versöhnung zu empfangen. Erzbischof Hans-Josef Becker feierte die Vigil mit und suchte zum Anfang seiner Ansprache nach Worten. Er blickte in die Gesichter der Jugendlichen und sagte: „Das ist ein Geschenk.“ Er versicherte, dass Gott immer da sei. „Das heißt auch, dass er immer jung ist.“
Um mehr Menschen zu erreichen, forderte der Erzbischof eine neue Willkommenskultur in der Kirche – mit Menschen, denen die Freude am Glauben im Gesicht abzulesen sei und die davon erzählten. Um den Worten beim YOUNG MISSION-Weekend auch Taten folgen zu lassen, unterzeichnete Erzbischof Becker als Erster eine Schriftrolle. Darauf steht jeder mit seinem Namen dafür ein, dass er Jesus Christus in seinem Leben bezeugt.
Berührende Gespräche mit Glaubenszeugen
Mit der Feier der Heiligen Messe endete das 15. YOUNG MISSION-Weekend in Hardehausen.
Foto: pdp/Tobias Schulte
Zur Katechese am Samstag war zuvor Propst Dietmar Röttger aus Soest nach Hardehausen gekommen. Wer das Gefühl habe, keine Zeit zu haben, für den komme es darauf an, zu schauen, was einem wichtig sei, erklärte er. Am nächsten Morgen standen vor allem Gespräche über den Glauben an. Robert Kenter, gebürtiger Kölner, hat ein Jahr lang ein Freiwilliges Soziales Jahr im Jugendhaus absolviert – bald beginnt er, Elektrotechnik zu studieren. Er war einer von zwei Glaubenszeugen, die vor den 280 Jugendlichen und jungen Erwachsenen über ihr Leben und die Beziehung zu Gott sprachen, immer im Hinblick auf das Motto des Wochenendes „Just do it!“. Die vielen Menschen, die er in der Kirche kennengelernt habe, dazu seine Familie und Freunde, seien für ihn eine Art Netz, das ihn auffange, wenn etwas schief gehe. „Ich weiß, dass ich immer wieder neu anfangen kann. Daraus schöpfe ich Kraft, jetzt loszulegen und nicht zu viel darüber nachzudenken, was passieren könnte.“
Wer um Hilfe bittet, dem wird geholfen – diese Regel diente Martin Kolek stets als Sicherheit, als er gemeinsam mit Freunden auf einem Segelschiff den Atlantik überquerte. Es sei im Seerecht festgelegt, dass ein Boot, das das „Seenot“-Signal funke, von Schiffen in der Nähe unterstützt werde. Dieses Gefühl der Sicherheit war der Grund, dass der 52-Jährige sich auf eines der größten Abenteuer seines Lebens aufgemacht hat. Im Jahr 2016 heuerte er als Erster Offizier von Kapitänin Carola Rackete auf der „Sea-Watch-3“ an – um Flüchtlinge auf dem Mittelmeer aus Seenot zu retten.
Sich für etwas Größeres einsetzen
Bei dieser Mission half er innerhalb von wenigen Tagen über 600 Menschen. Gleichzeitig musste er Dutzende Jugendliche bergen, die ertrunken waren. Besonders nah ging ihm der Moment, als er einen ertrunkenen Säugling aus dem Wasser hob. „Das war eine ganz große Leere in mir“, beschreibt er seine damalige Gefühlslage. Er habe gespürt, dass Gott auch in diesem hochemotionalen Moment da war. „Er hat uns gezeigt, dass es richtig ist, dass wir den Menschen helfen. Wenn wir es nicht getan hätten, wäre niemand da gewesen.“
„Es hat aufgerüttelt“, sagte Alexander Sieler (32) aus Lennestadt, „ermutigt, Sachen stehen und liegen zu lassen, um sich für etwas Größeres einzusetzen.“ Andererseits sei auch deutlich geworden, dass es manchmal Menschen brauche, die andere mitziehen, die sagen: „Just do it!“.
Der Höhepunkt des YOUNG MISSION-Weekends war auch gleichzeitig wie immer das Ende – das hat sich auch in den fünf Jahren nicht geändert. Zum Abschluss feierten die Jugendlichen und jungen Erwachsenen gemeinsam die Heilige Messe. „In der Eucharistie dürfen wir erfahren, dass Gottes Herz auch für uns brennt“, lud Stephan Schröder ein.
Christus-Ikone in die Pfarreien gesendet
Mit dem Abschluss des Treffens kam zwangsläufig die Frage auf: Was bleibt? Die Antwort hatte sich schon durch das ganze Wochenende gezogen: der Auftrag, das Gefühl von YOUNG MISSION zu transportieren. Die Mission, andere junge Menschen zu begeistern. Als ein Werkzeug dafür wird eine Christus-Ikone, die Erzbischof Hans-Josef Becker gesegnet hat, in die Pfarreien des Erzbistums Paderborn gesendet. Außerdem wird die Gruppe YOUNG MISSION NOW verstärkt junge Glaubensangebote vernetzen und anbieten.
Hintergrund: YOUNG MISSION
Die junge Glaubensinitiative YOUNG MISSION ist im Nachgang des Weltjugendtags 2013 in Rio de Janeiro entstanden. Die Pilger rund um Jugendpfarrer Stephan Schröder haben sich gefragt, wie sie die Atmosphäre des Weltjugendtags, die Freude am Glauben und die Gemeinschaft mit vielen jungen Erwachsenen ins Erzbistum Paderborn transportieren können. Entstanden ist das Format YOUNG MISSION. Zwei bis drei Mal im Jahr werden die YOUNG MISSION-Weekends veranstaltet.

