Franz Kardinal Hengsbach steht im Mittelpunkt einer dreitägigen Fachtagung, die derzeit in der Katholischen Akademie Schwerte stattfindet. Die Kommission für Kirchliche Zeitgeschichte im Erzbistum Paderborn führt die Tagung vom 3. bis 5. September in Zusammenarbeit mit der Katholischen Akademie Schwerte durch. Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus unterschiedlichen Fachrichtungen nehmen dabei das Leben und Wirken des ersten Bischofs des 1957 gegründeten Bistums Essen aus verschiedenen Perspektiven in den Blick. An der Tagung nahm auch der Paderborner Generalvikar Monsignore Dr. Michael Bredeck teil.
Debatte
Ein besonderes Gewicht liegt in der Tagung auch auf der historischen Einordnung der gegen Hengsbach erhobenen Missbrauchsvorwürfe. Auf eine Kritik, die Tagung sei aufgrund noch laufender Studien zu früh angesetzt, reagierte in seiner Begrüßung Akademiedirektor Monsignore Dr. Michael Menke-Peitzmeyer: „Gerade angesichts schwerwiegender Vorwürfe wäre es zu wenig, eine komplexe Biografie im Nachhinein auf eine einzige Perspektive zu reduzieren. Differenzierung bedeutet dabei ausdrücklich nicht Relativierung. Sie bedeutet vielmehr, genau hinzusehen: auf Leistungen und Prägungen, auf Macht und Mentalitäten, auf historische Kontexte – und ebenso auf Versagen, Schuld und das Leid Betroffener.“ Gerade Letzteres wiege enorm und überlagere vieles andere. Eine Katholische Akademie müsse den Mut haben, solche Ambivalenzen auszuhalten.
Begrüßung durch Dr. Gisela Fleckenstein
Die ursprünglich vorgesehene Begrüßung durch Prof. Dr. Nicole Priesching musste am Donnerstag krankheitsbedingt entfallen. Ihre Begrüßung wurde durch die stellvertretende Vorsitzende der Kommission für Kirchliche Zeitgeschichte im Erzbistum Paderborn, Dr. Gisela Fleckenstein, verlesen. Sie hob hervor, dass die neueren Forschungen gerade dazu dienen würden, den Betroffenen des Missbrauchs einen Platz in den Bistumsgeschichten und der Kirchengeschichte zu geben, da sie bislang in den Bischofsbiografien nicht vorkämen. Dazu solle auch die Fachtagung dienen. Mit Helga Dill und David Rüschenschmidt seien darüber hinaus zwei Autoren des Zwischenberichts der laufenden Studie zu Franz Kardinal Hengsbach an der Tagung beteiligt.