Das einzige Weltkulturerbe in Westfalen, die ehemalige Benediktinerabtei Corvey, startet mit einem fulminanten digitalen Angebot der Kirchengemeinde St. Stephanus und Vitus in die bevorstehende neue Saison: In der Erdgeschosshalle des karolingischen Westwerks heißt es für geführte Gruppen von Samstag, 5. April, an „Film ab“ zu einer bildgewaltigen, immersiven Zeitreise in das Jahrtausend der Mönche.
Diese 1000 Jahre erblühen auf einer 40 Quadratmeter großen, multifunktionalen Glastrennwand zwischen Westwerk und barocker Abteikirche. Die gläserne Fläche kann per Knopfdruck zu 90 Prozent blickdicht geschaltet werden und wird somit im Handumdrehen zur Projektionsfläche für den spektakulären Acht-Minuten-Film.
Dieser nimmt die Gäste mit in die monastische Geschichte Corveys und spannt einen Bogen von der Gründung des Klosters 822 bis zum Wiederaufbau der Abtei nach den Verheerungen des Dreißigjährigen Kriegs. Die Zuschauenden tauchen regelrecht ein in das Klosterleben, bauen die karolingische Basilika und das imposante Westwerk mit, schauen den kunstfertigen Mönchen im mittelalterlichen Skriptorium beim Anfertigen großartiger Handschriften über die Schulter und begleiten schließlich Christoph Bernhard von Galen, den Fürstbischof von Münster und tatkräftigen Administrator Corveys, dabei, wie er das Klosterleben nach dem Dreißigjährigen Krieg zu neuer Blüte führt. Und wie die prachtvolle barocke Abteikirche samt der Klosteranlage, wie sie bis heute besteht, aus dem Boden wächst.
Storytelling hören Gäste über Headsets
Die Triumphalarchitektur der Abteikirche ist nach Ende des Films dann flugs wieder im Original zu bewundern. Denn so schnell die intelligente Glaswand undurchschaubar geworden ist, gibt sie auch wieder die Sichtbeziehung vom frühen Mittelalter, welches die Erdgeschosshalle des Westwerks konserviert, in die Neuzeit und die Opulenz des barocken Kirchenraums frei.
Das Storytelling hören die Besuchenden über Headsets. Die spektakulären Bilder und Erzählungen im Kopf, machen sie sich dann im Rahmen ihrer Führung mit Tablets in der Hand auf den Weg in den Johanneschor – der Herzkammer des Welterbes. Dessen reiche farbige Ausgestaltung aus karolingischer Zeit erblüht auf dem Bildschirm mitsamt den bedeutenden lebensgroßen Stuckfiguren von einst zu neuem Leben. Diese virtuelle Renaissance bringt die kostbare fragmentarische Originalsubstanz aus dem 9. Jahrhundert zum Sprechen und hat seit ihrem Start in der Saison 2023 schon viele Gäste beeindruckt. Jetzt komplettiert die Filmprojektion im Erdgeschoss die sinnenfreudige und zeitgemäße, aber wissenschaftlich fundierte und lehrreiche Zeitreise in die Vergangenheit dieses als „Wunder Sachsens und des ganzen Erdkreises“ besungenen großen Klosterortes.
Zu erleben sein wird beides – der Film und der Tablet-Rundgang – im Rahmen öffentlicher und gebuchter Führungen (Telefon 05271/68168). In dieser Saison bietet die Welterbestätte erstmals an jedem Tag um 15 Uhr eine öffentliche Führung an. An Samstagen, Sonntagen und Feiertagen kommt zusätzlich jeweils um 11 Uhr eine weitere öffentliche Führung hinzu. Anmeldungen sind nicht erforderlich.