Sie sind verreist, um restauriert zu werden und nach dieser „Frischzellenkur“ am angestammten Platz wieder aus Corveys glanzvoller barocker Klostergeschichte zu erzählen: Kostbare Exponate der Dauerausstellung im südöstlichen Flügel des Schlosses werden die Zeit bis zum Frühsommer 2023 in Fachwerkstätten verbringen. Einen Relaunch erfahren aber nicht nur sie. Die ständige Ausstellung, der die jahrhundertealten Paramente, Büsten und liturgischen Gegenstände aus dem Besitz der Kirchengemeinde St. Stephanus und Vitus angehören, wird unter der Ägide von Professor Dr. Christoph Stiegemann neu und zeitgemäß inszeniert. Er wird dabei von der Kunsthistorikerin Dr. Anne Veltrup aus Münster maßgeblich unterstützt.
Restauration in vielen Bereichen
In den vier Ausstellungsräumen im Äbtegang herrschte an einem sonnigen Vormittag Ende April geschäftige Betriebsamkeit: Restauratoren verschiedener Disziplinen waren angereist, um die aufzuarbeitenden Exponate vorsichtig aus den Vitrinen zu nehmen, zu verpacken und zum Transport in ihre Werkstätten „reisefertig“ zu machen. Carmen Markert aus Hannover ist auf Textilien spezialisiert. Sie restauriert den prachtvollen roten Ornat des Fürstabts Maximilian von Horrich aus der Zeit um 1720 mit Chormantel, Kasel und Dalmatik. Weitere liturgische Gewänder in Weiß und Gold, etwa 250 Jahre alt, hat die Fachfrau ebenfalls mitgenommen. Die beiden Dalmatiken und der Chormantel waren in der Sakristei eingelagert und werden demnächst zur Dauerausstellung gehören.
Carmen Markert nahm die beiden Dalmatiken, bevor sie sie in der Sakristei verpackte, fachmännisch in Augenschein. Schon auf den ersten Blick zeigte sich, dass der Seidensamt in vielen Partien nicht mehr da ist. „Man sieht nur noch das Grundgewebe.“ Durch die Vergrößerungsgläser der Stirnlupe offenbarten sich Risse und Stopfstellen. Auch sie künden davon, dass diese Gewänder lange in Gebrauch waren.
Ziel ist der Substanzerhalt
Die Spuren der Zeit wird die Restaurierung nicht tilgen. Beispiel: Seidensamt. „Wir können den fehlenden Seidenflor nicht ergänzen“, erläutert die Restauratorin. Darum geht es auch nicht. Ziel ist der Substanzerhalt. Daher wird Carmen Markert das Grundgewebe, sobald es einen Riss hat, sichern. Dazu setzt sie eine spezielle Nähtechnik ein. Zuvor jedoch nimmt sie sowohl bei den roten, als auch bei den weiß-goldenen Paramenten eine Oberflächenreinigung vor. In ihre Werkstatt mitgenommen hat die Textilrestauratorin auch eine Mitra aus dem 15. Jahrhundert, eine Mitra aus der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts sowie eine ebenfalls aus dieser Zeit stammende Fahne aus Seide mit Goldborte.