Schwester Veronika hat den Rasentrimmer in der Hand, schneidet die Gräser an den Baumrändern in dem kleinen Stadtgarten, der zum Konvent San Damiano mitten in Olpe gehört und direkt an die alte Stadtmauer grenzt. Das kleine Refugium ist ihr Ausgleich zu ihrer Arbeit und es wird Zeit für ein bisschen Pflege der Beete. Denn die Franziskanerin war im Urlaub. In Husum, deren berühmtester Sohn Theodor Storm mit Kirche nichts am Hut hatte. Die totale Auszeit also für die Schwester? Mitnichten: „Meine Mutter wollte seit Jahren dorthin. Den Wunsch habe ich ihr nun erfüllt.“
Ordensfrau und Ökonomin
1987 trat Veronika Fricke in die Ordensgemeinschaft der Olper Franziskanerinnen ein. Seit 2010 bewohnt sie zusammen mit zwei Mitschwestern den kleinen Konvent zwischen der St. Martinus-Kirche und dem Engelsturm, unweit des Geburtshauses der Ordensgründerin Maria Theresia Bonzel. Vor ihrem Leben als Schwester studierte sie Sozialpädagogik. Viel später erst Betriebswirtschaftslehre mit den Schwerpunkten Finanzwirtschaft und Controlling. Auch wenn es ursprünglich nie ihr eigentlicher Wunsch war. Krankheit und die Suche nach Möglichkeiten für den Orden tätig zu sein, führten sie auf diesen Weg. Seit drei Jahren ist sie die Provinzökonomin. Verantwortet Mitarbeiter, das Mutterhaus und dessen derzeitigen groß angelegten Umbau, Vermögensverwaltung, Liegenschaften. Schwester Veronika hat viel zu tun, arbeitet in einer Welt der Finanzsysteme und des Geldes. Wie passt das in das Leben einer Ordensfrau? „Ich habe in meiner Signatur nicht stehen, dass ich Diplomkauffrau bin. Manche Banker wollen mir dann erstmal ihre Version der Dinge beschreiben. Dann frage ich nach – denn da bin ich ja Sozialpädagogin – und sie werden nachdenklich.“ Tatsächlich traue man Ordensmenschen nicht unbedingt eine Kompetenz zu.