Ein Montagabend in Werl, drei Tage vor St. Martin. Es ist 18 Uhr, in den Straßen ist es schon längst dunkel. Eine Mitarbeiterin der Caritas Sozialstation ist mit dem Auto unterwegs. Zu einem Menschen, den sie betreut. Da sieht sie einen Mann, der regungslos auf dem Gehweg liegt.
Sie bremst, hält an, steigt aus. Sie möchte dem Mann helfen. Eine Szenerie, die an St. Martin erinnert. Doch was dann geschieht, ist das genaue Gegenteil.
Als die Caritas-Mitarbeiterin sich dem am Boden liegenden Mann nähert, springt dieser auf. Er fuchtelt mit einem Messer herum, fügt der Frau leichte Schnittwunden zu. Dann rennt er zu ihrem Wagen, stiehlt das Portemonnaie und läuft weg.
Helfen, wo es geht
Ein Vorfall, der Martin Müller schockiert hat. Er ist Regionalleiter West der Caritas im Kreis Soest. Die betroffene Frau ist seine Mitarbeiterin. Er fragt sich, wie es der Mitarbeiterin ergehen wird, wenn sie wieder ins Caritas-Auto steigt und durch dieselbe Straße fährt. Und sagt: „Ich möchte alles daran setzen, der Mitarbeiterin in dieser Situation zu helfen“.
Helfen, das ist ein gutes Stichwort. Eigentlich haben wir das Interview mit Martin Müller vereinbart, um anlässlich von St. Martin mit ihm zu sprechen. Darüber, wie sein Namenspatron Vorbild ist. Wo sich heute Martin-Momente ereignen. Was es bedeutet, für Menschen da zu sein.
Moderne Martin-Momente erleben
„St. Martin steht dafür, egoistisches Denken zu durchbrechen. Und sich selbst einzusetzen“, sagt Martin Müller. Anders gesagt: Menschen bedingungslos zu unterstützen. Darum geht es Müller auch in seiner Arbeit.
Zum Beispiel jetzt, wenn er als Vorgesetzter alles dafür tun möchte, um die angegriffene Mitarbeiterin zu entlasten. Und im Alltagsgeschäft, um die Rahmenbedingungen für die Pflege zu gestalten. Moderne Martin-Momente ermöglichen: Dass alte und kranke Menschen von Mitarbeitenden der Caritas gepflegt werden. Dass einkommensschwache Menschen von der Werler Tafel und dem Sozialkaufhaus in Trägerschaft der Caritas unterstützt werden.
Die Freude am Helfen
Martin Müller hat die Arbeit der Caritas von der Basis aus kennengelernt. 1998 arbeitet er zum ersten Mal für die Caritas Sozialstation Werl. Damals als Auszubildender, später im Zivildienst und ausgebildeter Pfleger. „Der ambulante Pflegedienst, das war mein Ding“, sagt er.