Generalpräses i. R. Heinrich Festing hat die Kolpingarbeit in Deutschland und weltweit zwischen 1965 und 2002 tiefgreifend geprägt. Er stand für die weltweite Ausweitung des Verbandes und die Gründung zahlreicher Kolping-Nationalverbände in Europa, Afrika, Lateinamerika und Asien. Für sein vielfältiges Wirken wurde er mehrfach geehrt. Er war Apostolischer Protonotar, Ehrendomherr an der Hohen Domkirche zu Köln, Träger der Silbernen Plakette des Heiligen Landes, Träger der Konrad-Martin-Medaille des Kolpingwerkes Paderborn sowie ausgezeichnet mit dem Verdienstkreuz 1. Klasse des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland sowie mit dem ungarischen Orden „Pro Cultura Hungaria“.
Der emeritierte Paderborner Weihbischof Hubert Berenbrinker würdigte in einer ersten Reaktion den Verstorbenen als einen „echten Zeugen der Zeitgeschichte“. „Wir haben Heinrich Festing viel zu verdanken, sein gesellschaftliches Engagement war groß. Ich denke da besonders an den Aufbau von Gewerkschaftsstrukturen in Osteuropa und auch an seinen Einsatz vor der Wende für Kolpingbrüder in der DDR oder Polen. Er hat sich maßgeblich dafür eingesetzt, dass Kolping auch eine starke Entwicklungsarbeit in armen Ländern aufbaut“, so Weihbischof em. Berenbrinker, der durch seine frühere Verantwortung für die Begleitung der Ruhestandsgeistlichen regelmäßig in Kontakt mit Heinrich Festing stand.
„Generationenübergreifend weltweit eine Familie sein“
Auch Kolping International und das Kolpingwerk Deutschland dankten für den Einsatz des Verstorbenen in einer Stellungnahme. „Noch bei unserem letzten Zusammentreffen im Februar begegnete ich einem hellwachen und interessierten Heinrich Festing, der mit seiner Herzlichkeit und seiner Person das vermittelte, was Kolping ausmacht: generationenübergreifend weltweit eine Familie zu sein“, sagt Kolping-Generalpräses Christoph Huber. „Wir werden Prälat Heinrich Festing im Verband dankbar in guter Erinnerung behalten“, sagt Bundespräses Hans-Joachim Wahl. „Sein Wirken als Generalpräses hat in den damaligen Zeiten des Umbruchs im Zusammenhang mit der Wiedervereinigung Deutschlands und dem Niedergang des Warschauer Pakts für tragfähige, zukunftsweisende Weichenstellungen gesorgt, von denen wir heute noch leben.“
Schon in der Jugendarbeit für Adolph Kolping begeistert
In Ratsiek bei Lüdge-Sabbenhausen am 10. Dezember 1930 geboren, wuchs Heinrich Festing in bäuerlicher Umgebung auf und besuchte die Volksschule. Von 1945 bis 1948 erlernte er das Tischlerhandwerk. Vier Jahre arbeitete er als Geselle, dann holte er – wie einst der Verbandsgründer Adolph Kolping – das Abitur nach und begann 1956 sein Theologiestudium. Schon in der Jugendarbeit hatte er sich für den Verbandsgründer Adolph Kolping begeistert und schon in jungen Jahren erkannt, wie viel der Mensch erreichen kann, wenn er sich weiterentwickelt. Nach der Priesterweihe 1961 in Paderborn wirkte er bis 1965 als Vikar in Bigge im Sauerland. Danach war Heinrich Festing sieben Jahre als Kolping-Diözesanpräses in Paderborn tätig. 1972 wurde er zum Generalpräses des Internationalen Kolpingwerkes und gleichzeitig zum Zentral- bzw. Bundespräses des Kolpingwerkes Deutschland gewählt. Seine Amtszeit als Bundespräses endete mit der Ämtertrennung im Jahr 1996. Seine Amtszeit als Generalpräses endete nach viermaliger Wiederwahl im Jahr 2002.
An Stelle von Blumen und Kränzen hat der Verstorbene um eine Spende für die Entwicklungszusammenarbeit durch Kolping gebeten: “Kolping International Cooperation e. V.” IBAN: DE74 4006 0265 0001 3135 00, Stichwort: Prälat Festing.