- Interview mit Michaela Labudda, Vorsitzende des „Bundesverbands der Gemeindereferent/-innen Deutschlands“
- Porträt: Nadine Mersch, Vorsitzende des Diözesankomitees im Erzbistums Paderborn und Mitglied im Zentralkomitee der deutschen Katholiken
- Interview mit Gisela Jistel-Brosig, scheidende Geschäftsführerin des kfd-Diözesanverbandes e.V. Paderborn
- Osterinterview mit Erzbischof Hans-Josef Becker zu Themen, die das Erzbistum Paderborn bewegen
- Interview mit Generalvikar Alfons Hardt zur Initiative Maria 2.0
Paderborns Erzbischof Hans-Josef Becker hat die erneuten Reformrufe und Aktionen des kirchlichen Frauen-Netzwerks Maria 2.0 und der Katholischen Frauengemeinschaft Deutschlands (kfd) gewürdigt und das Engagement der Frauen in der Kirche gelobt. In einem Interview ging er am Dienstag, 24. September, in Fulda auch auf die Initiativen der vergangenen Wochen und Monate für einen Neuaufbruch in der katholischen Kirche ein und hob die gemeinsamen Ziele mit den engagierten Frauen hervor. Erzbischof Becker betonte in seinen Äußerungen am Rande der zurzeit in Fulda tagenden Vollversammlung der Deutschen Bischofskonferenz, dass er die Initiativen katholischer Frauen sehr ernst nehme. Schließlich gehe es um „echte Anliegen“ eines „wichtigen Teiles der Kirche“. Zusammen mit den engagierten Frauen wolle er insbesondere im Erzbistum Paderborn „ausloten, was wir tun können“. Die „lebendige Weitergabe des christlichen Glaubens und eine menschenfreundliche Kirche“ seien dabei wichtige gemeinsame Ziele.
Im echten Miteinander überlegen
Zu weiteren Forderungen, die nicht auf Bistumsebene zu klären und zu realisieren seien, machte Erzbischof Becker den Vorschlag, „in einem echten Miteinander zu überlegen, welche gemeinsamen Ziele wir realistischer Weise vor Ort erreichen und umsetzen können“. Dazu gehörten neben der Gleichberechtigung von Frau in der Kirche Themen wie Machtverteilung, Partizipationsmöglichkeiten, Gestaltung der priesterlichen Lebensform oder Reformen der katholischen Sexualmoral.
Konkrete Fragestellungen zu einer offeneren Gestalt von Kirche würden laut Erzbischof Becker in Paderborn bereits auf verschiedenen Ebenen der Ortskirche verstärkt diskutiert: in einzelnen Gesprächsprozessen, bei der in diesem Jahr bereits zum zweiten Mal stattfindenden Frauenkonferenz oder im Rahmen der weiteren Umsetzung des Zukunftsbildes für das Erzbistum Paderborn und beim nächsten Diözesanen Forum im kommenden Jahr.
Thematisch und inhaltlich differenzieren
Er selbst mache bei ersten Reformbemühungen gute Erfahrungen und sehe „positive Entwicklungen“, auch wenn ihm seit einiger Zeit die ernste und alles entscheidende Frage Jesu aus dem Johannesevangelium nachginge, als viele seiner Jünger nicht mehr mitgehen wollten: „Wollt auch ihr weggehen? – Vielleicht weil es unangenehm wird, weil es zu viel wird, weil es mir nicht passt?“ Noch immer könne er zuversichtlich mit Simon Petrus antworten: „Herr, zu wem sollen wir gehen? Du hast Worte des ewigen Lebens. Wir sind zum Glauben gekommen und haben erkannt: Du bist der Heilige Gottes.“
„Viel Arbeit und anstrengende Herausforderungen“ lägen vor den Beteiligten. Doch selbst wenn der Ausgang dieser Anstrengungen zum Teil ungewiss sei, sollte nicht davor zurückgeschreckt werden, erklärte Erzbischof Becker. Für ein konstruktives Miteinander vor allem mit den engagierten Frauen erscheine ihm besonders hilfreich, „thematisch und inhaltlich zu differenzieren“: Es gebe „nicht nur die eine Frau und das eine Thema. Die Fragen von Frauen an ihren Glauben und ihre Kirche sind viel pluraler und individueller“.
“Ein Engagement auf Grundlage des Evangeliums zahlt sich immer aus”
Zur Frage, ob er die derzeitige Verunsicherung von vielen Gläubigen verstehen könne, antwortete Erzbischof Becker, dass es ihn in Zeiten enormer Veränderungen nicht verwundere, „wenn Skepsis und Verunsicherung um sich greifen“. Für ihn bleibe aber entscheidend: „Ein Engagement auf Grundlage des Evangeliums zahlt sich immer aus. Wer sich redlich dafür einsetzt, der braucht sich nicht zu fürchten. Das gilt auch für die Beteiligung an Initiativen in unserer Kirche“. Niemand brauche Angst haben, „schräg angesehen“ zu werden, wenn es um „redliche Absichten“ ginge und sich niemand „instrumentalisieren“ ließe.
Persönlich möchte Erzbischof Becker bei den zukünftigen Herausforderungen auch auf die Wirkmächtigkeit des Gebetes setzen. Hier wolle er sich ein Beispiel am Apostelkreis nehmen, der sich, „als nichts mehr ging“, „versammelte und zusammen blieb, einmütig im Gebet, zusammen mit den Frauen und Maria, der Mutter Jesu“.
