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© Birgit Engel / Erzbistum Paderborn
© Birgit Engel / Erzbistum Paderborn

Erstkommunion eine Entdeckungsreise für die ganze Familie

„Glaube wird für Kinder lebendig – wenn sie ihn gemeinsam erleben“, sagt Gemeindereferentin Marie-Christine Zeppenfeld.

Es ist gerade die intensivste Zeit der Kommunionvorbereitung: In zwei Wochen ist Weißer Sonntag. Die Vorbereitung auf die Erstkommunion ist weit mehr als das bloße Erlernen glaubenspraktischer Rituale oder das Aussuchen eines weißen Kleides. Das betont Gemeindereferentin Marie-Christine Zeppenfeld. Sie arbeitet im Pastoralen Raum Olpe-Drolshagen und beobachtet täglich diesen Wandel, der sich vollzieht: „Die Kinder werden zu Forschern und Entdeckern.“ Die erste heilige Kommunion ist der Aufbruch aus der elterlichen Bestimmung der Taufe hin zu einem eigenen „Ja“. Hin zu einem bewussten Schritt, die Freundschaft mit Jesus aktiv zu suchen. Die Kommunionvorbereitung ist eine Zeit, in der aus kindlicher Neugier ein persönlicher Zugang zum Glauben entsteht und Familien diesen gemeinsam neu entdecken.  Kommunionkind Fabienne und seine Familie im Raum Olpe schildern ihre Eindrücke.

Ein Kompass im Alltag

Fabienne hat eine Gebetsrolle aus Papier angefertigt, mindestens zwei Meter lang. Beschriftet mit Zeilen und Versen für den Morgen, den Mittag, den Abend und einem Dank für das, was war – ein kleiner persönlicher Kompass für ihren Alltag. Für die Achtjährige ist Beten kein Neuland.

Gebete mit Papa Christof (41) vor dem Zubettgehen gehören seit jeher zum festen Rhythmus. Ein Moment der Geborgenheit vor dem Einschlafen. Mit der Kommunionvorbereitung aber haben sie eine neue Qualität bekommen. Glaube wird für Fabienne spürbar und lebendig. Es ist die Entdeckung, dass Glaube nichts Statisches ist, sondern eine aktive Gestaltung der eigenen Lebenswelt. Für das „Sprechen mit Gott“, wie Fabienne es beschreibt, findet sie nun zunehmend ihre eigenen Worte.

Gemeinschaft, die wächst

Die Erstkommunion ist ein Ereignis, das Raum einnimmt – bunt, lebendig und voller Energie. Mit Projekttagen, Gruppenstunden und gemeindlichen Aktionen wird sie zu einer Erfahrung, die weit über den eigentlichen Festtag hinaus wirkt.

„Ihr seid meine Freunde“, ist der Leitsatz in diesem Jahr. Für Fabienne ist das keine abstrakte Idee. Freundschaft hat für sie ein Gesicht – manchmal sogar mehrere. Beim gemeinsamen Singen und Brotbacken. Oder dem Gestalten der großen, bunten Gruppenkerze, die bei jedem Treffen brennt. Am eigentlichen Fest wird sie zur Eucharistiefeier mitgenommen – als Zeichen dafür, dass die Gemeinschaft Bestand hat – und dass jede und jeder dazugehört.

„Dass man zusammen ist, sich gegenseitig hilft und dass man so viel machen kann“, sagt Fabienne, sei das Schönste in dieser Zeit. Und dann erzählt sie von Ilvie, ihrer neuen Freundin. „Wir haben uns gefunden“. Ein schlichter Satz, in dem sich das Jahresthema fast beiläufig erfüllt: Freundschaft entsteht – nicht verordnet, sondern erlebt.

Gemeinschaft ist in der Vorbereitungszeit nicht nur Rahmen, sondern Inhalt. „Hier kann sich jedes Kind einbringen, mit dem was es kann und ist, ohne Leistungsdruck“, sagt Marie-Christine Zeppenfeld. „Glaubenserfahrung beginnt im Zusammensein. Im Gefühl von Gemeinschaft.“

Was sie feststellt: ein großes Engagement der Väter und Mütter. Sowieso: „Familie spielt bei der Glaubenserfahrung eine große Rolle. Was in der Familie vorgelebt wird, ist für die Kinder prägend. Das ist die Basis, auf der wir aufbauen“, sagt die Gemeindereferentin. Was sie ebenso beobachtet: auch Kinder, deren Eltern der Kirche eher fern stehen, sind an den Projekttagen und in den Gruppenstunden offen für den Glauben. „Kinder haben eine große Bereitschaft, sich einzulassen. Und eine enorme Vorstellungskraft. Sie wollen entdecken und verstehen.“

Familie zwischen Organisation und Sinnsuche

Fabienne hat mit Lea Marie (11) eine ältere Schwester. Ihre Eltern haben also schon Erfahrung mit der Erstkommunion. Trotzdem ist die Zeit der Vorbereitung immer noch eine doppelte Herausforderung. Auf der einen Seite der organisatorische Rahmen: Termine, Absprachen, das Fest. Auf der anderen Seite der Wunsch, dass auch ihre jüngste Tochter mehr erlebt als ein schönes Ereignis – nämlich einen echten Zugang zum Glauben.

Und so werden zu Hause die Gespräche intensiver. Fragen entstehen, Antworten werden gesucht. „Man merkt, dass da etwas passiert. Die Gedanken kreisen, Glaube wird lebendig“, stellt Mama Sara (38) fest und ist nicht selten erstaunt, wie selbstverständlich ihre Tochter das Große denkt. „Gott hat uns erschaffen. Und auch den Frieden“, sagt Fabienne.

Papa Christof erlebt den Glauben eher leiser: ein kurzes Gebet unterwegs, ein Moment der Ruhe in der Kirche. „Das ist wie eine Oase“, sagt er. In der Vorbereitung seiner Tochter findet er das wieder – nicht als Pflicht, sondern als Einladung, den Glauben gemeinsam neu zu entdecken.

Was Fabienne in ihrer Kommunionzeit noch besonders beeindruckt hat, ist das Beichtgespräch mit dem Pfarrer. „Er hat gesagt, es ist okay, wenn man Fehler macht. Das finde ich gut, weil es zeigt, dass Gott mich versteht.“ Marie-Christine Zeppenfeld betont: „Es ist wichtig, dass die Kinder die Beichte als wertschätzendes Gespräch erleben. Sie sollen spüren: Du bist wichtig. Du bist geliebt und begleitet.“

Glaube über Generationen hinweg

Auch für die Großeltern ist Fabiennes Kommunion Anlass, auf den eigenen Glaubensweg zurückzublicken. „Meine Kommunionszeit war von Anfang bis Ende schön. Mein Glaube ist bis heute eine Konstante im Leben, die mir Kraft und Halt gibt“, sagt Christel (68). Für sie ist das Sakrament ein Stück Sicherheit, die Gewissheit, dass ihre Enkel „Gotteskinder“ sind. Hubert (73) erinnert sich an die Strenge seiner eigenen Vorbereitungszeit – und freut sich über die Unbefangenheit, mit der seine Enkelin dem Glauben begegnen darf.

Dass dieser keine Schönwetter-Angelegenheit ist, wird im Gespräch mit Opa Peter deutlich. Der 70-Jährige blickt auf ein Leben zurück, in dem der Glaube ihn auch durch tiefste Krisen, wie den Tod eines Kindes, getragen hat. „Glaube muss aufgebaut werden“, sagt er. Für ihn geht es dabei weniger um äußere Formen als um eine innere Haltung – um den Blick auf den Menschen und das Leben.

Gemeindereferentin Marie-Christine Zeppenfeld vergleicht die Kommunion gerne mit dem Gleichnis von dem Kaufmann und der kostbaren Perle: Die Kinder investieren Zeit, Ausdauer und Herzblut, um am Weißen Sonntag etwas zu empfangen, was materiell nichts wiegt, aber von unschätzbarem Wert ist. In einer Welt, die oft materiell geprägt ist, wird diese Erfahrung für die Kinder zu etwas Kostbarem: ein Stück Brot, das mehr ist als Nahrung. Eines, das trösten, verbinden und Versöhnung schenken kann. Das ein Zeichen ist dafür, dass niemand allein ist.

Am Ende steht nicht nur der Festtag, sondern eine neue Gewissheit. Das spiegelt auch die Kommunionkette mit dem Kleeblatt wider – ein selbst gegossenes Symbol für das Glück, das Fabienne in der Vorbereitungszeit gefunden hat.

Die Gebetsrolle ist erst der Anfang einer ganz persönlichen Glaubensgeschichte.

 

Ein Beitrag von:
Freie Journalistin

Birgit Engel

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