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© Photo Kozyr / Shutterstock.com
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Erfolge und Herausforderungen prallen aufeinander

Hearing „alternative Leitungsformate“: unterschiedliche Erfahrungen in den Kirchengemeinden im Erzbistum Paderborn

Hören und gehört werden. Inspiration sammeln und frustriert Luft ablassen. Grenzen wahrnehmen und darüber hinaus gestalten – all diese Gegensätze wurden beim Hearing „alternative Leitungsformate“ Ende September im Hotel Susato in Soest deutlich. Denn an diesem Tag prallten die unterschiedlichen Perspektiven rund um das Thema „Leitung wahrnehmen“ auf dem Weg zum Diözesantag am 14. November 2020 aufeinander.

Das Hearing „alternative Leitungsformate“ war ein Tag des Zuhörens. Foto: Tobias Schulte / Erzbistum Paderborn.

Beim Hearing ging es dem Namen der Veranstaltung gemäß ums „Zuhören“. Viele Stimmen kamen deshalb zu Wort und sollten dies auch, etwa ein Pfarrgemeinderats-Vorsitzender, der beschrieb, dass der Pfarrgemeinderat in der Corona-Zeit eine Leitungsrolle für die Gemeinde hatte. Gleichzeitig berichteten andere Ehrenamtliche, dass sie zwar Aufgaben übernehmen, aber dabei nicht das Selbstverständnis haben, zu leiten. Ein Pfarrer brachte die Frage ein, ob das Hearing auch dazu gedacht sei, über die bisherigen Vorgaben, dass ein Pfarrer immer einen Pastoralen Raum leiten muss, hinaus gedacht werden könne. Eine Ehrenamtliche berichtete von der Pastoralvereinbarung eines Pastoralen Raums, in der vorgeschlagen wird, das bisherige Leitungsmodell bewusst um eine Frau aus der Gemeinde als hauptamtliche Gemeindeleitung zu erweitern.

Zuhören auf dem Weg zum Diözesantag

Das Hearing war ein Schritt auf dem Weg zum Diözesantag am 14. November und zum Diözesanen Forum im Juni 2021. Matthias Kolk und Theresa Reinke als Teamleader des Schlüsselthemas „Leitung wahrnehmen“ hatten dazu haupt- und ehrenamtliche Mitarbeitende aus diesem Feld eingeladen. Es galt, die Erfahrungen aus den Gemeinden von vor Ort zu sammeln, um auf diözesaner Ebene das Thema „Leitung wahrnehmen“ weiterentwickeln zu können.

Monsignore Dr. Michael Bredeck, Leiter des Bereichs Entwicklung und Kommunikation im Erzbischöflichen Generalvikariat beschrieb die momentane Lage: die Gemeinden werden zu immer größeren Pastoralen Räumen zusammengelegt, gleichzeitig arbeiten immer weniger Menschen in allen pastoralen Berufen – nicht nur im Priesteramt. Gleichzeitig ist und bleibt Leitung eines Pastoralen Raums an einen Pfarrer gebunden. Die Leitlinien für Leitung im Erzbistum Paderborn gibt nach wie das Zukunftsbild vor. Die Stichworte sind bekannt: Vertrauen und Verantwortung, Leitung als Dienst an den Menschen zur Berufungsförderung.

Auch das „heiße Eisen“ der Instruktion der Kleruskongregation von Ende Juni 2020 aus Rom wurde angepackt. Msgr. Dr. Bredeck betonte, dass in dem Schreiben zwei Teile erkennbar seien. Im ersten Teil, der sich größtenteils aus Zitaten von Papst Franziskus zusammensetze, sei „vieles mit dem Zukunftsbild synchron“. Den zweiten Teil zu den Pfarreien, Räten und Gremien, der eher kirchenrechtlicher Natur ist, bewertete Bredeck so: „Es stehen keine neuen Dinge darin, nur das, was bislang schon galt. Es werden aber Akzente gesetzt“. Ein solcher sei etwa, wie stark betont werde, dass Kirchen nicht wegen Mangel an Gläubigen oder aus finanziellen Gründen profaniert werden dürften – oder dass der Bischof bei flächendeckenden Fusionen von Pfarreien deutlich begründungspflichtig sei. „Ich habe in der Instruktion aber nichts gesehen, was im Erzbistum Paderborn bislang Praxis ist und nun bedroht wäre“, so Msgr. Dr. Bredeck.

Ärger, der sich kanalisiert

Trotzdem wurde in der sich anschließenden Diskussion die Sorge deutlich, dass die Instruktion aus Rom „die letzten Engagierten demotivieren“ könnte. Mehrere Männer und Frauen sagten, dass sie sich nach dem Schreiben aus Rom eine Stellungnahme der Paderborner Bistumsleitung gewünscht hätten. Zum ganzen Bild gehörte aber auch die Aussage eines Priesters, dass die Instruktion in seiner Pfarrei kein Thema gewesen sei. Ein anderer Geistlicher rief dazu auf, sich davon wenig beeinflussen zu lassen, weil das Schreiben „Dinge festklopft, die längst weg sind“.

Die Haupt- und Ehrenamtlichen aus den Pastoralen Räumen erhielten schließlich das Wort, um in Einzel- und Kleingruppengesprächen über ihre Erfahrungen mit alternativen Leitungsmodellen zu sprechen. So engagieren sich in Schmallenberg-Eslohe in den Pfarrgemeinderäten nur Ehrenamtliche – ohne ein hauptamtliches Mitglied. Reinhard Schulte leitet den Pfarrgemeinderat St. Georg Bad Fredeburg und sitzt im großen Rat des Pastoralen Raums.

Ab wann ist Verantwortung auch Leitung?

„Ich erfahre, dass der Pfarrgemeinderat in der Corona-Zeit ein Leitungsgremium ist. Die Anfragen kommen an uns und den Kirchenvorstand, wir klären, wie die Regelungen sind und stimmen es mit dem Leiter des Pastoralen Raums ab. Bei uns wird alternatives Leiten gelebt“, sagt Reinhard Schulte. Sein Wunsch wäre es, dass die Gremien vor Ort bei diözesanen Entscheidungen noch mehr mit ins Boot genommen werden müssten.

Ähnlich positiv sind auch die Erfahrungen von Katja Koch, die im Pfarrgemeinderat des Pastoralen Raums Beverungen aktiv ist. Dort haben sich rund um die Kirchtürme Ortsteams aus Ehrenamtlichen und einem hauptamtlichen Mitarbeitenden gebildet, die das geistliche Leben vor Ort gestalten.

Als die Erfahrungen aus Schmallenberg-Eslohe und Beverungen auch in der großen Gruppe des Hearings geteilt wurden, antwortete eine andere Ehrenamtliche sinngemäß: Wir übernehmen vor Ort auch Aufgaben, spüren aber nicht, dass uns dadurch Leitung übergeben wird. Daraus entstand eine entscheidende Frage: Wie ist Leitung definiert und ab wann wird Verantwortung zu Leitung? Matthias Kolk antwortete: „Es gibt keinen leitungsfreien Raum. Es steht und fällt also damit, dass sich jeder, der sich engagiert, seiner Rolle bewusst ist“. Wer vor Ort aktiv werde, seine eigene Rolle annehme, nehme damit auch Leitung wahr.

Pfarrer, Verwaltungsleitung, Gemeindeleitung

Leonie Jedicke aus Bad Arolsen, ehrenamtlich engagiert in der Pfarrei und beruflich beim Diözesan-Caritasverband beschäftigt, stellte das mögliche Leitungsmodell der Zukunft für die Pfarrei vor. In der Pastoralvereinbarung ist vorgesehen, dass der Pastorale Raum, Diaspora mit einer Kirche bei 28 Ortsteilen, in Zukunft von einem Team aus dem Pfarrer, einer Verwaltungsleitung und einer Gemeindeleitung geführt werde.

Damit versuchen die Gläubigen darauf zu reagieren, was sie jetzt schon erwarten. „In zehn Jahren“, sagte Jedicke, „wäre es ein Wunder, wenn wir noch einen Priester nur für unseren Pastoralen Raum hätten.“ Zudem berichtete sie von extremen Schwierigkeiten in den vergangenen Jahren, eine Frau oder einen Mann zu finden, die die Stelle als Gemeindereferentin oder Gemeindereferent besetzt. Daher entstand die Idee, eine hauptamtliche Gemeindeleitung einzusetzen – möglichst eine bewährte Frau aus der Kirchengemeinde, die die Ehrenamtlichen praktisch unterstützen könne.

Modell der Zukunft?

In diesem Modell hätte der Pfarrer weiterhin die eindeutige Leitungsfunktion – wobei Jedicke auch berichtet, dass es aus der ökumenischen Gemeinde vor Ort auch gute Erfahrungen mit Leitung im Konsensprinzip gebe.
Am 1. November wird der Pastorale Raum Bad Arolsen die Pastoralvereinbarung übergeben. Das führt zu der Frage: Was, wenn Paderborn „Nein“ zu dem erarbeiteten Modell sagt? „Ja gut“, antwortete Jedicke, „dann sind wir so weit, wie wir vorher waren. Dadurch lassen sich die Ehrenamtlichen momentan nicht davon abhalten, sich dafür einzusetzen.“

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