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© Jasmin Lobert / Erzbistum Paderborn
© Jasmin Lobert / Erzbistum Paderborn

„Eine barrierefreie Kirche ist Auftrag von Jesus“

Passend zum diesjährigen Libori-Motto „Mittendrin“ fand am Freitagnachmittag der dritte inklusive Gottesdienst für Menschen mit und ohne Behinderung im Paderborner Dom statt.

Kurze Sätze, Gebärdensprache und verständliche Erklärungen: Beim inklusiven Gottesdienst zum Liborifest 2026 sollen möglichst viele Menschen mitfeiern können – egal ob mit oder ohne Behinderung. Zum dritten Mal findet dieses Gottesdienstformat im Paderborner Dom statt. „Damit ist er jetzt endgültig Tradition“, sagt Anja Fecke, Diözesanbeauftragte für die Seelsorge für Menschen mit Behinderung.

Den ganzen Gottesdienst über sorgen Schwester Judith Beule SMMP, zuständig für die Gehörlosenseelsorge im Erzbistum Paderborn, und zwei weitere Dolmetscherinnen dafür, das Gesprochene in Deutsche Gebärdensprache zu übersetzen. Alle liturgischen Texte und Ansprachen sind in Leichter Sprache formuliert. Das bedeutet: kurze Sätze, möglichst keine Fremdwörter und Erklärungen für schwierige Begriffe und Zusammenhänge.

Inklusiver Gottesdienst im Paderborner Dom

Erstmals feiert Weihbischof Josef Holtkotte den Gottesdienst mit. Gemeinsam mit Anja Fecke und Schwester Judith Beule gestaltet er die Predigt. Eine weitere Premiere ist der Auftritt eines Gebärdenchors. Auch Menschen mit Behinderungen wirken als Messdienerinnen und Messdiener mit.

Das diesjährige Leitwort des Gottesdienstes greift das Libori-Motto „Mittendrin“ auf. Mittendrin im Dom und in den Libori-Festlichkeiten wollen Anja Fecke und Schwester Judith Beule, die den Wortgottesdienst vorbereitet haben, ein Zeichen dafür setzen, dass Menschen mit Behinderungen zur Gemeinschaft der Gläubigen dazugehören. Oft fehlen barrierefreie Maßnahmen, „damit sie wirklich alle gleichberechtigt mitmachen können“, so Fecke.

Libori-Motto „Mittendrin“ steht für gelebte Inklusion

Die Grundbotschaft aus dem Markusevangelium lautet – in einfacher Sprache: „Geht in die Welt, erzählt der ganzen Welt von Gott.“ Diese Berufung gilt unabhängig davon, ob jemand laufen, sehen, hören oder Lautsprache verwenden kann. „Sie gilt also gleichermaßen für Menschen mit Behinderung“, betont Fecke.

In der Predigt entfalten Fecke, Schwester Judith und Weihbischof Holtkotte sieben Gründe für eine barrierefreie Kirche – angelehnt an die sieben Sakramente. Zusammengefasst sind diese Gründe in einem kleinen Heftchen, dem sogenannten Lebenszeichen, das vom Bistum Limburg herausgegeben wird. Die Lebenszeichen-Reihe umfasst bereits mehrere Hundert kleine Hefte zu Heiligen, kirchlichen Festen und Themen wie Trauer, Liebe oder Abschied. Sie sind wie eine kleine Andacht konzipiert, mit Liedern, Impulstexten und Gebeten.

Wir dürfen und wir sollen eine barrierefreie Kirche mitaufbauen. Das ist ein Auftrag von Jesus.

Weihbischof Josef Holtkotte

„Der Himmel ist barrierefrei“

Das neue Lebenszeichen „Glauben. Gemeinsam. Gestalten. Barriere-frei“ wurde in Kooperation mit Anja Fecke für den Libori-Gottesdienst entwickelt. Dazu gehört auch das neu getextete und komponierte Lied „Der Himmel ist barrierefrei“. Es ist bewusst in großer Schrift verfasst und weist deutliche Kontraste sowie eine übersichtliche Gestaltung auf, damit Menschen mit Sehbeeinträchtigungen es besser lesen können.

In der Predigt geht Weihbischof Holtkotte auf das Lebenszeichen-Heft ein: „Wir dürfen und wir sollen eine barrierefreie Kirche mitaufbauen. Das ist ein Auftrag von Jesus.“ Abwechselnd erklären Fecke, Schwester Judith und Weihbischof Holtkotte die sieben Gründe für Barrierefreiheit.

Sieben Gründe für eine barrierefreie Kirche

So macht beispielsweise die Taufe deutlich, dass jeder Mensch zu Gott gehört. Dabei ist nicht entscheidend, wie jemand aussieht oder was jemand leisten kann. Das Pfingstereignis erinnert beispielsweise daran, dass Menschen einander verstehen sollen. Dafür braucht es unter anderem Leichte Sprache und Gebärdensprache.

Die Eucharistie steht für Gemeinschaft. Alle gehören dazu und teilen miteinander. Die Ehe verweist auf Beziehungen und einen liebevollen Umgang. Dazu gehört, aufmerksam wahrzunehmen, was ein anderer Mensch braucht. Die Krankensalbung zeigt: Menschen sind auf Hilfe angewiesen, können aber zugleich anderen Mut, Kraft und Unterstützung geben.

Puzzleteile symbolisieren eine inklusive Kirche

Das Sakrament der Versöhnung steht für die Möglichkeit, neu anzufangen, die eigenen Fähigkeiten weiterzuentwickeln und aus Fehlern zu lernen. Der siebte Grund greift die Weihe auf, richtet den Blick aber nicht allein auf das Priesteramt. Fecke erklärt, dass wir durch die Taufe Anteil am allgemeinen Priestertum haben, und erklärt, was das heißt: „Wir machen mit. Wir sind überall dabei. Wir sind mittendrin.“

Passend dazu erhalten die knapp 150 Mitfeiernden jeweils ein kleines Puzzleteil aus Holz. Die Puzzleteile stehen für die Kirche als großes Bild, in dem jedes Teil gebraucht wird. „Wenn ein Teil fehlt, ist das total blöd“, so Fecke. Außerdem gibt es bei diesem Puzzle keine Randteile. „Das Puzzleteil soll euch daran erinnern: Gott hat mich lieb, wie ich bin. Ich gehöre zur Kirche. Ich bin mittendrin.“

Das ist so wichtig, dass ihr da sein, dass man euch sehen und hören kann.

Anja Fecke

Dank an alle Beteiligten des inklusiven Gottesdienstes

Zum Abschluss des Gottesdienstes dankt Fecke den Sanitätern, die während des Gottesdienstes einen medizinischen Notfall betreut haben, der Band, dem Gebärdenchor, den Dolmetscherinnen, den Ministrantinnen und Ministranten und dem Weihbischof, der „vorher mindestens genauso aufgeregt war wie ich“, so Fecke. Und sie richtet den Dank an alle Mitfeiernden: „Das ist so wichtig, dass ihr da sein, dass man euch sehen und hören kann.“

Auch der Weihbischof richtet einen Dank an Fecke und Schwester Judith: „Man spürt, dass Ihnen nicht nur der Gottesdienst am Herzen liegt, sondern das Thema, dass wir alle zu einer Menschheitsfamilie gehören. Danke für Ihren Einsatz.“

„Inklusion fängt bei dir an“

Dieser Dank wird greifbar, als die Mitfeiernden den Dom nach dem Gottesdienst mit einem breiten Grinsen verlassen. „War schön gewesen“, sagt eine junge Frau. Ein älterer Herr im Rollstuhl sagt: „Ich war bisher jedes Jahr bei dem Gottesdienst. Es ist immer richtig schön.“ Zudem freue er sich, dass Weihbischof Holtkotte dabei war.

Der inklusive Gottesdienst zeigt, wie Kirche aussehen kann, wenn möglichst viele Menschen nicht nur dabei, sondern wirklich mittendrin sind. Im Ohr bleibt Feckes Abschlussgebet: „Inklusion fängt bei dir an. Danke dafür. Amen.“

Ein Beitrag von:
Team Redaktion

Jasmin Lobert

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