Einsamkeit ist das beherrschende Thema
Einsamkeit sei tatsächlich das beherrschende Thema dieser Tage, so Hillenkamp. Die Corona-Pandemie habe dies noch verschärft: „Wir merken erst, wie wichtig soziales Leben ist, wenn wir es nicht mehr haben“, sagt er. „Man muss ständig mit der Vernunft gegen den natürlichen Drang nach Nähe angehen, zum Beispiel einen Angehörigen in den Arm zu nehmen. Und das ist anstrengend.“ Gleichzeitig macht Hillenkamp Mut, das Corona-bedingte Alleinsein in diesem Jahr anzunehmen: „Warum soll es nicht möglich sein, Weihnachten für sich zu feiern? Es ist zwar ungewohnt, man hat es ja nicht trainiert. Aber warum soll man es sich nicht allein gut gehen lassen können?“
In Chats und Mails, über die man die Telefonseelsorge ebenfalls kontaktieren kann, gehe es um andere Nöte als am Telefon, berichtet der Diözesanbeauftragte für die Telefonseelsorge weiter. „Die Menschen, die sich über diese Kanäle melden, sind jünger. Hier bekommen es unsere Mitarbeitenden mit Selbstverletzungs- oder sogar Suizidgedanken zu tun – das hat seit Beginn der Pandemie zugenommen.“ Ob Corona tatsächlich zu einem Anstieg der Suizide geführt hat, kann Hillenkamp nicht sagen: „Hier gibt es noch keine verlässlichen Zahlen.“
Der harte Lockdown seit dem 16. Dezember habe sich bisher nicht so stark auf die Arbeit der Telefonseelsorge ausgewirkt, meint Hillenkamp. „Die Zahlen sind nur leicht angestiegen. Letztlich glaube ich sogar, dass der Lockdown unsere Arbeit an Weihnachten entspannter macht. Es war die Unklarheit und Unsicherheit, die die Menschen gestresst hat. Jetzt wissen sie, woran sie sind – das entlastet.“
“Es wurde intensivste Seelsorge geleistet.”
Beim Frühjahr-Lockdown habe das ganz anders ausgesehen, blickt Hillenkamp zurück. Da sei die Zahl der Anrufe um 30 bis 40 Prozent angestiegen. „Auch damals hat Corona die Themen verschärft, die ohnehin schon da waren: Angst, Depression und Einsamkeit. Wir sind aber auch einer neuen Art von Not begegnet, die es so vorher noch nicht gab: Viele Menschen hat es sehr belastet, dass sie ihre Angehörigen in Krankenhäusern oder Seniorenheimen nicht mehr besuchen konnten.“