Liborius als Brückenbauer zwischen Völkern
Im 9. Jahrhundert war das damalige Bistum Paderborn erst wenige Jahrzehnte alt. Der Paderborner Bischof Badurad wollte das Band zwischen seinem noch jungen Bistum und den schon im Glauben bewährten Kirchen des Frankenreichs stärken und die Heiligenverehrung fördern. Mit einem Empfehlungsschreiben von Kaiser Ludwig dem Frommen zogen Paderborner Gesandte im Jahr 836 nach Le Mans und erbaten dort die Gebeine eines Heiligen. Bischof und Gläubige schenkten der Abordnung aus Paderborn die Gebeine des heiligen Liborius. Dies war der Beginn des bis heute andauernden „Liebesbundes ewiger Bruderschaft“. Der heilige Liborius wurde so im besten Sinn zum Brückenbauer zwischen zwei Völkern.
Pfau und Steinchen als Attribute
Zu Pfingsten 836 erreichte die Prozession mit den Gebeinen des Heiligen schließlich Paderborn. Laut einer Legende aus dem 18. Jahrhundert soll ein Pfau der Prozession die ganze Zeit vorangeflogen sein – deshalb wird der heilige Liborius oft mit einem Pfau als Attribut dargestellt. Auch im Hohen Dom zu Paderborn finden sich zahlreiche Pfauen-Motive. Ein weiteres Attribut des Heiligen ist ein aufgeschlagenes Buch mit darauf liegenden Steinchen. Dies kennzeichnet Liborius als Helfer gegen Steinleiden aller Art.
Geraubt – und glücklich zurückgekehrt
Im Dreißigjährigen Krieg wurden der Paderborner Domschatz und der Schrein mit den Reliquien des heiligen Liborius von Landsknechten des lutherischen Herzogs Christian von Braunschweig geraubt. Dies kam für Stadt und Bistum einer Katastrophe gleich. Es gelang, die Reliquien nach fünf Jahren zurückzuerlangen – der Gedenktag an die „Rückkehr“ des Heiligen nach Paderborn wird jährlich am 25. Oktober als „Klein-Libori“ begangen.
1627 schuf der Künstler Hans Krako einen neuen, vergoldeten Silberschrein, in dem die Reliquien bis heute zu Libori ausgestellt und verehrt werden. Getragen wird der Schrein von den Libori-Schreinträgern, deren Gewänder im 19. Jahrhundert in Anlehnung an die Uniformen der Schweizer Garde im Vatikan gestaltet wurden. Über das Jahr ruhen die Reliquien im Altar der Domkrypta in einem Ebenholzschrein.