Laden...

logocontainer-upper
logocontainer-lower
© Maximilian Martin / Shutterstock.com
© Maximilian Martin / Shutterstock.com

Ein freies Ja zum Leben im Kloster

Am 8. Mai ist Weltgebetstag um geistliche Berufungen. Aber was begeistert junge Menschen an Gott? Wir haben drei von ihnen gefragt. Im zweiten Teil der Reihe erzählt Novizin Schwester Lucia, wie sie vom Geologiestudium ins Kloster gefunden hat

Ihre private Mailadresse enthält weder ihren Taufnamen noch ihren Ordensnamen, sondern den eines Minerals. Vor ihrem Ordensleben hat Schwester Lucia Geologie studiert. Geologie, nicht Theologie. Aber schon damals war die heute 28-Jährige auf der Suche nach etwas Größerem. „Ich stand vor einem Bergkamm“, sagt sie. „Und ich habe mich gefragt: Wenn das alles so groß ist, wenn eine einzige Auffaltung eines Gebirges schon so groß ist, wer bin dann ich als kleiner Mensch?“

 

 

„Wenn eine einzige Auffaltung eines Gebirges schon so groß ist, wer bin dann ich?“

 

Schwester Lucia

 

 

Die Geologie konnte diese Antwort nicht geben und vorerst auch niemand anderer. „Ich bin kirchenfern aufgewachsen“, erklärt Schwester Lucia. „Meine Mutter ist evangelische Christin und nicht besonders religiös, mein Vater ein philosophisch bewanderter Atheist. Ich bin gar nicht auf die Idee gekommen, dass die Antworten auf meine Fragen im Glauben liegen können.“

Dies änderte auf schier wundersame Weise eine Romfahrt mit ihrer Mutter. Im Jahr 2017 nahmen die beiden Frauen für ein verlängertes Wochenende den Nachtzug nach Rom. „Meine Mutter war vernarrt in die Stadt und wollte jede Kirche besichtigen“, erzählt Schwester Lucia, „natürlich auch den Petersdom.“ Auf dem Petersplatz angekommen, waren ihnen die Warteschlangen zu lang. Als aber eine der Schlangen plötzlich abriss, nutzten Mutter und Tochter die Gelegenheit und schlüpften in die Kirche. „Wie die verpeiltesten Touris haben wir den Haupteingang verfehlt und sind erst einmal eine Weile herumgeirrt und sogar mit dem Aufzug hoch in die Kuppel gefahren“, erinnert sich Schwester Lucia mit einem Lachen. Endlich im Inneren der Kirche angekommen, war sie geplättet von der Größe des Raums.

 

 

„Gott, wenn es dich gibt, dann wirst du mich zu dir führen.“

 

Schwester Lucia

 

 

Um das Ereignis ihrer Evangelisierung zu beschreiben, gebraucht Schwester Lucia die einfachsten Worte: „Ich habe mir gedacht: Wenn sich Menschen zusammentun, um zur Verehrung ihres Gottes gemeinsam etwas so Gewaltiges zu bauen, dann könnte vielleicht etwas dran sein. Also habe ich gesagt: ‚Gott, wenn es dich gibt, dann wirst du mich zu dir führen.‘“ Dieses Gebet wurde erhört.

Hineintasten in den Glauben

Noch auf dem Nachhauseweg begann die junge Frau, religiöse Texte zu lesen und sich zunächst in der evangelischen Kirche in die Welt des Glaubens hineinzutasten. Doch nach dem Erlebnis eines katholischen Gottesdienstes hatte die junge Frau eine neue Glaubensheimat gefunden.

Damit wurde auch der Wunsch nach einem Ordensleben immer deutlicher. Nach einem freiwilligen Ordensjahr beschloss Schwester Lucia, ihr weiteres Leben als Franziskanerin von Salzkotten zu leben. Die evangelischen Räte Keuschheit, Armut und Gehorsam sieht die junge Ordensfrau nicht als Einschränkung, sondern als Bereicherung ihres Lebens: „Keuschheit bedeutet das Offensein für Gott, Armut ist das Abstreifen von materiellem Ballast und Gehorsam ist kein Kadavergehorsam, sondern dem Wortsinn nach das Hören auf Gott, auf sich und auf die anderen. Mein Ja zum Ordensleben ist ein freies Ja.“

Ihr Umfeld reagierte unerwartet verständnisvoll auf die Lebensentscheidung. Der atheistische Vater kommt häufiger nach Salzkotten zu Besuch und fühlt sich im Kreis der Ordensfrauen pudelwohl. Die beste Freundin war anfangs konsterniert und fragte dreimal nach, ob sich Schwester Lucia ihr Vorhaben gut überlagt hatte. Danach war die Entscheidung akzeptiert. Länger haderte die Mutter mit der Entscheidung ihrer Tochter, doch nach vielen Gesprächen gibt es zwischen den beiden Frauen eine gute Übereinkunft. Wie es nun weitergeht mit dem Glaubensweg von Schwester Lucia? „Er wird immer weitergehen“, sagt sie. „Ich halte mich bereit dafür, was ER noch mit mir vorhat.“

Weltgebetstag um geistliche Berufungen am 8. Mai 2022

Seit 1964 begeht die Katholische Kirche am vierten Sonntag der Osterzeit den Weltgebetstag um geistliche Berufungen. Der heilige Papst Paul VI. hatte ihn eingeführt, um jedes Jahr für junge Menschen zu beten, die sich von Gott anrühren lassen und das Evangelium verkünden.

Im Erzbistum Paderborn steht der Weltgebetstag, der dieses Jahr auf den 8. Mai fällt, unter dem Motto „in allem du“. Den Auftakt macht am Samstagabend eine Veranstaltung in der alten Wallfahrtsbasilika in Werl. Um 18.00 Uhr beginnt dort ein Wortgottesdienst, bei dem junge Menschen Zeugnis davon geben, wie sie zum Glauben gefunden haben und was er ihnen in ihrem Leben bedeutet. Im Anschluss ist auch ein persönlicher Austausch möglich. Ein Konzert des „Jungen Chores“ aus Iserlohn rundet den Abend ab.

Die Veranstaltung in Werl ist sogleich auch der Auftakt der 24-Stunden-Gebetsaktion „Werft die Netze aus “, die im Erzbistum Paderborn und deutschlandweit zum Gebet um geistliche Berufungen einlädt. Gebetszeiten rund um den Weltgebetstag können jederzeit auf dieser Website eingetragen werden. Am Sonntag, den 8. Mai, werden zudem junge Menschen an verschiedenen Orten des Erzbistums von ihrer persönlichen Berufung erzählen.

Weitere Informationen zur Veranstaltung in Werl.

Weitere Einträge

© Tobias Schulte / Erzbistum Paderborn

Unser Glaube Es geht ums Teilen

Ein Brötchen gegen eine Spende: Bei der Aktion Minibrot der KLJB unterstützen junge Menschen Projekte weltweit. Luisa und Luis erzählen, was das mit ihrem Glauben zu tun hat.
© Besim Mazhiqi

Unser Glaube Jeder Mensch hat einen Engel

Bei aller Vereinnahmung durch den Kommerz: Im Kern sind Schutzengel christliche Figuren! Daran erinnert die Archivalie des Monats zum Gedenktag der heiligen Schutzengel am heutigen 2. Oktober.
© Reinhard Goette

Unser Glaube Auf diesen Felsen werde ich meine Kirche bauen

In der tausendjährigen Geschichte von St. Petrus in Padberg wurde die Kirche von den Menschen „durchgebetet“
Kontakt
| |
generalvikariat@erzbistum-paderborn.de
+49 (0)5251 125-0