„Wir dürfen uns jetzt nicht ablenken lassen und müssen unseren Weg weitergehen. Das sind wir den Menschen, Gott und seiner Schöpfung schuldig. Wieder einmal erhalten wir als katholische Kirche in Deutschland die Quittung für das, was wir noch nicht gut hingekriegt haben. Aber wir müssen jetzt dranbleiben, weiter unsere Arbeit machen und beweisen, dass wir als Glaubensgemeinschaft der Welt etwas zu geben und anzubieten haben. Das sind nicht wir selbst, sondern das ist das, wofür wir stehen: die Botschaft vom Reich Gottes, das aufrichtende und freimachende Evangelium Jesu Christi. Wir haben die richtigen Wege der Erneuerung und der Konzentration auf den Kern unseres Daseins und unseres Auftrags eingeschlagen. Die Welt braucht uns, es gibt viel zu tun, besonders jetzt in diesen Tagen und in der nächsten Zeit.
Allen, die sich von der Kirche abwenden, die skeptisch sind oder sich zurückziehen, sage ich: Bleibt! Habt Mut zu neuem Vertrauen! Es lohnt sich. Die Kirche und alle, die ihr in der Tat auf unterschiedliche Weise ein Gesicht geben, leisten viel, vor allem für andere. Es mag im Einzelnen unscheinbar wirken und wenig spektakulär. Aber es ist alles andere als unerheblich. In ihrem Dienst für Glaube, Hoffnung und Liebe trägt Kirche die Lasten des Lebens mit und setzt sich praktisch für eine lebendige Gemeinschaft des Glaubens ebenso wie für die Belange der Gesellschaft, für Neuanfänge, Gerechtigkeit und Frieden ein.
Wir sind da. Wir bleiben ansprechbar. Wir lassen niemanden allein. Ich bin sicher: In Gemeinschaft lebt es sich in der Regel besser als allein. Das ist wie im Erleben von Familie. Aus Familie kann man nicht austreten. Selbst in Distanz zu ihr bleibt die Prägung ihrer Grunderfahrung. So ist es auch mit der Kirche, wenn wir christlich geprägt, sozusagen als Mensch christlich programmiert sind. Damit ist je persönlich etwas grundgelegt, das hoffentlich weiter erfahrbar bleibt und zunehmend erfahrbar wird. Ganz gleich von welchem Standpunkt aus, wünsche ich allen die Erfahrung einer persönlichen Beziehung zu Gott, zu dem, was bedingungsloses Angenommen-Sein, Beziehung, Heimat, Schutz, Segen und Freiheit schenkt. Diese Erfahrung ist und bleibt entscheidend im Alltag des Lebens. Das sehe ich als keine Bitte an, sondern als ein Versprechen an alle Menschen, die unabhängig von ihrem Status von der Kirche in ihrem Leben begleitet werden wollen.“