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© Renata Sedmakova / Shutterstock.com
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Den Blick von außen nach innen lenken

Erzbischof Dr. Udo Markus Bentz feiert Familiengottesdienst im Nevigeser Mariendom – Christi Himmelfahrt als notwendige Wende im Glaubensweg.

„Nur wenn etwas zu Ende geht, kann etwas Neues anfangen.“ Mit diesen oft zitierten Worten leitete der Paderborner Erzbischof Dr. Udo Markus Bentz am heutigen Christi Himmelfahrtstag in seine Predigt ein. 40 Tage nach Ostern feierte er im Mariendom in Neviges, am viel besuchten Wallfahrtsort, einen Familiengottesdienst. Mit der Himmelfahrt endeten die Erscheinungen des Auferstandenen, erklärte Erzbischof Dr. Bentz. Jesus entziehe sich: „Schon in den Abschiedsreden hat er davon gesprochen, dass es sogar ‚gut‘ ist, wenn er geht. Nur wenn er weg ist, kann etwas Neues beginnen.“ So stand der Gottesdienst in Neviges an diesem Festtag ganz im Zeichen der Veränderung vom äußeren hin zum inneren.

Neue Nähe

Die Beziehung zwischen Jesu und seinen Jüngern ähnele der von Familien, verglich Erzbischof Dr. Udo Markus Bentz: „Denken Sie an ihre eigene Familie. Nur wenn die erwachsen werdenden Kinder weggehen, sich lösen, können sie reifen und zu eigenen Persönlichkeiten werden. Und nur wenn die erwachsen gewordenen Kinder weggehen, können auch die Eltern neu werden und kann die Beziehung zwischen Eltern und Kindern neu werden.“ Jesus habe sich seinen Jüngern entzogen, damit auch hier etwas Neues werden konnte, führte der Erzbischof weiter aus. Das „Entziehen“, habe jedoch nicht erst mit der Himmelfahrt begonnen: „Dieses „Entziehen“ gehört schon zu den ersten Erscheinungsberichten dazu: Denken wir an die Emmaus-Jünger. Er bricht mit ihnen das Brot, da gehen ihnen die Augen auf und plötzlich sehen sie ihn nicht mehr. Denken wir an Maria von Magdala. Zu ihr sagt der Auferstandene: Halte mich nicht fest. Der Auferstandene zeigt sich – und entzieht sich.“ Ein Muster, das die Jünger bereits auf das „neue Leben mit ganz neuer Qualität“ vorbereite – auf eine „neue Nähe“. Es brauche Vertrauen und Zutrauen: Im Loslassen wachse eine neue Verbindung, erklärte der Erzbischof. „Auch das ist wiederum die Erfahrung der Familie – die Kinder, die zu Jugendlichen heranwachsen, entziehen sich immer mehr den Eltern. Und wie schwer ist es für Eltern, loszulassen. Aber nur im Loslassen, werden sie spüren, dass eine neue, eine andere Nähe möglich wird. Wer klammert und festhält, will besitzen. Wer nicht freigeben kann, wird verlieren“, folgerte der Erzbischof schließlich.

Zur Innerlichkeit finden

Jesus handele in der Beziehung zu seinen Jüngern ähnlich. Zunächst zeige er sich. Dann aber sage er „Haltet mich nicht fest“. Er leite seine Jünger auf diese Weise in einen geistlichen Prozess, um zur Innerlichkeit zu finden, erklärte der Erzbischof: „Weg von der sinnenhaften Äußerlichkeit zur geistlichen Innerlichkeit. Christi Himmelfahrt ist das Fest, das den Blick von außen nach innen lenkt: Jesus in mir! Das ist die neue Qualität der Beziehung zwischen Jesus und seinen Jüngern.“

Wir als Kirche gingen den gleichen Weg wie die Jünger, ist sich der Erzbischof sicher: „Es ist dieselbe Herausforderung, derselbe Lernprozess. Es gilt, unseren Glauben immer wieder von der sinnenhaften Äußerlichkeit zu vertiefen zu geistlichen Innerlichkeit.“ Wichtig sei es in diesem Prozess, Liturgie, Riten, Zeichen und Bilder, kurzum, das Sakramentale, als Werkzeug zur Innerlichkeit zu nutzen. All das unterstütze uns in unserer Glaubenserfahrung. „Wo wir aber ‚nur‘ dieses Äußerliche vollziehen, wo wir es nicht schaffen, dieses Äußerliche als Brücke und Hilfe zu einer geistlichen Innerlichkeit zu nehmen, dort laufen wir Gefahr uns in Äußerlichkeiten zu verlieren, Formen zu pflegen, die zwar ästhetisch schön, geistlich innerlich aber vielleicht hohl sind. Und dann meinen manche, wir müssten nur die äußeren Formen ändern, aktualisieren, modernisieren – und schon stünde es besser mit der Kirche. – Nein! Die eigentliche Erneuerung und Reform unsrer Kirche kommen von innen! Die Erneuerung unsrer Kirche setzt die Bereitschaft zur geistlichen Verinnerlichung voraus“, appellierte der Erzbischof an die Gläubigen.

Die Weitergabe des Glaubens

Christi Himmelfahrt markiere einen wesentlichen Wendepunkt für die Jünger, an dem die Verbindung zu Jesus eine neue Erfahrung innerer Nähe werde: „Das ist auch die Freude der Jünger, die von der Himmelfahrt nach Jerusalem zurückkehren. Jetzt tragen sie ihn – Jesus – in sich.“ Hieraus wachse jene Aufgabe, in Familien – die Weitergabe des Glaubens an die nächste Generation: „Den Glauben lernen können unsere Kinder nur, wenn wir mit ihnen einen Weg gehen, ähnlich dem, wie Jesus seine Jünger nach dem Tod und der Auferstehung seine Jünger geführt hat“, erklärt Erzbischof Dr. Bentz und bezieht sich dabei auf drei wesentliche Schritte: „Jesus zeigt sich! Konkret. Kinder und Jugendliche müssen den Glauben konkret erfahren. In äußeren Zeichen, durch Glaubensrituale im Alltagsleben der Familie und durch Gebete, die man lernt.“ Anschließend müssten jedoch auch Kinder „Innerlichkeit“ lernen. Hier gelte es für Erwachsene, Kindern zu einem inneren Gespräch mit Gott zu verhelfen. Zentral sei in allem jedoch die Freiheit, eigene Erfahrungen zu machen. „Jesus lässt den Jüngern die Freiheit, eigene Wege zu gehen und eigene Erfahrungen zu machen: Freiheit gehört zur Erfahrung von Innerlichkeit dazu. Zwang zerstört. Die junge Generation hat ein Recht, ihre eigenen Wege und Formen zu finden“, sagte der Erzbischof weiter und äußerte abschließend den Wunsch an die Familien, „die Freude an Gott – die Freude an der Innerlichkeit so zu leben, dass Kinder diese „Kraft und Stärke“, die der Glaube in ihnen freisetzt, als eine wirkliche Lebenskraft erfahren kann.“

Christi Himmelfahrt

Christi Himmelfahrt ist ein Hochfest der katholischen Kirche, das 40 Tage nach Ostern gefeiert wird. Es erinnert an die Rückkehr Jesu Christi zu Gott, seinem Vater im Himmel – die Himmelfahrt. Nach der Apostelgeschichte erschien Jesus seinen Jüngern nach seiner Auferstehung mehrfach. Am 40. Tag wurde er vor ihren Augen in den Himmel aufgenommen.

Christi Himmelfahrt macht deutlich: Jesus Christus ist nicht mehr sichtbar auf Erden, aber weiterhin gegenwärtig – in der Gemeinschaft der Glaubenden, im Wort Gottes und in den Sakramenten: Es beschreibt den Wandel von der äußeren, hin zur inneren Glaubensverbindung, die die Jünger und später auch wir Menschen zu Jesus haben.

Ein Beitrag von:
Referentin Team Presse

Isabella Maria Struck

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