Im Mittelpunkt des diesjährigen Grußwortes steht die gemeinsame Verantwortung für den Erhalt der Demokratie. Anlass ist, dass in zeitlicher Nähe zu Rosch HaSchana in mehreren Bundesländern Wahlen stattfinden. „Freie und allgemeine Wahlen machen den Kern unserer Demokratie aus“, heißt es in dem ökumenischen Grußwort. Darin verwirkliche sich ein Menschenbild, das Judentum und Christentum präge: „Alle Menschen sind mit gleicher Würde geschaffen: ‚Gott schuf den Menschen zu seinem Bilde.‘“ Zugleich teilen die Kirchen die Sorge vieler jüdischer Mitbürgerinnen und Mitbürger angesichts des Erstarkens rechtsextremer Kräfte.
Die christlichen Kirchen erinnern zugleich daran, dass es nach der Zeit des Nationalsozialismus keineswegs absehbar gewesen sei, dass Deutschland sich zu einem demokratischen Staat entwickeln werde. Umso dankbarer zeigen sich die Unterzeichnenden dafür, dass auch Jüdinnen und Juden, die von der nationalsozialistischen Schreckensherrschaft verfolgt worden waren, die beginnende Demokratie in Deutschland unterstützt haben. Schon in den ersten Jahren nach dem Ende der Diktatur seien jüdische Gemeinden in Deutschland neu gegründet worden; Jüdinnen und Juden hätten sich in Politik und Zivilgesellschaft eingebracht. „Dieses Engagement können wir nicht hoch genug schätzen. Es gehört unlöslich zu unserer Geschichte – und zu unserer Zukunft“, betonen die Vertreterinnen und Vertreter der christlichen Kirchen.
Mit Blick auf die Gegenwart warnen die Kirchenvertreter: „Demokratie ist keine Selbstverständlichkeit. Sie kann nur existieren, wenn Menschen sich aktiv für sie einsetzen.“ Dies sei gerade heute nötig, wo Feinde der Demokratie die Mittel des demokratischen Rechtsstaates nutzten, um diesen abzuschaffen. Antisemitische und antidemokratische Einstellungen gingen dabei oft Hand in Hand: „Wer die Demokratie einschränkt, diskriminiert Menschen und grenzt sie vom gesellschaftlichen Leben aus.“
Für das neue jüdische Jahr verbinden die christlichen Kirchen den Segenswunsch mit dem Aufruf zu gemeinsamem Engagement: „Lassen Sie uns als Juden und Christen in diesem Jahr gemeinsam wirken für den Erhalt der Demokratie – zusammen mit allen Menschen, die dem gleichen Ziel verbunden sind.“ Das Grußwort schließt mit dem Vertrauen: „Gott behütet unseren Ausgang und Eingang. Darin liegt unsere Zuversicht und Zukunft.“