Wie die Franziskaner nach Bielefeld kamen? Zuerst ließen sie sich auf dem Jostberg nieder, wo sie zur Verehrung des heiligen Jodokus eine kleine Kapelle und später ein Kloster errichteten. Auf dem südwestlich der Stadt gelegenen Höhenzug des Teutoburger Waldes war es aber selbst den asketischen Bettelmönchen im Winter zu kalt. Ihr Bergkloster gaben sie wenige Jahre nach seiner Gründung wieder auf und siedelten sich stattdessen im Jahr 1507 im Stadtgebiet an. Aus dieser Zeit stammen die spätmittelalterliche Jodokuskirche und die ältesten Teile der Klosteranlage.
Ein Jahrzehnt später setzte bekanntlich die Reformation ein, in deren Zuge Bielefeld evangelisch wurde. Zwar blieben die Franziskaner in Bielefeld, das Katholische war aber im Glaubensleben der Stadt kaum mehr als eine Randnotiz. Das Ende des Klosters besiegelte die Säkularisation Anfang des 19. Jahrhunderts. Die staatliche Obrigkeit ging bei der Einziehung des Kirchengutes mit den Franziskanern einigermaßen milde um. Die Mönche durften bleiben, der Konvent durfte aber keine neuen Mitbrüder mehr aufnehmen.
Und heute? Wie steht es gegenwärtig um das Glaubensleben in Bielefeld? „Heute ist Bielefeld eine durch und durch säkulare Stadt“, berichtet Norbert Nacke, Pfarrer in Bielefeld und Dechant im Dekanat Bielefeld-Lippe. „Was die Bedeutung der christlichen Religion angeht, gibt es keinen Vergleich zu Paderborn, wo ich geboren und aufgewachsen bin.“ Dennoch gefällt es Norbert Nacke in Bielefeld, dennoch fühlt er sich in St. Jodokus wohl und findet dort Erfüllung. Der Grund: „Gerade in einem säkularen Umfeld wird die Kirche gebraucht. Wir haben eine Funktion, wir stellen Räume bereit, die sonst niemand bereitstellt.“