Sonderausstellung im Diözesanmuseum Paderborn ab 21. September 2024 – Schätze aus dem Mittelalter und Faszination der Antike
Die Äbte des Klosters Corvey besaßen weitreichende Verbindungen nach Rom und Byzanz und gehörten zu den Gelehrten des karolingischen Hofs. Sie machten die abgelegene Abtei am Weserbogen zu einem Zentrum der Übermittlung antiker Schrift, Architektur und Wandmalerei. Am eindrucksvollsten zeigt sich das in der einzigartigen Inschriftentafel an der Außenfassade, die im 20. Jahrhundert durch eine Kopie ersetzt wurde. Das Original wird in der großen Sonderausstellung „Corvey und das Erbe der Antike. Kaiser Klöster und Kulturtransfer im Mittelalter“ vom 21. September 2024 bis zum 26. Januar 2025 im Diözesanmuseum Paderborn zu sehen sein.
Die Paderborner Ausstellung steht unter der Schirmherrschaft von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier.
Das 1.200ste Jubiläum der Klostergründung und die Welterbe-Anerkennung vor 10 Jahren sind Anlass der Sonderausstellung. Sie zeigt, wie antikes Wissen und Kultur über das Mittelalter bis in die Gegenwart gelangten und noch immer unsere europäische Gesellschaft prägen. Sie führt einzigartige Leihgaben aus Museen und Bibliotheken in ganz Europa und den USA zusammen. Darunter sind so faszinierendste Exponate wie die Burse von Enger, ein Reliquiar aus dem Kunstgewerbemuseum Berlin und eins der bedeutendsten Werke mittelalterlicher Goldschmiedekunst. Aus dem Aachener Dom kommt eine große Bronze-Bärin. Die einzigartige, rund 2.300 Jahre alte, hellenistische Statue soll einst Karl der Großen an seinen Hof geholt haben. Das Musée de La Cour d’Or in Metz schickt die erhaltenen Teile des reichverzierten Sarkophags von Ludwig dem Frommen, des Gründervaters der Abtei Corvey, nach Paderborn. Die berühmte Stiftsbibliothek St. Gallen entleiht kostbare Fragmente einer Handschrift des römischen Dichters Vergil und aus der Biblioteca Medicea Laurenziana in Florenz kommt eine Handschrift des römischen Geschichtsschreibers Tacitus zurück in ihre „ostwestfälische Heimat“. Der Text erhielt sich nur in einer einzigen Abschrift aus dem Kloster Fulda und wurde in der Bibliothek des Klosters Corvey bewahrt. Im 16. Jahrhundert entführten Bücherdiebe diese Handschrift im Auftrag der einflussreichen Familie der Medici nach Italien. Nur aus diesem Manuskript, aus dieser einen Quelle wissen wir heute, dass die legendäre Varusschlacht, in der der Cheruskerfürst Arminius den römischen Feldherren Varus vernichtend schlug, im Teutoburger Wald stattfand.
Flankiert werden die mehr als 120 Ausstellungsexponate im Diözesanmuseum Paderborn von virtuellen Interventionen. Sie geben exklusive Einblicke in die Tätigkeit von Restaurator*innen, Forschenden und Naturwissenschaftler*innen, die heute das antike Erbe für uns bewahren. Die Bedeutung und Vielfalt von Schrift und Schriftlichkeit machen aktuelle Arbeiten des international arbeitenden Kalligraphen und Künstlers Brody Neuenschwander deutlich.