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„Baumeister waren die Silicon-Valleys des Mittelalters“

Europäische Dombaumeistertagung in Paderborn – Zehetner: „Beruf aus tiefster Überzeugung“


90 Dombaumeisterinnen und Dombaumeister aus Europa tagen derzeit in Paderborn.pdp / Ronald Pfaff
Seit Dienstag sind 90 Baumeisterinnen und Baumeister aus ganz Europa erstmals zu Gast in Paderborn und setzen bei ihrer Jahrestagung immer wieder den Hohen Dom zu Paderborn in den Fokus ihrer Betrachtungen. Zahlreiche Restaurierungen, das neue Geläut sowie die angrenzende Gotik-Ausstellung im Diözesanmuseum geben den Mitgliedern der Europäischen Vereinigung eine Menge Gesprächsstoff.

„Für Ihre Tagung haben Sie sich bewusst für das Motto ‚genius loci‘ – Der Geist des Ortes – entschieden. In jedem Dom, jedem Münster, jeder Kirche ‚wohnt‘ ein besonderer Geist. Seit Menschengedenken gibt es in der Welt Orte und Gebäude mit einem besonderen Geist, Orte an denen Menschen ihrem Glauben Ausdruck verleihen. Orte für Gottesanbetung sind nach christlichem Verständnis immer mehr als Häuser aus Stein“, begrüßte Generalvikar Alfons Hardt die Gäste im Erzbistum Paderborn.


Generalvikar Alfons Hardt.pdp / Ronald Pfaff
So seien die Baumeisterinnen und Baumeister für die Hege, Pflege und gegebenenfalls Neuplanung von Kulturgütern mit einem besonderen Geist zuständig.  Mit dem Wissen über Architektur, Denkmalpflege, Kunstgeschichte und letztlich auch Baumaterialien übernähmen sie eine Verantwortung, die bautechnische Tradition wahre, zukunftsträchtig machen solle und dabei immer auch den „genius loci“ im Blick haben müsse, sagte der Generalvikar.


Wolfgang Zehetner, Dombaumeister aus Wien.pdp / Ronald Pfaff
„Wir tun das aus tiefster Überzeugung“, versprach Wolfgang Zehetner, Vorsitzender der Europäischen Baumeistervereinigung und zugleich Dombaumeister von Wien. Austausch und gegenseitige Information bestimme die Tagung, in der es um die Wahrung des Erbes und der Tradition ging. Zehetner: „Die Baumeister waren die Silicon-Valleys des Mittelalters.“ Auf den Standort Paderborn, der zwischen Erfurt (2017) und Basel (2019) liege, freue man sich, da das Angebot vielseitig sei. Außerdem wurde der Paderborner Dombaumeister Björn Erik Kastrup jetzt in den Kreis der fünf neuen, offiziellen Mitglieder der Europäischen Vereinigung aufgenommen, zu denen auch Daniel Müller (Soest) gehört.


Dompropst Monsignore Göbel.pdp / Ronald Pfaff
Im „Windschatten der Provinz“ könne man wunderbare Segelmanöver machen, die nicht so in der allgemeinen Beachtung ständen, aber den Dombaumeisterinnen und Dombaumeistern schon positiv ins Auge fallen sollten. Dompropst Monsignore Joachim Göbel blickte mit Stolz auf die Veränderungen am Hohen Dom, die es sich zu zeigen lohne. Ein Dom sei auch oft ein Zeichen für die Lust am Neuen, zu der auch der Einzug der Gotik gehört habe, in einer Zeit, in der sich in Europa Einiges bewegt habe. Ein Dom sei aber auch eine „Job-Maschine“ und ein „Konjunkturprogramm“, das habe sich über Jahrhunderte nicht verändert. Außerdem sei ein Dom auch ein Ort der technischen Innovationen und Weiterentwicklung.

„Heute ist ein Dom auch ein Kraft-Ort und ein offener Raum der Begegnung“, so Göbel. Um dieses Ziel zu erreichen, brauche es aber auch eine besondere Gestaltung. Wichtige Faktoren seien das Portal, das Stichwort Inklusion nicht nur bezogen auf Barrierefreiheit, sondern auch auf Sprache und Erreichbarkeit. Ein Dom müsse Geschichten erzählen und ein Dom sei auch ein Ort des Gebets, zu dem auch Kerzen einfach dazu gehörten.


Zu den Dom-Grabungen führte Dr. Christiane Ruhmann, Diözesanmuseum, die Gäste.pdp / Ronald Pfaff
Davon konnten die die Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Baumeister-Tagung in diesen Tagen überzeugen. Ortstermine mit sachkundiger Führung schlossen sich am Mittwoch im Dom, in der Bartholomäuskapelle und der Kaiserpfalz an. In den Werkstattberichten am Donnerstag nahmen zahlreiche Referenten zu verschiedenen Arbeiten und Aufgaben Stellung. Beispiele aus Trondheim, Riga, Würzburg, Dithmarschen und Pisa standen ebenso auf der Tagesordnung wie das neue Geläut des Paderborner Domes oder die Neugestaltung des Paradiesportals und Kapitelsfriedhofes.

Noch bis zum kommenden Samstag findet die Dombaumeistertagung in Paderborn statt.                         

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