„Gerade in der Zölibatsdebatte haben die Priesteramtskandidaten seit längerem den Eindruck, dass hier über etwas gesprochen wird, das sie zutiefst betrifft, dass sie selbst aber zu diesem Thema überhaupt nicht befragt werden“, berichtet Regens Menke-Peitzmeyer. Alle Welt spreche etwa im Zusammenhang des Synodalen Weges über sie, während ihre eigene Meinung oft nicht gefragt sei. Hinzu komme das Gefühl, dass „denjenigen, die über sie befinden, aufs Ganze gesehen die Herausforderungen des zölibatären Lebens bei jungen Menschen überhaupt nicht bekannt sind, auch weil sie sich nicht für den Ausbildungsweg der Seminaristen, so wie er sich heute gestaltet, interessieren“.
„Woran soll ich mich halten?“
Die meisten Priesteramtskandidaten würden ihr Studium mit der Absicht beginnen, den zölibatären Weg priesterlichen Lebens gehen zu wollen. „Wenn sie dann aus allen Himmelsrichtungen der innerkirchlichen Diskussion unterschiedliche Botschaften über die Zukunft des Zölibats hören, sind sie natürlich massiv verunsichert und fragen sich: ‚Woran soll ich mich eigentlich halten oder orientieren?‘“, beschreibt der Ausbilder die Situation vieler der insgesamt 28 Kandidaten im Erzbistum Paderborn.
Dass heute überhaupt noch junge Männer ernsthaft Priester werden wollen, grenzt für Regens Menke-Peitzmeyer und seine Kollegen in der Priesterausbildung manchmal an ein Wunder. Nicht selten staunen sie, wenn ein junger Mann mit viel Idealismus den Weg zum Priesteramt gehen will, weil es ihm darum geht, die frohe Botschaft den Menschen heute zu verkünden – auch gegen den Megatrend starker Distanz gegenüber den Großkirchen. „Denn die Bewerber spüren schon, dass es in der Gesellschaft durchaus eine Sehnsucht nach Halt und Orientierung gibt“, erklärt der Leiter des Priesterseminars.
Offene Entscheidungsprozesse
Die jungen Seminaristen seien bereit, sich nach dem Beispiel Jesu auf den Weg zu machen und zölibatär leben zu wollen, „sich also mit Haut und Haaren zur Verfügung zu stellen“. Dabei sei es natürlich jedem unbenommen, nach einem „Prozess der Unterscheidung, ob es nun wirklich die passende Lebenswahl ist, sich eines Tages gegen die zölibatäre Lebensform zu entscheiden. Für solche offenen Entscheidungsprozesse ist das Priesterseminar nun einmal da.“
Angetrieben werden „die jungen Leute“, wie Regens Menke-Peitzmeyer sie heute erlebt, von „zum Teil sehr klaren Vorstellungen, was es heißt, ein katholischer Christ zu sein“. Das bedeute für sie, „klaren Glaubensaussagen und einer profilierten Gebets- und Gottesdienstpraxis gegenüber schwammigen Ausdrucksformen“ den Vorzug zu geben. „Sie möchten ausdrücklich Menschen dabei helfen, Orientierung zu finden im Evangelium und in den Glaubensaussagen der Kirche. Eine klare Ansage ist gefragt.“
Doch über kurz oder lang merkten viele der Kandidaten, dass es im Leben nicht immer so einfach und glatt zugehe und differenziertere Aussagen getroffen werden müssten, gerade um der ihnen anvertrauten Menschen willen. „Wer seelsorglich tätig sein will, hat schon genau hinzuschauen, unter welchen Umständen Menschen heute leben und glauben“, weiß der Leiter des Priesterseminars.