Laden...

logocontainer-upper
logocontainer-lower
© Photo Kozyr / Shutterstock.com
© Photo Kozyr / Shutterstock.com

„Angefragt, verunsichert und erschüttert“

Priesterausbilder wirbt um Verständnis und Unterstützung für die Lebenswahl seiner Seminaristen

Regens Dr. Michael Menke-Peitzmeyer wirbt um Verständnis und Unterstützung für die Lebenswahl seiner Seminaristen. Das müsse nicht euphorisch geschehen, aber doch mit einem Mindestmaß an Wohlwollen und Respekt, sagt der Priesterausbilder für das Erzbistum Paderborn. Angesichts des Missbrauchsskandals rund um die MHG-Studie und einer daraus folgenden „Hermeneutik des Verdachts“ bliebe Priesteramtskandidaten auch bei besten Absichten seltener eine Basis, sich positiv für das zölibatäre Leben zu entscheiden.

„Gerade in der Zölibatsdebatte haben die Priesteramtskandidaten seit längerem den Eindruck, dass hier über etwas gesprochen wird, das sie zutiefst betrifft, dass sie selbst aber zu diesem Thema überhaupt nicht befragt werden“, berichtet Regens Menke-Peitzmeyer. Alle Welt spreche etwa im Zusammenhang des Synodalen Weges über sie, während ihre eigene Meinung oft nicht gefragt sei. Hinzu komme das Gefühl, dass „denjenigen, die über sie befinden, aufs Ganze gesehen die Herausforderungen des zölibatären Lebens bei jungen Menschen überhaupt nicht bekannt sind, auch weil sie sich nicht für den Ausbildungsweg der Seminaristen, so wie er sich heute gestaltet, interessieren“.

„Woran soll ich mich halten?“

Die meisten Priesteramtskandidaten würden ihr Studium mit der Absicht beginnen, den zölibatären Weg priesterlichen Lebens gehen zu wollen. „Wenn sie dann aus allen Himmelsrichtungen der innerkirchlichen Diskussion unterschiedliche Botschaften über die Zukunft des Zölibats hören, sind sie natürlich massiv verunsichert und fragen sich: ‚Woran soll ich mich eigentlich halten oder orientieren?‘“, beschreibt der Ausbilder die Situation vieler der insgesamt 28 Kandidaten im Erzbistum Paderborn.

Dass heute überhaupt noch junge Männer ernsthaft Priester werden wollen, grenzt für Regens Menke-Peitzmeyer und seine Kollegen in der Priesterausbildung manchmal an ein Wunder. Nicht selten staunen sie, wenn ein junger Mann mit viel Idealismus den Weg zum Priesteramt gehen will, weil es ihm darum geht, die frohe Botschaft den Menschen heute zu verkünden – auch gegen den Megatrend starker Distanz gegenüber den Großkirchen. „Denn die Bewerber spüren schon, dass es in der Gesellschaft durchaus eine Sehnsucht nach Halt und Orientierung gibt“, erklärt der Leiter des Priesterseminars.

Offene Entscheidungsprozesse

Die jungen Seminaristen seien bereit, sich nach dem Beispiel Jesu auf den Weg zu machen und zölibatär leben zu wollen, „sich also mit Haut und Haaren zur Verfügung zu stellen“. Dabei sei es natürlich jedem unbenommen, nach einem „Prozess der Unterscheidung, ob es nun wirklich die passende Lebenswahl ist, sich eines Tages gegen die zölibatäre Lebensform zu entscheiden. Für solche offenen Entscheidungsprozesse ist das Priesterseminar nun einmal da.“

Angetrieben werden „die jungen Leute“, wie Regens Menke-Peitzmeyer sie heute erlebt, von „zum Teil sehr klaren Vorstellungen, was es heißt, ein katholischer Christ zu sein“. Das bedeute für sie, „klaren Glaubensaussagen und einer profilierten Gebets- und Gottesdienstpraxis gegenüber schwammigen Ausdrucksformen“ den Vorzug zu geben. „Sie möchten ausdrücklich Menschen dabei helfen, Orientierung zu finden im Evangelium und in den Glaubensaussagen der Kirche. Eine klare Ansage ist gefragt.“

Doch über kurz oder lang merkten viele der Kandidaten, dass es im Leben nicht immer so einfach und glatt zugehe und differenziertere Aussagen getroffen werden müssten, gerade um der ihnen anvertrauten Menschen willen. „Wer seelsorglich tätig sein will, hat schon genau hinzuschauen, unter welchen Umständen Menschen heute leben und glauben“, weiß der Leiter des Priesterseminars.

Lebenserfahrung und Realität der Kirche

Gerade solche Erfahrungen, die sie in den verschiedenen Praktika in Sozialeinrichtungen, in der Schule oder im Gemeindealltag machen, können aus Sicht des Regens in der Ausbildungssituation zu starken Verunsicherungen führen. Bei manchen bedeute das nach dem Motto „Jetzt erst recht!“, dass sie dem Ideal eines überkommenen Priesterbildes folgten und sich eine Form von Rückendeckung erhofften, die von den Verantwortlichen in der Kirche und den Gläubigen heute aber so nicht einfach mehr zu bekommen sei. Andere hingegen würden Schritt für Schritt lernen, ihr berechtigtes Ideal vom Priesterberuf in eine gute Wechselbeziehung zu ihren Lebenserfahrungen und zur Realität der Kirche zu bringen. Daraus könne dann eine ausgewogene und den Menschen dienliche Haltung der künftigen Priester erwachsen.

Zölibat als „Stachel im Fleisch“

Der Zölibat bleibe aber für viele der „Stachel im Fleisch“ der Entscheidung für oder gegen den Priesterberuf. Erschwerend komme hinzu, „dass die Gemeinden vor Ort, die zölibatäre Lebensform in der Regel skeptisch bis ablehnend sehen. Die Mehrheit der Gläubigen würde auf Nachfrage den Zölibat eher heute als morgen abschaffen“, bringt es der Priesterausbilder auf den Punkt. Das sei für die Seminaristen „in sich schon eine massive Anfrage, wenn nicht gar eine Erschütterung“. Wenn dann noch hinzukomme, dass „die Verantwortlichen in den verschiedenen Diözesen bei dieser Thematik hin- und hergerissen sind, dann kann man sich vorstellen, welches Maß an Verunsicherung da ist und dass vor allem diejenigen Zustimmung bekommen, die sozusagen die klare Kante vorgeben wollen“.

Nach den Beobachtungen von Regens Menke-Peitzmeyer habe das wiederum zur Folge, dass „andere Priesteramtskandidaten sich daraufhin zurückziehen und sagen: ‚Ich für mich kann diese Frage heute ohnehin nicht positiv beantworten. Ich studiere zwar gerne weiter Theologie, verfolge diesen Weg aber in einer anderen Lebensform und in einem anderen Beruf innerhalb oder außerhalb der Kirche.‘ Auf die Dauer stellt sich uns schon die Frage: Wer bleibt dann noch übrig?“, so der Leiter der Priesterausbildung.

Psychologische Erkenntnisse wichtig

Für die nächste Zeit geht Regens Menke-Peitzmeyer davon aus, dass die zölibatäre Lebensform weiterhin Voraussetzung für die Priesterweihe ist. „Deshalb bilden wir unsere Seminaristen weiterhin auf dieses Ziel hin aus, was durchaus Folgen für den Alltag in einem Priesterseminar und auch für die Ausbildungsinhalte hat. Neben spirituellen Impulsen spielen dabei heute auch zunehmend psychologische Erkenntnisse eine wichtige Rolle.“

Andererseits müsse er immer häufiger auch auf Anfragen der Priesteramtskandidaten reagieren und gute Gründe für die spezielle Lebensform des Priesters anführen: „Natürlich ist die zölibatäre Lebensform schon allein aus theologischen Gründen nicht festzementiert. Die Frage nach den Viri probati – also nach bewährten verheirateten Männern, die in besonderen Ausnahmenfällen ohne Zölibatsverpflichtung geweiht werden können – wird sich über kurz oder lang auch bei uns stellen.“

Entscheidend bleibe aber: „Wer heute aktuell in einem Priesterseminar ausgebildet wird, hat davon auszugehen, dass er sich mit der zölibatären Lebensform ernsthaft auseinandersetzen muss, was die meisten, die hier antreten, auch wollen“, sagt Regens Menke-Peitzmeyer. Das sei schon beim Aufnahmegespräch und im Bewerbungsverfahren Thema und aller Voraussicht nach auch für die nächste Zeit eine klare Zielvorgabe.

Respekt für Lebenswahl

Darum ist es ein ernster Wunsch des Leiters der Priesterausbildung für das Erzbistum Paderborn, „dass unsere Priesteramtskandidaten von außen zumindest Respekt für ihre Lebenswahl signalisiert bekommen, insbesondere von denjenigen in unserer Kirche, die hauptberuflich und ehrenamtlich mit ihnen unterwegs sind. Das muss nicht euphorisch geschehen, aber doch mit einem Mindestmaß an Wohlwollen gegenüber denjenigen, die sich in turbulenten Zeiten wie den unsrigen für diesen Weg entscheiden.“ Und für die Priesteramtskandidaten um eine gute Entscheidung zu beten – auch das dürfe in den Gemeinden durchaus stärker zum Tragen kommen. So jedenfalls geschehe es im Rahmen der Pfingstnovene in diesen Tagen im Priesterseminar und anderen kirchlichen Gemeinschaften – auch wenn in diesem Jahr aufgrund der Corona-Krise die Priesterweihe von zwei Diakonen erst am 3. Oktober stattfinde.

Priesterweihe auf den 3. Oktober verschoben

Traditionell werden die Neu-Priester für das Erzbistum Paderborn am Samstag vor Pfingsten geweiht. Durch die Corona-Krise wurde die Priesterweihe in diesem Jahr vom 30. Mai auf den Tag der Deutschen Einheit, Samstag, 3. Oktober 2020, verschoben: Der Paderborner Erzbischof Hans-Josef Becker wird dann zwei Priesteramtskandidaten das Weihesakrament spenden.

Weitere Einträge

© Heike Probst ThF-Paderborn

Pressemeldung Ehrendoktorwürde für Caritas-Präsidentin Eva Maria Welskop-Deffaa

Brückenbauerin zwischen Glauben, Wissenschaft und Wohlfahrt
© Katholikentag

Pressemeldung „Ich bin da“

Leitwort für den 105. Deutschen Katholikentag 2028 in Paderborn beschlossen
© Foto: Michael Bodin / Erzbistum Paderborn

Pressemeldung socioMovens erhält Jugendpreis des Westfälischen Friedens

Sozialinstitut Kommende Dortmund als Zentrum / Erzbischof Dr. Udo Markus Bentz würdigt Einsatz der internationalen Jugendlichen für einen gerechten Frieden in Europa
Kontakt
| |
generalvikariat@erzbistum-paderborn.de
+49 (0)5251 125-0