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Abschied nehmen mit Abstand

Trauernde brauchen menschliche Nähe. Doch das ist schwer in Zeiten der Corona-Pandemie.

Trauernde brauchen menschliche Nähe. Doch das ist schwer in Zeiten der Corona-Pandemie.

Wer in Trauer ist, braucht vor allem eins: menschliche Nähe. Von geliebten Menschen umarmt werden, die Hand gereicht bekommen, zusammen am Tisch sitzen und weinen oder über das Leben des oder der Verstorbenen reden – all das, was einem trauernden Menschen normalerweise Trost und Beistand geben kann, ist in Zeiten der Corona-Pandemie oftmals nicht umzusetzen. Denn auch in der Trauer heißt es: Abstand halten. Kontakt ist nur mit dem engsten Familienkreis erlaubt.

Die ohnehin schwierige Situation, wenn ein nahe stehender Mensch verstirbt, wird dadurch nicht gerade leichter. Im Gegenteil. Trauer und Abschiednehmen seien so oder so schwer, erklärt Dechant Georg Schröder, leitender Pfarrer des Pastoralverbundes Schmallenberg-Eslohe. „Für einige Leute ist es aber natürlich zusätzlich traurig, wenn viele Menschen, die sie gerne zur Beerdigung oder zum anschließenden gemeinsamen Kaffeetrinken eingeladen hätten, nicht kommen dürfen. Diese sichtbare Unterstützung in der Trauer fehlt sehr.“ Denn solange das Versammlungsverbot gilt, dürften Beerdigungen nur im Beisein des kleinsten Familienkreises stattfinden, bis zu 20 Personen sind erlaubt. Und auch die sollen Abstand zueinander halten.

Beerdigungen nur im kleinsten Kreis

Die meisten Angehörigen, so der Schmallenberger Pfarrer, sind sich schon vorab bewusst, dass eine Beerdigung derzeit nur im kleinsten Kreis möglich ist. Dass aber Freunde und Bekannte nicht teilnehmen können, bereite dann sogar noch mehr Trauer bei den Hinterbliebenen. Es könne aber auch genau andersrum sein. „Manche wollen es gar nicht so groß haben bei einer Beerdigung. Denen kommt das Versammlungsverbot eventuell sogar entgegen. Das ist immer ganz unterschiedlich.“

Drei Beerdigungen während der verhängten Kontaktsperre wegen des neuartigen Coronavirus hat Dechant Schröder schon abgehalten, eine vierte kommt in dieser Woche dazu. Auch er habe sich vor der ersten Beerdigung angesichts der Auflagen erst einmal Gedanken machen müssen und Rücksprache mit dem Bestatter gehalten. Der Wortgottesdienst in der Kirche und die Feier des Requiems sind ebenso wie der Gang in die Trauerhalle nicht möglich. „Wir halten uns im Freien auf. Auf dem Friedhof haben wir uns eine Stelle ausgesucht, wo wir uns versammeln“, erklärt Dechant Schröder. Dort sei auch der Sarg aufgebahrt oder stehe die Urne. Nach einem verkürzten Wortgottesdienst und Gebeten gehe man dann gemeinsam zum Grab. „Ohne Orgel, ohne Messdiener. Nur die Küsterin ist ansonsten noch dabei.“

“Es ist derselbe Ritus”

Ein solcher Anblick mag von außen ungewohnt erscheinen, ansonsten sieht Georg Schröder aber keinen großen Unterschied zu einer „normalen“ Beerdigung: „Es ist derselbe Ritus, auf die Person hin angepasst. Die Worte, die ich spreche, sind auch die gleichen.“ Dass die Beerdigung derzeit aber gänzlich ohne menschliche Nähe und körperliche Kontakte stattfinden muss, mache schon etwas aus. „Normalerweise gehe ich ja auch, nachdem ich die Gebete gesprochen habe, zu den Angehörigen und gebe ihnen die Hand. Das geht jetzt nicht. Da fehlt einfach etwas.“ Das gelte auch für das Totengebet, das normalerweise am Vorabend stattfindet. Es gelte, die Situation zu akzeptieren und das Beste daraus zu machen, so schwer es auch sein mag.

Aber wie schwer fällt es, unter diesen Umständen richtig Abschied zu nehmen? Trotz der ungewohnten Situation waren die bisherigen Beerdigungen sehr würdig und persönlich, schildert Dechant Georg Schröder seine Erfahrungen. „Es sind keine Notbeerdigungen.“ Auch wenn es angenehmer wäre, den Gottesdienst in der Kirche oder Trauerkapelle abzuhalten.

Gemeinsames Seelenamt nach Aufhebung der Kontaktsperre

Wenn die Kontaktsperren aufgehoben werden und öffentliche Gottesdienste wieder möglich sind, will Dechant Georg Schröder in Schmallenberg den Verstorbenen nochmal feierlich gedenken. Seelenämter einzeln nachzuholen, das schaffe man zwar nicht. Aber mit Zustimmung der Familien könne er einen Gottesdienst für alle Verstorbenen zusammen nachholen. Ein solches gemeinsames Seelenamt würde mit Sicherheit dabei helfen, die Trauer der Angehörigen überwinden zu können.

Wer nun nicht an einer Beerdigung teilnehmen und so trauern kann, kann sich andere Wege suchen: Die betroffenen Familie am besten anrufen oder ihr einen Brief schreiben. „So zeige ich: Ich denke an euch“, sagt Dechant Schröder. Den Angehörigen das Gefühl zu geben, nicht allein in der Trauer zu sein, kann viel Halt geben. Man könne auch signalisieren, an einem anderen Tag ans Grab gehen und für den Verstorbenen beten zu wollen oder in der Kirche eine Kerze anzuzünden. „Das ist ein Ausgleich, kann aber natürlich nicht ersetzen, was jetzt nicht möglich ist.“

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