Die Unsicherheit im Umgang mit Trauer und Tod kennt Michaela Welling gut. Seit 28 Jahren ist sie als Seelsorgerin tätig und bildet in dieser Rolle auch ehrenamtliche Laien im Begräbnisdienst für das Erzbistum mit aus. Sie selbst gehört zum Team der ehrenamtlichen Begräbnisdienstleitenden im Pastoralen Raum am Ölbach und engagiert sich neben ihrer Leitungsfunktion im Pauluskolleg Paderborn auf dem Leocampus und als Ausbildungsleitung für angehende Gemeinde- und PastoralreferentInnen, auch in der Notfallseelsorge der Freiwilligen Feuerwehr Hövelhof. „Das Schwierige beim Kondolieren ist, dass es keine festen Regeln gibt, weil kein Trauernder ist wie der andere. Manche stürzen in tiefe Verzweiflung, andere stehen nach einer kurzen Trauerphase schnell wieder auf. Die Situation nicht einschätzen zu können, bringt ein Gefühl der Hilfslosigkeit mit.“
Kleine Abschiede, wenn etwas nicht mehr funktioniert
Und noch etwas kommt in der Verunsicherung zum Vorschein: das eigene Unbehagen gegenüber dem Tod. „Mit der Trauer der Hinterbliebenen wird uns die Unverrückbarkeit des Todes bewusst“, so Welling. Eine Wahrheit, die viele erschreckt. „Gesellschaftlich fehlt uns das Bewusstsein und die Akzeptanz, dass Dinge auch zu Ende gehen.“ Das beginne bei kleinen Abschieden – wenn eine Lebensphase endet oder manches krankheits- oder altersbedingt einfach nicht mehr funktioniert. Und es ende beim Tod, den wir aus unserer Gesellschaft quasi outgesourct haben. Sterben finde im Alltag – anders als noch Jahrhunderte zuvor, als Menschen zuhause starben und ihre Körper dort zum Abschied einige Tage aufgebahrt blieben – nicht statt.
In einer Leistungsgesellschaft, die auf Jugend, Langlebigkeit und ewigen Fortschritt drängt, genießen Abschied und Endlichkeit keinen guten Ruf. Kinder haben allerdings oft noch einen unverstellten und natürlichen Umgang mit dem Tod.