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Beerdigungszeremonie: Großmutter umarmt im Vordergrund Kind. © PeopleBilder / Shutterstock
Eine Großmutter tröstet ihr Kind auf dem Friedhof.
© PeopleBilder / Shutterstock

„Abschied muss man üben“

Warum uns Kondolieren so schwer fällt und wie wir Beileid angemessen ausdrücken können - Erfahrungen einer Seelsorgerin.

Richtiges Kondolieren gibt es nicht

Die Unsicherheit im Umgang mit Trauer und Tod kennt Michaela Welling gut. Seit 28 Jahren ist sie als Seelsorgerin tätig und bildet in dieser Rolle auch ehrenamtliche Laien im Begräbnisdienst für das Erzbistum mit aus. Sie selbst gehört zum Team der ehrenamtlichen Begräbnisdienstleitenden im Pastoralen Raum am Ölbach und engagiert sich neben ihrer Leitungsfunktion im Pauluskolleg Paderborn auf dem Leocampus und als Ausbildungsleitung für angehende Gemeinde- und PastoralreferentInnen, auch in der Notfallseelsorge der Freiwilligen Feuerwehr Hövelhof. „Das Schwierige beim Kondolieren ist, dass es keine festen Regeln gibt, weil kein Trauernder ist wie der andere. Manche stürzen in tiefe Verzweiflung, andere stehen nach einer kurzen Trauerphase schnell wieder auf. Die Situation nicht einschätzen zu können, bringt ein Gefühl der Hilfslosigkeit mit.“

Kleine Abschiede, wenn etwas nicht mehr funktioniert

Und noch etwas kommt in der Verunsicherung zum Vorschein: das eigene Unbehagen gegenüber dem Tod. „Mit der Trauer der Hinterbliebenen wird uns die Unverrückbarkeit des Todes bewusst“, so Welling. Eine Wahrheit, die viele erschreckt. „Gesellschaftlich fehlt uns das Bewusstsein und die Akzeptanz, dass Dinge auch zu Ende gehen.“ Das beginne bei kleinen Abschieden – wenn eine Lebensphase endet oder manches krankheits- oder altersbedingt einfach nicht mehr funktioniert. Und es ende beim Tod, den wir aus unserer Gesellschaft quasi outgesourct haben. Sterben finde im Alltag – anders als noch Jahrhunderte zuvor, als Menschen zuhause starben und ihre Körper dort zum Abschied einige Tage aufgebahrt blieben – nicht statt.

In einer Leistungsgesellschaft, die auf Jugend, Langlebigkeit und ewigen Fortschritt drängt, genießen Abschied und Endlichkeit keinen guten Ruf. Kinder haben allerdings oft noch einen unverstellten und natürlichen Umgang mit dem Tod.

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Wenn ein Mensch stirbt, fehlen oft die Worte. Es gibt kaum etwas, das so natürlich und zugleich so wenig selbstverständlich ist, wie der Tod. Viele fragen sich da: Wie gehe ich angemessen mit Trauernden um, die gerade einen lieben Menschen verloren haben?

Hinter der Sprachlosigkeit steckt oft Angst, etwas Falsches zu sagen, und eine gute Absicht: Wir wollen trösten, aber niemanden verletzen. Doch wie gelingt dies? Es gibt kein richtig und falsch. Viele Hinweise und Erfahrungswerte finden Sie auf unserer Themenseite „Trost“.

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Stichwort „Themenseite Trost“

© Shutterstock / donatas1205
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Es braucht gutes Gespür für die Trauernden

Menschen mit ihrer Trauer nicht allein zu lassen, ist ein Werk der Barmherzigkeit. Kondolieren bedeutet, den Schmerz eines anderen Menschen nicht unbeachtet stehen zu lassen. Dabei zählen nicht die perfekten Worte, sondern viel Empathie und ehrliche Anteilname: „Manche spüren im persönlichen Kontakt sehr gut, was der Trauernde gerade braucht und wie nah man ihm kommen darf“, weiß Welling aus Erfahrung. Der Handschlag, die Umarmung, die stille Anwesenheit oder ein einfaches „Beileid“ – richtig oder falsch gibt es hier nicht. Sich und anderen einzugestehen, dass die Worte fehlen, kann ein ehrlicher Umgang mit der eigenen Sprachlosigkeit sein.

Von distanzierter Anteilnahme bis hin zu persönlichem Besuch

Auch bei der Formulierung von Kondolenzkarten gibt es in der Praxis eine ganze Bandbreite – von distanzierter Anteilnahme aus Verpflichtung, als dezentes Zeichen, dass man die schwierige Situation des anderen wahrnimmt, bis hin zu tief berührenden und sehr persönlichen Texten. Angemessen sei, was den Trauernden helfen könnte. Wenig hilfreich sind dagegen meist gute Ratschläge, die sich aus der eigenen Geschichte speisen, oder der Versuch, der Situation den Schrecken zu nehmen und so die Trauer zu relativieren: „Kondolieren ist kein Genesungswunsch“, gibt die Seelsorgerin zu bedenken. „Es wird nicht einfach besser und erst recht nicht wie zuvor.“ Statt wohl gemeinter Worte sei es darum manchmal angebrachter, einfach zuzuhören und die Trauer des anderen mit auszuhalten. Vielen bedeute es auch etwas, eine Kleinigkeit geschenkt zu bekommen. Als Nachbar kann ich mich zum Beispiel kümmern, indem ich etwas zu essen vorbeibringe oder eine Kerze oder Blumen vor die Tür stelle.

Angebote im Nachgang der Trauerfeier für Angehörige sehr wichtig

„Was vielen Trauernden schwerfällt: Die meisten kondolieren im Akutfall und gehen dann wieder zum Alltag über. Trauer aber braucht Zeit und für Angehörige geht das Leben nach dem Tod eines geliebten Menschen nicht einfach weiter“, so Welling. Wichtig seien also auch Angebote im Nachgang der Trauerfeier, Wochen, manchmal Monate später. Nachzufragen etwa, wie es dem anderen geht, ob er über seine Trauer reden will. In diesen Gesprächen könne der Glaube uns Bilder schenken, um das, was wir nicht aussprechen können, zu fühlen. „Der Glaube an die Auferstehung ist grundlegend für die christliche Spiritualität“, sagt die studierte Religionspädagogin. „Und so drückt sich mein Glaube auch aus, wenn ich kondoliere, in meinem Verhalten und den Worten, die ich nutze – in aller Freiheit für mein Gegenüber.“

Den eigenen Glauben zu stärken und eine persönliche Haltung einzuüben, die den Tod entgegen gesellschaftlichen Trends nicht aus dem Leben verbannt, kann darum eine wichtige Grundlage für aufrichtiges Beileid sein. „Wir sollten schon im Alltag kleine Abschiede einüben, uns Übergänge bewusst machen, Trauer zulassen“, empfiehlt Welling, der der Begräbnisdienst eine tiefe Dankbarkeit für das Leben geschenkt hat. Und zitiert hier den Rockmusiker und Liedermacher Heinz Rudolf Kunze, der singt: „Abschied muss man üben, sonst fällt er viel zu schwer.“

Ein Beitrag von:
Dr. Carina Middel, freie Autorin, schreibt Texte für Print und Online im Erzbistum Paderborn. © Carina Middel/Erzbistum Paderborn
Freie Autorin Dr. Carina Middel
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Dr. Carina Middel

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