Am 14.07.2021 überfluteten die Flüsse Ennepe, Lenne und Volme ganze Stadtteile Hagens. Über 9.000 Privathaushalte, Betriebsgelände, Straßen, Brücken und knapp 100 städtische Gebäude wurden beschädigt oder sogar zerstört. Der Caritasverband Hagen leistete Akuthilfe – und blieb dem Thema verbunden. Fünf Jahre nach der Flut, im Juni 2026, informierte sich Dr. Oliver Müller, Vorstand für Internationales, Migration und Katastrophenhilfe des Deutschen Caritasverbandes, über die Projekte, die nun auf die Stärkung gesellschaftlicher Resilienz setzen. Im stadtbekannten Hochwasserhilfe-Bulli ging es durch die Stadt, in der noch immer Schäden der Katastrophe sichtbar sind.
„Wir sind im Sommer 2021 mit dem Bulli in die Stadtteile gefahren, haben dort die ersten Beratungsgespräche geführt“, erinnert sich Miriam Paulat von der Hochwasserhilfe des Caritasverbands Hagen auf dem Weg nach Haspe. „Der ausgeklappte Campingtisch war unser Büro, hier drin haben wir Tränen getrocknet und Förderanträge ausgefüllt.“
Wo sich der Teich des Schulgartens der Grundschule Spielbrink befand, der vor fünf Jahren zerstört wurde, steht Schulleiter Torsten Kleineidam und berichtet aus der Zeit direkt nach der Flut, vom Wiederaufbau und der Bedeutung des Gartens für die Kinder, die hier Naturerfahrungen machen. Neben Oliver Müller sind Torsten Gunnemann, Vorstand des Caritasverbands Hagen, Angela Rzoska und Miriam Paulat von der Caritas-Hochwasserhilfe sowie Nicole Grenz vom Diözesancaritasverband Paderborn vor Ort. Sie besuchen an diesem Tag verschiedene Standorte in der ganzen Stadt, um zu zeigen, wie sich die Projekte in Hagen von der akuten Katastrophenhilfe hin zur Resilienzstärkung und Sozialraumarbeit weiterentwickelt haben. An der Grundschule Spielbrink gibt es neben dem Schulgarten auch ein Kunstprojekt. „Hier haben Kinder aus Familien, die vom Hochwasser betroffen waren, sich ausdrücken können. Es geht dabei nicht um das Ergebnis, sondern um den Prozess. Malen hat ja häufig eine therapeutische Wirkung“, erklärt Torsten Kleineidam die bunten Bilder, die im „Malraum“ der Schule entstehen. „Gefühle ausdrücken ist ein erster Schritt zur Verarbeitung.“ Es klingelt zur Pause. Die Schülerinnen und Schüler laufen an der Gruppe Erwachsener vorbei, lachen und rufen. „Hier oben bei uns gehen auch Kinder zur Schule, die weiter unten im Tal wohnen. Je weiter in der Tallage die Menschen leben, umso problematischer ist oft der sozioökonomische Status. Diese Familien waren in Hagen deutlich stärker vom Hochwasser betroffen.“