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© Tobias Schulte / Erzbistum Paderborn
Weltjugendtag 2023 in Porto © Tobias Schulte / Erzbistum Paderborn

20 Jahre Weltjugendtag: So wirkt das Erleben des Großevents bis heute nach

Am 18. August 2005 standen hunderttausende junge Menschen an den Ufern des Rheins, um Papst Benedikt XVI. zu begrüßen: Der Papstbesuch war der Höhepunkt des Weltjugendtags. Die Erfahrungen und Begegnungen von damals prägen Menschen im Erzbistum Paderborn bis heute.

Wer den Weltjugendtag vor 20 Jahren im Jahr 2005 in Köln miterlebt hat, ist heute häufig zwischen 35 und 45. Das ist das Alter, in dem sich viele Menschen mit gefestigter Lebenssituation und wachsendem Verantwortungsbewusstsein engagieren: in Gemeinden, Familienkreisen, Verbänden oder Initiativen. Der Weltjugendtag war für viele eine Bestärkung im Glauben – und ein Startpunkt für einen neuen Blick auf eine internationale Kirche. Die Begeisterung, die er ausgelöst hat, wirkt bis heute: Menschen, die damals als Jugendliche mit vielen internationalen Gästen unterwegs waren und die Megaevents erlebt haben, haben gelernt, was es heißt, Glauben als große Gemeinschaftserfahrung zu leben, Verantwortung zu übernehmen und Kirche aktiv mitzugestalten.

Im August 2005 wurde Deutschland zum Zentrum der katholischen Jugend der Welt: Der XX. Weltjugendtag versammelte rund 400.000 Menschen aus 193 Ländern. Viele von ihnen reisten schon zur Woche der Begegnung an, auch ins Erzbistum Paderborn. Höhepunkt war dann die Abschlussmesse mit Papst Benedikt XVI. auf dem Marienfeld bei Köln, an der über eine Million Menschen teilnahmen. Darunter auch Kathrin Spehr und Raphael Steden, deren Leben der Weltjugendtag nachhaltig prägte.

Kathrin Spehr: Inklusion und gelebte Weltkirche

Kathrin Spehr arbeitet als Gemeindereferentin im Pastoralen Raum Elsen-Wewer-Borchen. Spehr engagierte sich 2005 im Rahmen eines Freiwilligen Sozialen Jahres im Weltjugendtagsbüro in Köln. Dort leitete sie das sogenannte Sternstunden-Programm, das sich auf die liturgische Gestaltung für Menschen mit Behinderung konzentrierte. „Mit Hilfe von Bildern, Symbolen, akustischen und visuellen Mitteln schufen wir Räume, in denen Menschen mit Behinderung aktiv am Glauben teilhaben und ihn vertiefen konnten“, sagt sie. Besonders bewegend war für sie der Moment, als die von den Teilnehmenden formulierten Fürbitten in Rollen verpackt auf das Marienfeld gebracht wurden – ein sichtbares Zeichen dafür, dass alle dazugehören.

„Was mich nachhaltig beeindruckt hat, war die Intensität, mit der viele Menschen an diesem Programm teilgenommen haben. Ich habe engagierte, glaubensstarke und kreative Menschen kennengelernt – sowohl im Team als auch unter den Teilnehmenden. Die gemeinsame Arbeit war geprägt von großer Ernsthaftigkeit und Freude am Glauben“, sagt Spehr.

Während ihres FSJs wohnte Spehr im Kinderdorf Bethanien in Refrath, gemeinsam mit anderen jungen Menschen aus verschiedenen Ländern. „Dort habe ich Weltkirche ganz konkret erfahren: gelebte Gemeinschaft über Sprach- und Kulturgrenzen hinweg“, erinnert sie sich. Der WJT hat sie nachhaltig geprägt und beeinflusst bis heute ihre Arbeit in der Pastoral.

Raphael Steden: Vom Teilnehmer zum Priester

Raphael Steden, heute Priester in der katholischen Kirchengemeinde St. Johannes Baptist Neheim und Voßwinkel, war 2005 als 17-jähriger Schüler Teilnehmer des WJT. Eindrucksvoll war für ihn die Woche der Begegnung, in der eine Gruppe von 40 Brasilianerinnen und Brasilianern seine Heimatgemeinde besuchte. „Die fingen schonmal auf einem Parkplatz einfach an, christliche Lieder zu singen“, sagt er. Das irritierte ihn zunächst, doch dann habe er sich von der Musik mitreißen lassen. „Bis heute spielt Musik in meinem spirituellen Leben eine große Rolle. Wenn ich das Lied ‚Jesus Christ, you are my life‘ höre, bekomme ich sofort wieder ein Weltjugendtagsfeeling.“

Der Weltjugendtag kam für ihn zur rechten Zeit: „Ich habe intensiv erlebt, was Kirche alles sein kann, wie vielfältig. Das hat bei mir einen Prozess angestoßen.“ Als er mit einer Gruppe die brasilianischen Gäste ein Jahr später in ihrer Heimat besucht, wird daraus eine Frage: Ist der Dienst in der Kirche etwas für mich? Später findet Steden darauf seine Antwort: „Ja, ich möchte Priester werden.“

Viele Gemeinden im Erzbistum haben es mit dem WJT in Deutschland eindrücklich erlebt: Kirche ist lebendig und international. Der WJT hat diese Dynamik spürbar gemacht – die Begegnungen mit jungen Menschen aus aller Welt haben Neues angestoßen. Und das wirkt weiter: Bis heute bringen Weltjugendtagspilgerinnen und -pilger aus dem Erzbistum, die an den internationalen Treffen teilnehmen, neue Inspirationen, Glaubensfreude und Ideen in ihre Gemeinden zurück. Der nächste Weltjugendtag wird 2027 in Seoul, Südkorea, stattfinden. Es wird das zweite Mal sein, dass ein Weltjugendtag in Asien ausgerichtet wird. Das Motto lautet: „Habt Mut! Ich habe die Welt überwunden“ (Joh 16,33). Die Vorbereitungen laufen bereits, und die katholische Kirche in Südkorea freut sich darauf, Gastgeberin für junge Menschen aus aller Welt zu sein.

„Die Erfahrung von Weltkirche hat mich geprägt“

Msgr. Georg Austen, Generalsekretär des Bonifatiuswerkes der deutschen Katholiken, war von 2002 bis 2006 als Sekretär des XX. Weltjugendtages in der Leitung des katholischen Großevents.

Redaktion

Msgr. Austen, was ist Ihre schönste Erinnerung an den Weltjugendtag?

Msgr. Georg Austen

Eine der schönsten Erinnerungen habe ich an das Weltjugendtagskreuz. Das war als Zeichen der Versöhnung an den unterschiedlichsten Orten in Deutschland: auf der Zugspitze, in einem Einkaufszentrum, auf Pilgerwegen. Ich habe es mit den jungen Menschen getragen, zum Beispiel auf das Marienfeld. Das Kreuz wurde immer von Mensch zu Mensch weitergegeben, es hat an den verschiedenen Orten viel bewegt. Es hat Menschen aller Generationen im Gebet und der Hoffnung verbunden.

Redaktion

Wie hat der Weltjugendtag die damals jungen Menschen geprägt?

Msgr. Austen

Der Weltjugendtag in Deutschland war ein Fest des Glaubens. Gastfreundschaft, fromm sein zu dürfen, friedlich und fröhlich Weltkirche zu erleben – das hat auch außerhalb der Kirche ausgestrahlt und viele Menschen miteinander verbunden. Noch heute begegnen mir weltweit immer wieder Menschen, die von diesen positiven Erfahrungen erzählen: Junge Leute haben internationale Freundschaften geknüpft, zum Glauben gefunden, zusammen diskutiert, gebetet und gefeiert. Einige haben sich für einen Beruf in der Kirche entschieden.

 

Redaktion

Wie wirkt der Weltjugendtag in Ihrem Leben und Arbeiten nach?

Msgr. Austen

Die Erfahrung von Weltkirche hat mich geprägt. Das Netzwerk der Kirche ist stärker als wir denken, wenn wir miteinander und nicht nebeneinander wirken. Deshalb möchte ich auch heute jungen Menschen ermöglichen, die Inhalte des christlichen Glaubens kennenzulernen. Und dass sie die Begeisterung großer Glaubensfeste in ihrem Alltag weiterführen und auch dort lebendige Glaubensgemeinschaft erfahren können.

Die neue Ausgabe der wirzeit ist da!

Dieser Artikel stammt aus der wirzeit, der Zeitung für Engagierte im Erzbistum Paderborn. Die aktuelle Ausgabe informiert über den Bistumsprozess, lässt Menschen zu Wort kommen, die sich in Gremien engagieren, blickt auf mehrere Mitmachaktionen zurück und ruft zum Zusammenhalt auf.

Mehr Informationen und die digitale Ausgabe der wirzeit finden Sie hier:

Ein Beitrag von:
Redakteur

Cornelius Stiegemann

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