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© Jasmin Lobert / Erzbistum Paderborn
© Jasmin Lobert / Erzbistum Paderborn

„Mit Gott den Anfang, mit Gott das Ende! Alles mit Gott! Alles für Gott!“

Seit 100 Jahren ist das Kloster Maria Himmelfahrt ein Ort des Gebets. Einst lebten hier Schwestern des Klarissenordens, heute führt die Gemeinschaft der Seligpreisungen ihre Tradition weiter – und schenkt den alten Mauern neues Leben.

Pater Franz, Leiter der Gemeinschaft der Seligpreisungen in Paderborn, beschreibt den Einzug ins Kloster Maria Himmelfahrt im Riemekeviertel „wie den Eintritt ins gelobte Land“. Sieben Jahre hatte die Gemeinschaft, die zuvor in einem Haus in Bad Driburg lebte, auf diesen Moment gewartet. Schließlich wurde das ehemalige Klarissenkloster für ihre Bedürfnisse und Vorstellungen umgebaut und zu einem neuen Zuhause für die Gemeinschaft.

Entstanden sind unter anderem ein großer Gästebereich, eigene Trakte für die Schwestern und Brüder, ein kleines Café, eine Terrasse und eine Eremitage im Garten. Dort können sich Menschen für eine Zeit zurückziehen und Ruhe finden.

Ein neues Zuhause

Am ersten Mai 2021 zog die Gemeinschaft der Seligpreisungen offiziell in das Kloster ein. Eigentlich zumindest. Denn einige Mitglieder hielt es schon vorher nicht mehr in Bad Driburg. „Wir sind schon zwei Tage früher nur mit unseren Matratzen ins Kloster gekommen, weil wir es nicht mehr abwarten konnten“, verrät Schwester Olga und lacht.

Das Gefühl, am richtigen Ort angekommen zu sein, sei von Anfang an da gewesen. „Wir haben gespürt, dass die Mauern durchbetet sind“, sagt Pater Franz. Für ihn ist es ein Geschenk, dass der Gemeinschaft dieser Ort anvertraut wurde und sie die jahrzehntelange Gebetstradition der Klarissen weiterführen darf. Auch das Patrozinium ist gleich geblieben. „Unsere Gemeinschaft ist marianisch“, sagt Pater Franz. „Daher passte das für uns ganz gut.“

Gemeinschaft der Seligpreisungen

Die Gemeinschaft der Seligpreisungen ist eine internationale katholische Gemeinschaft, die in den 1970er-Jahren in Frankreich entstand. Sie verbindet karmelitisch geprägtes Gebet mit charismatischer Frömmigkeit, etwa Stundengebet, Eucharistie und stille Anbetung. Prägend sind außerdem der Bezug zu den jüdischen Wurzeln des Christentums, orthodoxe Einflüsse sowie das Zusammenleben von geweihten Schwestern und Brüdern, Laien und Familien. Nach öffentlich gewordenen Missbrauchsfällen wurde die Gemeinschaft ab 2007 auf Weisung des Vatikans neu geordnet und ist heute als kirchliche Familie des geweihten Lebens nach diözesanem Recht in Toulouse anerkannt.

100 Jahre Kloster Maria Himmelfahrt

Dass die Gemeinschaft ihren Einzug kaum erwarten konnte, erinnert Pater Franz an die Anfänge des Klosters. Auch die ersten Klarissenschwestern dürften voller Erwartung gewesen sein, als sie im August 1926 nach einer fünfjährigen Planungs- und Bauphase nach Paderborn kamen.

Zum 100-jährigen Bestehen durfte Pater Franz einen Blick in die Chronik des Klosters werfen. Gleich auf der ersten Seite stieß er auf Worte, die sich für ihn wie ein roter Faden durch die Geschichte des Hauses ziehen – von der Gründung bis zur Neubelebung durch die Gemeinschaft der Seligpreisungen: „Mit Gott den Anfang, mit Gott das Ende! Alles mit Gott! Alles für Gott!“

Die Gründung in Paderborn

Dabei sollte das Klarissenkloster ursprünglich gar nicht in Paderborn entstehen. Das Gründungskloster in Münster hatte zunächst eine Niederlassung in Bayern geplant. Als sich diese Pläne zerschlugen, geriet die Nachbardiözese in den Blick. Die damalige Äbtissin hatte ein Gelübde zur Muttergottes abgelegt: Wenn die Schwestern die Wirren und Gefahren des Krieges gut überstehen würden, sollte die nächste Klostergründung unter dem Patrozinium der Himmelfahrt Mariens stehen. Als sie schließlich einen Termin beim damaligen Erzbischof Caspar Klein erhielt, fiel dieser auf den 15. August 1921 – Mariä Himmelfahrt.

Wie sehr das Kloster von Anfang an als geistlicher Ort gedacht war, zeigt ein Zitat aus der Predigt des Erzbischofs zur Einweihung: „Durch die Einweihung wurde dem leblosen Bau eine Seele eingehaucht. Er drückt die Hoffnung aus, dass sich ein Strom der Gnade und des Segens sich über Stadt und Diözese Paderborn ergießen möge und dass von diesem Ort über Generationen hinweg Gottes Lob und Fürbitte für Stadt und Land zum Himmel emporsteigen mögen.“

© Klarissen Paderborn

Ordensgemeinschaft der heiligen Klara von Assisi

Der Klarissenorden, offiziell Orden der heiligen Klara, ist ein kontemplativer Frauenorden innerhalb der franziskanischen Familie. Er entstand 1212 in Assisi und gilt als Zweiter Orden des heiligen Franziskus. Für ihre Gemeinschaft verfasste Klara von Assisi eine eigene Regel, die Papst Innozenz IV. 1253 bestätigte. Sie beschreibt ein Leben nach dem Evangelium in Gehorsam, Keuschheit und Armut. Der Alltag der Schwestern ist von Gebet, Fasten, Arbeit und Stille geprägt.

„Wir sind damals barfuß gelaufen“

Viele Jahrzehnte prägten die Klarissen diesen Ort mit ihrem Leben und Gebet. Wie dieses Leben hinter den Klostermauern aussah, wissen Schwester Agnes-Clara und Schwester Thoma noch genau. Sie gehören zu den fünf verbliebenen Klarissenschwestern, die seit 2014 bei den Franziskanerinnen in Salzkotten leben.

„Wir sind damals barfuß gelaufen. Und es gab keine Heizung oder fließend Wasser. Für ein Bad mussten wir uns das Wasser über einem Feuer erhitzen“, erinnert sich Schwester Agnes-Clara. Damals, vor dem Zweiten Vatikanischen Konzil, galten für die Schwestern besonders strenge Armutsregeln. Sie lebten zurückgezogen in Klausur und verschrieben sich ganz der Stille und dem Gebet.

Stille hinter Klostermauern

„Wir sind ein kontemplativer Orden“, erklärt Schwester Thoma. „Das heißt, Stille und Gebet haben unseren Alltag bestimmt.“ Diese Lebensweise richtet sich besonders auf die Begegnung mit Gott aus: im Gebet, im Nachdenken über den Glauben und in der Stille. Etwa sechs Stunden am Tag beteten die Schwestern, hinzu kamen Studienzeiten. „Von der Komplet bis zu Terz herrschte vollkommenes Schweigen“, erzählt Schwester Thoma – also vom Nachtgebet bis zum Gebet am Vormittag. Auch darüber hinaus wurde häufig nur das Nötigste gesprochen.

Den geschützten Rahmen für dieses Leben bildete die Klausur, der den Schwestern vorbehaltene Bereich des Klosters. Wie streng die Trennung zur Außenwelt vor dem zweiten vatikanischen Konzil gestaltet war, zeigen die Erinnerungen von Schwester Agnes-Clara: „Uns durfte keiner sehen.“ Hohe Mauern und ein zusätzlicher Zaun umgaben das Kloster. Zwischen der Klosterkapelle und dem Chorraum der Schwestern befand sich ein Gitter mit einem Vorhang. Kontakte nach außen waren stark begrenzt. Auch die Wohnbedingungen waren einfach: Wegen der fehlenden Heizung trugen die Schwestern Habite aus besonders dickem Stoff, „beinahe wie eine Decke“, erzählt Schwester Agnes-Clara.

Der Alltag im Kloster

Neben dem Gebet bestimmten viele praktische Aufgaben den Alltag. Die Schwestern kochten, putzten, pflegten den Garten, versorgten alte und kranke Mitschwestern oder fertigten Paramente an. Doch mit den Jahren wurden die Schwestern älter und die Pflege der Kranken nahm immer mehr Zeit in Anspruch. Irgendwann mussten sich die Klarissen eingestehen, dass es so nicht weitergehen konnte.

„Als die Entscheidung fiel, dass wir zu den Franziskanerinnen in Salzkotten ziehen dürfen und das Kloster in die Hände einer geistlichen Gemeinschaft gegeben wird, war das eine Erleichterung für uns“, sagt Schwester Thoma. Zwar schmerzte der Abschied von Paderborn, doch die Erleichterung überwog – zumal Salzkotten nicht weit entfernt liegt.

Abschied der Klarissen aus Paderborn

Nachdem die Klarissen das Kloster 2014 verlassen hatten, zogen vorübergehend Geflüchtete in die Räume ein. Anschließend übernahm das Erzbistum Paderborn die Kernsanierung und Neugestaltung. Seit 2021 ist das Kloster der Gemeinschaft der Seligpreisungen anvertraut, die den Ort als Geistliches Zentrum mit neuem Leben füllt.

Ganz neu war die Gemeinschaft im Riemekeviertel allerdings nicht. „Wir haben schon lange vor unserem offiziellen Einzug dienstags abends gemeinsam Heilige Messe gefeiert“, berichtet Pater Franz. Einige Gläubige hatten sich nach dem Auszug der Klarissen gewünscht, dass die Tradition der regelmäßigen Gottesdienste bestehen bleibt. Pfarrer Thomas Stolz, damals Leiter des Pastoralverbundes Nord-Ost-West, griff diesen Wunsch auf und lud auch die Gemeinschaft der Seligpreisungen ein. So entstanden bereits vor dem Einzug erste Kontakte zur Nachbarschaft. „Wir kamen hier nicht als Fremde hier hin“, so Pater Franz.

Sie wollen Glaubenserfahrungen ermöglichen

Heute kommen regelmäßig Jugendgruppen und andere Gäste ins Kloster, darunter Refocus und die Jüngerschaftsschule „Follow me“. Sie verbringen Zeit vor Ort, beten, tagen und erleben Glauben und Gemeinschaft.

Genau darin sieht Pater Franz eine der zentralen Aufgaben des Hauses. „Unser Ziel ist es, dass möglichst viele Menschen bei uns eine persönliche Gotteserfahrung machen können.“ Ihr Selbstverständnis beschreibt er mit einem biblischen Bild: „Wir wollen am Weinberg Gottes mitarbeiten.“

Andere dürfen hier anders sein und sind trotzdem willkommen.

Schwester Olga

Ein Ort, um persönliche Glaubenserfahrungen zu machen

Das Kloster soll ein Ort des Gebets sein, aber zugleich ein Ort, an dem Menschen einander begegnen können. „Andere dürfen hier anders sein und sind trotzdem willkommen“, ergänzt Schwester Olga. Menschen zwischen null und 95 kommen zu den Gottesdiensten, ebenso orthodoxe und orientalische Christen.

Dass dieses neue Leben im Kloster auch bei seinen früheren Bewohnerinnen ankommt, zeigte sich schon kurz nach dem Einzug. Die fünf Klarissenschwestern kamen zu Besuch und wollten vom Dachboden bis zum Keller sehen, was aus den vertrauten Räumen geworden war.

Ein Kloster von neuem Leben erfüllt

Zum 100. Geburtstag des Klosters kehrt Schwester Agnes-Clara erneut zurück. Die Brüder und Schwestern der Gemeinschaft der Seligpreisungen schließen sie zur Begrüßung in die Arme. Nach der Vesper führt Pater Franz sie durch den Garten. Sie fachsimpeln über die Blumen – an einem Ort, der sich verändert hat und doch seinem ursprünglichen Auftrag verbunden geblieben ist.

Mit funkelnden Augen sagt Schwester Agnes-Clara: „Wir sind dankbar, dass ihr unser Kloster weiter mit Leben füllt. Wir wünschen euch für die Zukunft ein segensreiches Wirken.“

Ein Beitrag von:
Team Redaktion

Jasmin Lobert

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