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1
Oktober
2021
1.Oktober.2021

Der Wappenmaler

Egon Hüls hat das Bischofswappen von Weihbischof Josef Holtkotte gezeichnet

Metalle, die nicht aufeinanderstoßen dürfen und Quasten, die wohlgezählt sein wollen – kirchliche Wappen haben ihre eigenen Regeln. Einer, der sie in und auswendig kennt, ist Egon Hüls. Ein Gespräch über Vorgaben, Freiheiten und das schönste Wappen, das er je gemalt hat.

Redaktion

Herr Hüls, wie wird man Wappenmaler?

Hüls

Nachdem ich 1963 von Bremen nach Paderborn gekommen war, um bei der Bonifatiusdruckerei in der Tiefdrucksetzerei zu arbeiten, habe ich angefangen, mich mit Kalligrafie zu beschäftigen. Darüber bin ich an die Goldenen Bücher gekommen. Die Seiten dieser Bücher, in die sich Ehrengäste während eines Besuchs eintragen, werden von Kalligrafen gestaltet. 1996 fing das mit einem Eintrag in das Goldene Buch der Stadt Paderborn an, dann habe ich auch die Einträge in die Goldenen Bücher des Kreises und des Erzbistums geschrieben sowie die Urkunden für die Verleihung der St.-Liborius-Medaille für Einheit und Frieden. Das ist wohl den richtigen Leuten aufgefallen und man hat mich gefragt, ob ich auch Wappen zeichnen könne.

Redaktion

Was war das erste Wappen, das Sie gezeichnet haben?

Hüls

Das waren die Bischofswappen von Weihbischof Matthias König und Weihbischof Manfred Grothe. Die ersten Wappen waren Neuland für mich. Ich musste mich da erst schlaumachen, was so zu einem kirchlichen Wappen dazugehört.

 

Dass ich das Wappen für Josef Holtkotte, den ich als Kolpingbruder sehr schätze, malen durfte, war eine große Ehre.

Wappenmaler Egon Hüls

Redaktion

Was gehört denn so dazu? Wie ist ein kirchliches Wappen aufgebaut?

Hüls

Das Wappen besteht aus dem eigentlichen Wappenschild und den sogenannten heraldischen Nebenstücken. Bei Adligen bekrönte ein Helm den Schild. Davon haben sich kirchliche Würdenträger getrennt, weil das zu militärisch wirkte. Stattdessen setzte man den breitkrempigen Pilgerhut mit seinen Kordeln und Quasten darüber. Dazu kommt ein Vortragekreuz und unter dem Wappen steht der Wahlspruch.

Redaktion

Wozu dienen die Quasten?

Hüls

Die Farbe des Hutes und die Anzahl der Quasten zeigen den Rang eines kirchlichen Würdenträgers an: Ein Kardinal hat 30 Quasten in Rot, beim Erzbischof sind die 20 Quasten grün und ein Bischofswappen wird von zwölf grünen Quasten umrahmt. Außerdem tragen Bischöfe ein einfaches Vortragekreuz hinter dem Wappen, Erzbischöfe ein doppeltes.

Kirchliche Heraldik

Im kirchlichen Bereich führten zunächst nur adlige Würdenträger ein Wappen, meist ihr Familienwappen, um ihre Zugehörigkeit zu dem jeweiligen Adelsgeschlecht deutlich zu machen.

Im 13. Jahrhundert begannen Stadträte, Gildenmeister und Kirchenmänner – egal ob adlig oder nicht –, eigene Wappen zu entwerfen. Weil diese nicht vererbbar und an die Funktion einer Person geknüpft waren, spricht man von Amtswappen. Im Laufe der Jahrhunderte entwickelte sich für kirchliche Amtsträger ein eigener heraldischer Stil heraus, der Aspekte des Amtes mit persönlichen Elementen verband.

Seit dem Zweiten Vatikanischen Konzil wird allgemein eine schlichtere Gestaltung mit hohem Wiedererkennungswert bevorzugt. Heutige Bischöfe, Äbtissinnen oder Kardinäle nutzen ihr Wappen nicht nur als Zeichen ihres Amtes, sondern drücken damit oftmals ihr Verständnis des christlichen Glaubens oder eigene Leitgedanken für ihren Dienst aus.

Redaktion

Kommen wir zum Wappenschild – was gibt es dabei zu beachten?

Hüls

In der Heraldik gibt es – wie bei Schildern im Straßenverkehr – sechs Farben. Man unterscheidet hier aber zwischen den beiden Metallen Gold (Gelb) und Silber (Weiß) und den Farben Rot, Blau, Grün und Schwarz, manchmal kommen noch Braun und Purpur hinzu. Dazu gibt es die Regel, dass in einem Wappen nicht Metall auf Metall oder Farbe auf Farbe stoßen dürfen. Das ist manchmal gar nicht so einfach, was die Gestaltung angeht. In Ausnahmefällen darf man das aber großzügiger auslegen.

Redaktion

Was ist typischerweise Inhalt eines Wappens?

Hüls

Einige Bischöfe nehmen persönliche Dinge in ihr Wappen auf, also den Geburtsort, den Namenspatron oder eine Wirkungsstätte. Weihbischof Matthias König führt den schwarzen Adler auf goldenem Grund seiner Geburtsstadt Dortmund im Wappen. Bischof Karl-Heinz Wiesemann von Speyer ist Musikliebhaber und wählte deshalb die Harfe für sein Wappen aus. Sie steht in der kirchlichen Symbolik für König David und das gesungene Lob Gottes.

Das Wappen von Weihbischof Josef Holtkotte

Das Wappen von Josef Holtkotte ist dreigeteilt. Das erste Feld ziert das Wappen des Erzbistums Paderborn, ein goldenes Kreuz auf rotem Grund. So möchte der in Castrop-Rauxel geborene und in Paderborn zum Priester geweihte Weihbischof seine Verbundenheit mit der Erzdiözese, in der er wirkt, zeigen.

Im zweiten Feld sind drei Personen auf einem Weg abgebildet. Die Szene stellt die biblische Erzählung vom Weg nach Emmaus dar, den der auferstandene Christus mit den beiden Jüngern geht. Für Josef Holtkotte hat dieses Wegmotiv aktuellen Bezug: Jeder Mensch befindet sich auf einem Lebensweg, der zum Glaubensweg wird, wenn man ihn – auch mit Umwegen – mit Christus geht. Die Gläubigen sind als pilgerndes Gottesvolk suchend, hoffend, glaubend unterwegs. Kirche als Weggemeinschaft lebt aus Gottes Gegenwart für uns Menschen.

Das dritte Feld zeigt Jesus Christus, der mit den beiden Jüngern eine Mahlgemeinschaft bildet. Als er das Brot bricht und die Dankesworte spricht, so heißt es im Lukasevangelium, „wurden ihre Augen aufgetan und sie erkannten ihn“ (Lk 24,31). Durch die Begegnung mit ihm werden ihre Augen geöffnet für seine Wirklichkeit, seine Wahrheit und seine Liebe. Aus der Erinnerung wird reale Gegenwart. Christus ist mitten unter ihnen.

Der Wahlspruch „Et aperti sunt oculi eorum“ (dt. „Da wurden ihre Augen aufgetan“) aus dem Lukasevangelium greift den zentralen Moment der Emmauserzählung auf.

Redaktion

Wie ist es beim Wappen von Weihbischof Josef Holtkotte?

Hüls

Als ich die ersten Entwürfe für das Wappen von Josef Holtkotte gesehen habe, dachte ich erstmal: Ob ich das wohl schaffe? Denn sein Wappen enthält keine Symbole, sondern Personen. Statische Dinge wie Kreuze, Räder oder Äxte zu malen ist kein Problem. Aber den Gesichtsausdruck von Christus – wie stellt man den gut dar? Es hat mehrere Bearbeitungsschritte gebraucht, bis alle einverstanden waren. Aber am Ende hat Josef Holtkotte gesagt: Hast du gut gemacht. Das hat mich gefreut.

Redaktion

Wie sah Ihr Arbeitsprozess denn genau aus?

Hüls

Die ersten Gespräche mit Josef Holtkotte waren Anfang Juli. Danach habe ich eine grobe Vorlage bekommen. Darauf guckten die Figuren noch anders und der Weg lief andersherum. Der wurde dann in der zweiten Version noch verlegt, um die Verbindung zur Mahlszene zu schaffen. Auch die Farben waren noch nicht klar. Der Tisch zum Beispiel war erst noch silbern. Dann habe ich zusammen mit Michael Streit vom Erzbistumsarchiv herausgefunden, dass man auch die Farbe Orange für Wappen verwenden darf und das geändert. Nachdem das geklärt war, habe ich eine Reinzeichnung angefertigt. Die Symbole, die auf den Wappenschild kommen, und die heraldischen Nebenstücke, also Vortragekreuz, Hut, Quasten und Kordeln, zeichne ich alle einzeln. Dann lege ich die Elemente in der richtigen Größe fest, positioniere sie und mache davon eine Strichvorlage. Alles rein handwerklich, mit digitalen Hilfsmitteln habe ich nichts am Hut. Den Schriftzug unter dem Schild schreibe ich mit der Feder. Diese Schwarz-Weiß-Vorlage male ich dann mit Aquarell- oder Acrylfarben aus.

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Den Schild haben die kirchlichen Würdenträger von den Adelswappen übernommen. Er wird in verschiedene Felder unterteilt, zweifach, vierfach oder – wie im Fall von Josef Holtkotte – dreifach.
Für mich war es das erste Mal, einen dreigeteilten Wappenschild zu zeichnen. Nach den Gesetzen der Heraldik ist das aber möglich.

Wappenmaler Egon Hüls

 

 

Redaktion

Und die Bonifatiusdruckerei, die die Gebetsbildchen für den Weihbischof druckt, bekommt dann die farbige Version?

Hüls

Wappen können ja nicht immer farbig wiedergegeben werden. Um aber trotzdem vermitteln zu können, dass der Mantel von Christus blau oder das Kreuz des Erzbistums golden ist, haben sich die Heraldiker etwas ganz wunderbares ausgedacht: Schraffierungen. Jede heraldische Farbe hat eine eigene Schraffierung. Rot ist senkrecht schraffiert, Blau waagerecht, Gold ist gepunktet und Orange ist gepunktet und gestrichelt. So kann man auch in Schwarz-Weiß-Fassungen erkennen, welche Farben das Wappen hat. Die Druckerei bekommt also drei Versionen: Schwarz-weiß, schraffiert und farbig.

Redaktion

Wie häufig waren Sie seit 1996 als Kalligraph und Wappenmaler tätig?

Hüls

Bei den Goldenen Büchern bin ich jetzt beim 194. Eintrag und warte noch auf die sechs, die mir bis zur 200 fehlen. Insgesamt habe ich elf Bischofswappen gezeichnet, für Geistliche in Paderborn, Münster, Osnabrück und Speyer. Dass ich auch das Wappen für Josef Holtkotte, den ich als Kolpingbruder sehr schätze, malen durfte, war eine große Ehre. Und für mich ist sein Wappen das Schönste, das ich je gezeichnet habe. Es wird sehr wahrscheinlich auch mein letztes Wappen gewesen sein. Ich bin 84 Jahre alt und hoffe sehr, dass sich jemand findet, der genauso viel Freude an Kalligrafie und Heraldik hat wie ich und das übernimmt. Ich gebe mein Wissen und meine Erfahrungen gerne weiter.

Ein Beitrag von:

Cornelius Stiegemann
Redaktion