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19
März
2021
19.März.2021

Aus den Quellen lernen

Themenspecial Kirche und Lernen: Archive sind ein wichtiger Lernort für die Geschichte des Erzbistums

Quellen am Paderborner Dom – bei diesen Worten dürften die meisten Menschen an die Paderquellen rund um die Bischofskirche denken. Doch es gibt in unmittelbarer Nähe auch noch Quellen ganz anderer Art: historische Dokumente aus über 1000 Jahren. Sie lagern im Erzbistumsarchiv und inspirieren Geschichtswissenschaft, Heimatkunde oder Ahnenforschung.

„Vermutlich denken die meisten Menschen, dass unsere Quellen im Gegensatz zu den Paderquellen staubtrocken sind“, sagt Michael Streit, der das Erzbistumsarchiv derzeit kommissarisch leitet, mit einen Augenzwinkern. „Dabei kann man bei uns zahlreiche Schätze finden, die spannende Einblicke geben. Der materielle Wert ist nicht das entscheidende bei diesen Schätzen – auf den ideellen Wert kommt es an.“

Die Tagebücher Franz Stocks zählen zu den Schätzen des Erzbistumsarchivs. (Foto: Franz-Stock-Komitee für Deutschland e.V., Neheim)
Die Tagebücher Franz Stocks zählen zu den Schätzen des Erzbistumsarchivs. (Foto: Franz-Stock-Komitee für Deutschland e.V., Neheim)

Dokumente mit hohem Erkenntniswert

Ein gutes Beispiel für einen solchen Schatz ist das Tagebuch des Neheimer Priesters Franz Stock (1904 – 1948), dessen Seligsprechungsverfahren gerade im Gange ist: „Darin schreibt er über seine Tätigkeit als Seelsorger für zum Tode verurteilte Gefangene in Gefängnissen der Wehrmacht“, erläutert Streit. „Äußerlich ist das Tagebuch eine unscheinbare Kladde, aber inhaltlich ist sein Wert gar nicht zu ermessen.“

Ein anderes Dokument mit hohem Erkenntniswert ist der Bericht über eine Visitationsreise von Fürstbischof Dietrich Adolf von der Recke (gest. 1661) nach dem Ende des 30jährigen Kriegs. Michael Streit: „Durch den Bericht bekommen wir einen ausgezeichneten Einblick in die Situation, in der sich das Bistum damals befunden hat. Man kann nachlesen, wie groß die Zerstörungen waren und wie die wirtschaftliche Situation der Gemeinden damals war.“

Streit nennt außerdem ein Schreiben von Kapitularvikar Augustinus Baumann. Er leitete das Erzbistum während der Sedisvakanz nach dem Tode Erzbischof Caspar Kleins im Jahr 1941: „In diesem Brief an den Landeshauptmann in Münster protestierte er gegen die Euthanasiemaßnahmen der Nationalsozialisten.“

Großer Nutzen für historische Forschung

Aufgrund solcher Dokumente werde das Erzbistumsarchiv für die historische Forschung gern genutzt, sagt Michael Streit, der seit über 25 Jahren im Archiv arbeitet und schon selbst einiges an Bistumsgeschichte miterlebt hat. „Die vier Bände der Bistumsgeschichte von Karl Hengst und Hans-Jürgen Brandt hätten ohne das Erzbistumsarchiv nicht entstehen können.“

Aktuell bestehe gerade eine große Nachfrage nach dem Nachlass von Erzbischof Lorenz Kardinal Jaeger: „Aufgrund des laufenden Forschungsprojektes, das u. a. die Haltung Erzbischof Jaegers zum Nationalsozialismus untersucht, nehmen die beteiligten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler regelmäßig Einblick. Das ist vor allem dann der Fall, wenn Fachtagungen stattfinden.“ Auch Heimatkundler auf der Suche nach Informationen über ihren Heimatort seien häufig Gast im Archiv.

Ein Beitrag von:

Dr. Claudia Nieser
Redaktion