In den anschließenden Vorträgen und Podiumsgesprächen ging es dann konkret um die Frage, welche Bedeutung eine wechselseitige Anerkennung der Taufe aus der Sicht verschiedener Konfession für die Suche nach sichtbarer Einheit besitzt und wie diese Überlegungen für die weitere Arbeit der Kommission für Glauben und Kirchenverfassung fruchtbar gemacht werden können. Am Anfang stand die Auseinandersetzung mit der Taufanerkennung und offenen Herausforderungen aus orthodoxer Perspektive durch Assad Elias Kattan (Universität Münster) und aus täuferischer Perspektive durch Jochen Wagner (Ökumenische Centrale Frankfurt a.M. / Theologische Hochschule Elstal). Anschließend stellten sich mehrere „Young Commissioners“ der Kommission für Glauben und Kirchenverfassung und Teilnehmende des GETI-Programms (Mawuli Assimadi, Georgios Kakouris, Jackie Makena, Shella Vennya und Paulien Wagener) der Frage, welche Bedeutung die Taufanerkennung für ihre jeweiligen kirchlichen Kontexte hat.
Schließlich wurden die Konsequenzen baptismaler Ekklesiologie für die Ökumene in den Blick genommen. Johanna Rahner (Universität Tübingen) ging dazu auf das Kirchenverständnis des Zweiten Vatikanischen Konzils und die Diskussion um das lutherisch/römisch-katholische Dialogdokument „Taufe und Wachsen in der Gemeinschaft“ ein. Sotiris Boukis (Greek Bible College) und Johannes Oeldemann (Möhler-Institut für Ökumenik) nahmen den Zusammenhang von Taufe und Kirchenverständnis in der aktuellen Arbeit der Kommission für Glauben und Kirchenverfassung in den Blick – und dabei unter anderem die Frage, wie der Bezug auf die Taufe einen Fokus auf die bereits verwirklichte Einheit legen kann. In der Abschlussdiskussion setzten sich Mercedes Garcia Bachmann (Institut für kontextuelle Pastoral der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Argentinien), Oliver Schuegraf (Landesbischof der Evangelisch-Lutherischen Landeskirche Schaumburg-Lippe sowie stellvertretendes Vorstandsmitglied der Arbeitsgemeinschaft christlicher Kirchen in Deutschland) und Burkhard Neumann (Möhler-Institut für Ökumenik) mit baptismaler Ekklesiologie im Verhältnis zu aktuellen Herausforderungen der Ökumene auseinander.
Kommission für Glauben und Kirchenverfassung
Der Kommission für Glauben und Kirchenverfassung (Faith and Order) des Ökumenischen Rats der Kirchen (ÖRK) gehören 60 Theologinnen und Theologen verschiedener christlicher Kirchen an. Ihr Ziel ist es, auf die Einheit der Kirchen hinzuwirken, indem eine größere Übereinstimmung in Glaubensfragen und in Fragen der kirchlichen Strukturen erreicht wird. Die Kommission entstand aus der „Bewegung für Glauben und Kirchenverfassung“, die 1927 in Lausanne ihre erste Weltkonferenz veranstaltete. Sie trug maßgeblich zur Gründung des ÖRK 1948 bei und bildet seither eine der wichtigsten Säulen der Arbeit des ÖRK. Seit 1968 gehört auch die Römisch-katholische Kirche der Kommission für Glauben und Kirchenverfassung an. Die Kommission hat zahlreiche bedeutende Erklärungen und Studien zu ökumenisch-theologischen Fragen, insbesondere zum Kirchenverständnis, verfasst.
Möhler-Institut für Ökumenik
Das Möhler-Institut für Ökumenik ist ein Lehr- und Forschungsinstitut, das im Bereich des Dialogs der Römisch-Katholischen Kirche mit den anderen christlichen Konfessionen und Glaubensgemeinschaft tätig ist. Es begleitet mit wissenschaftlicher Expertise die ökumenischen Beziehungen der katholischen Kirche in Deutschland und wirkt zudem an internationalen Dialogen mit Kirchen der Reformation und der Orthodoxie mit.
Das Möhler-Institut für Ökumenik wurde am 19. Januar 1957 gegründet und ist nach dem Tübinger Theologen Johann Adam Möhler (1796 – 1838) benannt. Es ist eine Einrichtung in Trägerschaft des Erzbistums Paderborn und akademisch der Theologischen Fakultät Paderborn angegliedert. Es beherbergt die größte Spezial-Bibliothek für Ökumenik, die über 160.000 Bände und circa 200 laufende Zeitschriften umfasst.