Ausgehend von den aktuellen gewalttätigen und „verstörenden“ Demonstrationen in Frankreich und in Italien betonte Erzbischof Dr. Udo Markus Bentz in seiner Predigt, mit politischen Kräften und Haltungen, die Hass und Rache und die Logik der Ausgrenzung und das Recht des Stärkeren und der nationalen Abgrenzung propagieren würden, werde es keine stabile und friedvolle Zukunft geben können, lediglich kurzfristigen, zerstörerischen Machterhalt. Wer auch immer sich auf ein christliches Erbe oder christliche Wurzeln beziehe, müsse sich messen lassen und anerkennen, was der innerste Kern der christlichen Wurzeln sei, forderte der Paderborner Erzbischof und konkretisierte: „Ein Mensch, der sich vor Gott verantwortet weiß und nicht selbst zum Maßstab macht. Ein Mensch, der menschliche Würde nicht taxiert und zuweist oder aberkennt, sondern sie als unantastbar für jeden erachtet über alle Unterschiede hinweg. Ein Mensch, der die unbedingte Geltung der Menschenrechte, der Solidarität und gemeinsamen Verantwortung füreinander in die Mitte rückt.“ Christliches Erbe bedeute eine anspruchsvolle Ethik, die nicht sich selbst zuerst suche, vielmehr die Personenwürde aller, die Heiligkeit des Lebens, die Freiheit des Einzelnen, die Familie als Kernzelle der Gesellschaft, die ehrliche Solidarität mit den Schwachen und Vulnerablen hochhalte. Das christliche Erbe Europas zeuge auch davon, dass die Wunden und Verletzungen nicht ausgeblendet und tabuisiert oder verharmlost werden, sondern die Fähigkeit zur Versöhnung Zukunft möglich mache.
Ressource der Hoffnung
„Was kehrt zurück, wenn die Reliquien eines Heiligen zurückkehren“, fragte Erzbischof Dr. Udo Markus Bentz im Blick auf den Anlass der Feier des Klein-Libori-Festes im Erzbistum Paderborn. Sicherlich ein kostbarer Schatz, eine vertraute Gegenwart, „sicherlich aber auch etwas, das Menschen nach Jahren der Angst und Fassungslosigkeit fast schon verloren glaubten: Vertrauen, Zuversicht, die Kraft, wieder neu zu beginnen“, erinnerte der Paderborner Erzbischof. „Mit den Reliquien holten sich die Menschen damals die Zuversicht zurück.“ Der Glaube sei eine Ressource der Hoffnung, „dass es gut ausgehen wird“. Und mit Papst Leo XIV. bekräftigte der Paderborner Erzbischof, die Offenheit für Gott, der christliche Glaube ist und bleibt „eine Quelle der Zivilisation“. Mit dem heiligen Liborius in der Mitte sei auch Paderborn ein geistliches Zentrum, das Kraft gebe.