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© Jasmin Lobert / Erzbistum Paderborn
© Jasmin Lobert / Erzbistum Paderborn

Eine große Bühne für die Weihnachtsbotschaft

Wenn Hunderte gemeinsam singen, bekommt Karolin Koldehoff Gänsehaut. Bei der Aufführung des Bethlehem-Musicals in Minden leitet sie den Regionalchor. Ein Probenbesuch zeigt, wie Musik und Glaube verschiedene Generationen miteinander verbinden.

An einem Samstag hängt vor der evangelischen Auferstehungskirche in Bad Oeynhausen ein großes Plakat: „Bethlehem – ein Chormusical“. Von nah und fern trudeln die Sängerinnen und Sänger ein. Begrüßt werden sie mit einem Stück Lebkuchen. Die Bankreihen füllen sich. Die hohen Frauenstimmen setzen sich zum Platzschild: „Sopran. Weil wir keine Höhenangst haben.“ Bei den tieferen Frauenstimmen steht: „Zum Singen sind wir nicht zu Alt.“ Auch die Tenor- und Bass-Stimmen finden ihren Platz.

Etwa 150 Sängerinnen und Sänger sind zur Regionalprobe nach Bad Oeynhausen gekommen. Insgesamt gibt es drei Regional- und eine Generalprobe, bis das Mitmach-Musical am 12. Dezember in der Kampa-Halle in Minden aufgeführt wird. Dann steht hinter den professionellen Musicaldarstellerinnen und -darstellern und der Band ein Chor mit etwa 1.000 Sängerinnen und Sängern.

Mit Begeisterung und Leidenschaft bei der Chorleitung

„Als ich das Musical vor zwei Jahren in Hannover gesehen habe, war ich begeistert“, erzählt Karolin Koldehoff, die in der katholischen Kirchengemeinde St. Walburga in Porta Westfalica aufgewachsen ist. Mit Nils Fricke, dem Kreiskantor der evangelischen St.-Martini-Kirchengemeinde in Minden, leitet sie den Regionalchor. „Als ich von dem Pfarrer der evangelischen Gemeinde und von der Stiftung Creative Kirche angesprochen wurde, ob ich diese Aufgabe übernehmen möchte, war ich ganz aufgeregt. Alles in mir hat ‚Ja‘ geschrien.“ Für sie sei es das coolste und größte musikalische Projekt, das sie bisher betreuen durfte, sagt sie.

Die 32-Jährige ist eigentlich Lehrerin für die Fächer Englisch und katholische Religion, arbeitet derzeit aber freiberuflich als Chorleiterin in verschiedenen Projekten. „Mir ist die Familie dazwischengekommen“, sagt sie und lacht. Aktuell erwartet sie ihr drittes Kind. Entbindungstermin ist im Januar. „Ich hoffe, dass meine Fruchtblase nicht während des Konzerts platzt. Und wenn doch, ziehe ich das Musical trotzdem durch“, scherzt sie.

Dass sie die Chorleitung mit vollem Einsatz und Leidenschaft übernimmt, wird auch bei der Regionalprobe in Bad Oeynhausen deutlich. „Und jetzt singen wir meinen Lieblingssong“, sagt sie vor jedem Lied, das geprobt wird – sehr zur Erheiterung des Chors. Sie erklärt die musikalischen Motive, die in verschiedenen Liedern vorkommen, gibt jeder Stimme ihre eigenen Korrekturhinweise und lobt ihre Schützlinge immer wieder: „Wow, das klingt fantastisch, das macht ihr alle großartig.“

In meiner Teenager-Zeit habe ich Musik gemacht, um mich auszudrücken. Es war wie Tagebuchschreiben für mich.

Karolin Koldehoff

Musik als Lebensbegleiter und Kraftquelle

Musik war für Koldehoff schon immer ein wichtiger Teil ihres Lebens. „Wenn ich mich schlecht gefühlt habe, habe ich mich ans Klavier gesetzt. Wenn ich verliebt war, habe ich mich ans Klavier gesetzt“, sagt sie.

Auch die Kirchengemeinde spielte eine große Rolle in ihrem Leben. „Ich war eigentlich fünf Tage die Woche im Gemeindezentrum oder in der Kirche“, sagt sie. Sie war Messdienerin, übte Orgel und probte mit der Musikgruppe, die Gottesdienste mitgestaltete.

Wenn gemeinsames Singen Gänsehaut auslöst

Neben der Schule absolvierte Koldehoff den „C-Kurs für Kirchenmusik“, eine nebenberufliche Ausbildung für Organisten und Chorleiter. Doch die Prüfungssituationen haben sie unter Druck gesetzt. Die Musik, ihr Anker, hat ein Stück weit ihre Leichtigkeit verloren. „Deshalb habe ich mich gegen ein Musikstudium entschieden“, sagt sie. Mittlerweile kann sie sich gut vorstellen, Chorleitung zu studieren, wenn die Kinder etwas älter sind.

„Ich habe noch nie erlebt, dass ich nach einer Chorprobe mit schlechter Laune rausgegangen bin“, sagt sie. „Das ist einfach ein Gute-Laune-Boost.“ Deshalb übernimmt sie zusätzlich zu den Regionalproben ehrenamtlich drei Projektchöre für das Mitmach-Musical. Mit den Sängerinnen und Sängern probt sie bereits seit September. Die Regionalproben seien dagegen noch einmal eine andere Hausnummer, sagt Koldehoff. „Wenn mehrere hundert fremde Menschen den ersten Ton gemeinsam singen, bereitet mir das Gänsehaut.“

Musical verbindet Menschen über Generationen hinweg

Unter den Sängerinnen und Sängern in Bad Oeynhausen sitzt auch Inge Hartmann aus Minden. Die 75-Jährige hat sich für dieses Projekt angemeldet, weil ihr der Glaube wichtig ist und sie durch ihre Mitarbeit bei dem Musical Menschen berühren will. „In diesem Chor kann man viele neue Menschen kennenlernen – auch über verschiedene Generationen hinweg“, sagt sie und schaut begeistert zu ihrer Sitznachbarin. Da sitzt die 19-jährige Sophie Teichrieb. Sie hat bei einem christlichen Konzert von dem Bethlehem-Musical erfahren. Weil sie sich in ihrer Heimatgemeinde in Espelkamp musikalisch engagiert, wollte sie bei dem Musical mitsingen. „Weihnachten ist mein Lieblingsfest“, sagt sie. „Ich freue mich, wenn wir damit viele Menschen erreichen und sie die frohe Botschaft hören.“

Auch Chorleiterin Karolin Koldehoff schwärmt für das Thema. „Für mich ist Jesus das Zeichen und Bild von Nächstenliebe. An Weihnachten feiern wir seine Geburt. Also den Startschuss für sein Wirken auf Erden.“ Die Weihnachtsgeschichte lenke den Blick auf das Wesentliche: Geborgenheit, Liebe und Gottvertrauen, so Koldehoff. „In dem Song ‚Liebe stellt keine Fragen‘ geht es zum Beispiel um Josef, der Maria nicht hinterfragt und bei ihr bleibt. Diese bedingungslose Liebe, dieser bedingungslose Zuspruch berührt einfach.“

Gemeinsam singen, glauben und Menschen verbinden

Wie sie auf die Aufführung schaut? „Ich bin tierisch aufgeregt“, sagt sie. „Aber natürlich freue ich mich auch.“ Sie beschäftigt sich bereits seit Januar mit dem Musical. So viel Vorbereitungszeit für einen Tag. „Deshalb gibt es viele Wiederholungstäter“, sagt Koldehoff. „Die haben das Stück dann schon woanders mit aufgeführt und wollen gerne nochmal mitsingen.“ Für die Aufführung in Minden haben sich Menschen aus vielen Teilen Deutschlands angemeldet. Die jüngsten Teilnehmenden sind unter zehn, die ältesten über 70 Jahre alt.

„Singen und Glauben haben für mich den gleichen Kern“, sagt Koldehoff. Das Mitmach-Musical vereine beides und bringe Menschen unterschiedlichen Alters und unterschiedlicher Herkunft zusammen. „Ich würde mir wünschen, dass die Menschen aus dem Musical mitnehmen, dass es einen großen Effekt haben kann, wenn so viele Menschen gemeinsam an einer Sache arbeiten. Gerade in den heutigen Zeiten sind verbindende Dinge wichtiger denn je.“

In diesem Chor kann man viele neue Menschen kennenlernen – auch über verschiedene Generationen hinweg.

Inge Hartmann

Mehr Informationen zum Mitmach-Musical und Tickets für die Vorstellung in Minden finden Sie hier.

Ein Beitrag von:
Team Redaktion

Jasmin Lobert

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