In der von der Deutschen Bischofskonferenz, den Bistümern Münster und Osnabrück und dem Orden der Franziskanerinnen vom hl. Martyrer Georg zu Thuine beauftragten Untersuchung erforschte ein Wissenschaftsteam um die Theologin und Soziologin Prof. Dr. Judith Könemann den geistlichen Missbrauch als spezifische Form des Machtmissbrauchs. Konkrete Bezugspunkte waren die Vorgänge um zwei Gruppen in den Bistümern Osnabrück und Münster, der sogenannten „Christusgemeinschaft“ (CG) und der Geistlichen Gemeinschaft „Totus Tuus Neuevangelisierung“ (TT). Die Studie wurde am 25. September 2026 von der Universität Münster der Öffentlichkeit vorgestellt und den Auftraggebern übergeben.
Für die Deutsche Bischofskonferenz verwies deren Generalsekretärin, Dr. Beate Gilles, darauf, dass sich die Deutsche Bischofskonferenz seit mehreren Jahren mit dem geistlichen Missbrauch beschäftige. So gebe es eine überdiözesane Anlaufstelle, die Hilfsangebote für von sexualisierter Gewalt und geistlichem Missbrauch Betroffene anbietet. Der Kontakt dazu könne auch anonym erfolgen. „In den vergangenen Jahren haben sich dort jährlich zwischen 70 und 100 Frauen und Männer gemeldet“, so Beate Gilles.
Die in der Studie formulierte Beschreibung von geistlichem Missbrauch stimme in weiten Teilen mit der bisher in der Arbeitshilfe Missbrauch geistlicher Autorität. Zum Umgang mit Geistlichem Missbrauch verwendeten Definition überein. „Diese Definition ist nun erstmalig wissenschaftlich begründet. Eine neue Perspektive eröffnet die Studie durch den als signifikant identifizierten Genderbezug. Darüber hinaus geben die in sechs Punkten gefasste Kriteriologie sowie die Beschreibung von vier Ebenen, auf denen spiritueller Missbrauch Spiritualität nutzt, die Möglichkeit, das Phänomen klarer zu erfassen“, so die Generalsekretärin. Die Deutsche Bischofskonferenz werde sich intensiv mit den Studienergebnissen beschäftigen. Dies geschehe in einer dazu eingesetzten Arbeitsgruppe unter der Leitung des Vorsitzenden der Kommission Missionarische Pastoral und kirchliche Dienste, dem Mainzer Bischof Dr. Peter Kohlgraf.