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© Besim Mazhiqi / Erzbistum Paderborn
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„Sag niemals: Das wird nichts!“

Erzbischof Dr. Udo Markus Bentz besucht das Agnesheim Funckenhausen in Hagen. Beim Schwarzlicht-Minigolf erlebt er Jugendliche, die einander Mut machen – und erfuhr, wie die Kinder- und Jugendhilfe sie auf ihrem Weg in ein selbstständiges Leben begleitet.

Einen Erzbischof beim Minigolf besiegt zu haben – das können nicht viele von sich behaupten. Abdul und Linda können es seit Donnerstag. Sie waren zwei von insgesamt sechs Jugendlichen aus dem Agnesheim Funckenhausen, einer Einrichtung der Kinder- und Jugendhilfe in Trägerschaft des Sozialdienstes katholischer Frauen (SkF) Hagen.

Erzbischof Dr. Udo Markus Bentz hatte die Gruppe im Rahmen seines Amtssitzwechsels ins östliche Ruhrgebiet zum 3D-Schwarzlicht-Minigolf in die Hagener Innenstadt eingeladen. Zusammen mit einem jüngeren Bewohner des Agnesheims spielten Abdul und Linda in einer Gruppe direkt gegen den Erzbischof – und gewannen.

Ein Sieg gegen den Erzbischof

Der Erzbischof sei ziemlich schlecht im Golf gewesen, meinten Abdul und Linda – allerdings mit einem Augenzwinkern. Tatsächlich lagen die beiden am Ende nur wenige Schläge vor Erzbischof Dr. Bentz. Trotzdem: Gewonnen ist gewonnen, und darauf waren beide sichtlich stolz. Spaß hatten ohnehin alle – unabhängig davon, wie viele Schläge sie auf den Bahnen in den abgedunkelten Räumen zwischen leuchtenden Neonfarben benötigten.

Und es ging nicht nur ums Spielen. Erzbischof Dr. Bentz nutzte die Gelegenheit, um mit den Jugendlichen ins Gespräch zu kommen. „Das geht beim Spielen viel einfacher, als wenn man still am Tisch sitzt“, sagte er.

Besonders in Erinnerung blieb ihm ein Satz von Abdul. Als es bei seinem jüngeren Mitspieler aus derselben Wohngruppe mit dem Minigolf nicht so recht klappen wollte, machte er ihm Mut: „Sag niemals: Das wird nichts!“ In diesem Satz steckten für den Erzbischof viel Mut und Kraft – wohltuend angesichts eines verbreiteten Pessimismus, der immer schon das Scheitern erwartet.

Pläne für das eigene Leben

Beim gemeinsamen Spiel erfuhr der Erzbischof auch von den Zukunftsplänen der Jugendlichen. „Ich habe gehört, was die Jugendlichen für Erwartungen im Leben haben“, resümierte er nach der Begegnung. „Sie haben erzählt, was sie für ihre berufliche Ausbildung planen und wie sie sich in ihren Wohngruppen zurechtfinden, in denen sie zusammenleben.“

Dass diese jungen Menschen ihr Leben selbstbewusst gestalten können, ist auch ein Ziel der Arbeit im Agnesheim Funckenhausen. Die Einrichtung begleitet Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene, die aus unterschiedlichen Gründen nicht oder zeitweise nicht in ihren Herkunftsfamilien leben können. In verschiedenen Wohnformen finden sie ein Zuhause und pädagogische Begleitung. Ältere Jugendliche werden zudem Schritt für Schritt auf ein selbstständiges Leben vorbereitet. Auch ambulante Hilfen für junge Menschen und Familien gehören zum Angebot.

„Ich bin froh über den Nachmittag“, sagte Erzbischof Dr. Bentz. „Mit den Jugendlichen sind ja viele ernste Hintergründe und herausfordernde Lebensschicksale verbunden. Aber dann zu sehen, wie stark der Wille ist, das Leben trotzdem zu gestalten, das ist schon ein Geschenk.“

Mitbestimmen und selbstständig werden

Bevor es zum Minigolf ging, hatte der Erzbischof das Agnesheim selbst besucht. Dort stellten ihm Vertreterinnen und Vertreter des SkF und der Einrichtung ihre Arbeit vor. Mit dabei waren unter anderem die Vorsitzende des ehrenamtlichen SkF-Vorstands Jutta Meyer, SkF-Geschäftsführerin Anna Jung, Einrichtungsleiterin Katja Swoboda, Gruppenleiterin Lea Pangerl sowie Gemeindereferent Wolfgang Herz als Geistlicher Berater des Vorstands. Im kommenden Jahr kann das Agnesheim auf sein 100-jähriges Bestehen zurückblicken.

Wie Kinder und Jugendliche darin unterstützt werden, ihr Leben zunehmend selbst zu gestalten, erläuterte Einrichtungsleiterin Katja Swoboda. Kinderrechte und Partizipation spielten dabei eine wichtige Rolle. In Kinder- und Jugendteams werden alltägliche Fragen gemeinsam besprochen. Die jungen Bewohnerinnen und Bewohner bestimmen ihr Zusammenleben mit und erfahren so ganz praktisch, was Beteiligung und Demokratie bedeuten. „In sechs Jahren konnte ich beobachten, wie Kinder gestärkt werden, wenn man sie ernst nimmt und beteiligt“, sagte Swoboda.

Dabei gehe es um weit mehr als die Versorgung der jungen Menschen. „Junge Menschen sollen sich bei uns weiterentwickeln, das ist unser Ziel“, sagte Gruppenleiterin Lea Pangerl. „Wir stellen nicht nur Bett und Essen zur Verfügung, wir helfen bei der Identitätsfindung.“

Ein Ort, an dem man sich sicher fühlt

Was das für die jungen Menschen bedeuten kann, machten zwei geflüchtete Mädchen deutlich, die im Agnesheim ein vorübergehendes Zuhause gefunden haben. „Wir fühlen uns endlich sicher und wie zu Hause“, sagten sie. „Wir haben hier eine eigene Familie, die uns unterstützt.“

Damit bekommt der Satz vom Minigolfplatz noch einmal eine andere Bedeutung. „Sag niemals: Das wird nichts!“ – im Agnesheim sollen junge Menschen erfahren, dass ihnen etwas zugetraut wird und sie ihr eigenes Leben gestalten können.

Ein Beitrag von:
© Besim Mazhiqi / Erzbistum Paderborn
Redaktion

Dr. Claudia Nieser

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