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© Ralf Litera / Erzbistum Paderborn
© Ralf Litera / Erzbistum Paderborn

Küster sein: Wer die Kirche aufschließt, öffnet mehr als nur Türen

Kaum einer ahnt, wie viel Arbeit hinter einem Gottesdienst steckt: Vorbereiten, organisieren, reparieren, improvisieren, begleiten – Markus Klein ist seit über 35 Jahren Küster in der Gemeinde und kümmert sich mit Herzblut darum, dass hier alles reibungslos läuft.

Wenn an diesem Sonntagmorgen um 10:45 Uhr die Glockenklänge durch die Straßen von Bestwig-Velmede hallen, wartet in der Pfarrkirche St. Andreas schon alles auf die heilige Messe: Die Kerzen sind angezündet. In der Sakristei liegen Messgewänder säuberlich und in korrekter Reihenfolge bereit. Das Mikrofon steckt geprüft im Halter, der Schalter auf On. Betreten bald darauf die ersten Besucher die denkmalgeschützte Kirche, wirkt alles festlich und gepflegt wie immer. Kaum einer ahnt, wie viel Arbeit hinter einem Gottesdienst steckt: Vorbereiten, organisieren, reparieren, improvisieren, begleiten – Markus Klein ist seit über 35 Jahren Küster in der Gemeinde und kümmert sich mit Herzblut darum, dass hier alles reibungslos läuft.

Was einen Küster ausmacht? „Pünktlichkeit. In all den Jahren bin ich nur einmal zu spät gekommen“, erinnert sich der 59-Jährige. „Ganz viel Dabeisein gehört dazu. Und Idealismus.“ In der sieben Kilometer entfernten St.-Walburga-Kirche in Meschede hat seine Kollegin Lydia Webelhaus heute Dienst. Was eine Küsterin ist, fällt ihr auf Anhieb schwer zu sagen: „All die Tätigkeiten sind für mich inzwischen so selbstverständlich, dass ich sie kaum in Worte fassen kann.“ Mit dem Küsterdienst will sie ihrem christlichen Auftrag folgen, in Nächstenliebe zu leben: „Es ist für mich ein Dienst an den Menschen, die die Kirche besuchen, und zugleich ein Dienst an Gott, indem ich ihnen freundlich mit einem offenen Ohr und Herzen begegne.“ Auch Markus Klein treibt seine tiefe Verbundenheit zu Gott und Jesus Christus an.

Viele Handgriffe für eine gelingende Liturgie

Dass Gottesdienste für Besucher so selbstverständlich wirken, ist kein Zufall. Liturgie strahlt Ruhe, Würde und Schönheit aus – auch, weil Menschen sie mit großer Sorgfalt vorbereiten. Küsterinnen und Küster sorgen in allen Gemeinden des Erzbistums dafür, dass sich Besucher willkommen fühlen. Sie schaffen die Voraussetzungen dafür, dass Menschen beten, feiern und Gott begegnen können. Und dazu sind viele Handgriffe nötig. „Ich schließe Kirchentüren auf, bereite Messbuch, Lesung und Evangelium vor, fülle Wasser und Wein auf, stelle Kelch und Hostienschale raus“, versucht sich Markus Klein an einer Beschreibung des Aufgabenfeldes.

„Beim Anziehen der liturgischen Gewänder helfe ich dem Pastor, das ist eine Sache der Höflichkeit. Und viele Messdiener können die Kordel nicht richtig knoten, auch da helfe ich gern. Bei besonderen Anlässen muss die Kohle für den Weihrauch vorglühen, das Weihwasser aufgefüllt sein und manchmal braucht es besondere Beleuchtung.“ Auch im Hintergrund ist Markus Klein immer ansprechbar. Er organisiert Handwerker und ist als gelernter Radio- und Fernsehtechniker gefragt, wenn das Funkmikro mal versagt oder die Heizung ausfällt. Die Messfeier selbst verbringt er in der Sakristei. Mit einem Ohr beim Gottesdienst, im Gebet, aber immer einsatzbereit für Notfälle oder ein Glas Wasser.

Kirche ist wie ein großer Haushalt. Da muss man die Augen immer offenhalten.

Küsterin Lydia Webelhaus

Blumengestecke mit Grünzeug aus dem eigenen Garten

„Neben Vorbereitungen auf den Gottesdienst flicke ich im Vorfeld Mess- und Messdienergewänder“, ergänzt Lydia Webelhaus. „Ausgebrannte Kerzen werden entsorgt, schräg abgebrannte begradigt, alle Kerzen vor der Messe angezündet. Blumengestecke mache ich selbst, gern auch mit Grünzeug aus dem eigenen Garten. Überhaupt geht es darum, für Ordnung in allen Ecken zu sorgen. Kirche ist wie ein großer Haushalt. Da muss man die Augen immer offenhalten.“ Umso schwerer fällt es ihr, in anderen Kirchen einen Gottesdienst zu feiern, ohne gleich an die Arbeit zu denken. „Da wiederum schließe ich die Augen und bin dann ganz bei mir“, erzählt die 65-Jährige.

Begonnen hat sie ihren Dienst vor 16 Jahren. Sie war bereits ehrenamtlich in der Gemeinde aktiv, hatte Kleinkindergottesdienste, Kommunion- und Firmtreffen mit vorbereitet. In den Pfarrnachrichten entdeckte sie die Stellenanzeige und bewarb sich nach einiger Bedenkzeit. Markus Klein dagegen ist in den Job eher hineingewachsen. Er war damals 15 und aktiver Messdiener, als der alte Küster der Gemeinde für zwei Wochen verreisen wollte und ihn fragte, ob er ihn nicht vertreten könne. Aus der Urlaubsvertretung ist eine Lebensaufgabe geworden.

Die stillen Hausmeister Gottes?

„Der sakrale Bau von St. Andreas ist meine geistliche Heimat“, sagt Markus Klein, den die Geschichte des Gebäudes, die einmaligen Farben der Kirchenfenster, das imposante Hallendach und die altehrwürdige Sauer-Orgel bis heute faszinieren. Als Haus Gottes müsse es stets ordentlich sein – als verlässlicher Raum des Glaubens für die Gemeindemitglieder offen.

Auch Lydia Webelhaus schätzt ihren Einsatzort. Bei der Arbeit in der Kirche ist sie am liebsten allein, dann geht sie ganz im Tun auf. „Besonders liebe ich es, wenn der Organist vor der Messe übt. Da schwingt in mir eine Vorfreude aufs Fest.“ Manchmal singt sie dann auch. Insofern sei sie vielleicht Hausmeisterin Gottes. „Aber still bin ich ganz sicher nicht“, lacht sie herzlich. Und kann zugleich sehr ernst sein: Immer wieder komme es vor, dass sie Menschen begegne, die ein offenes Ohr brauchen. „Wenn Gemeindemitglieder morgens in die leere Kirche kommen, um eine Kerze anzuzünden, erzählen manche von Sorgen und Nöten. Da geht es auch um Seelsorge und ums Zuhören.“ Darüber hinaus begleitet sie unsichere Messdiener vor ihrem Einsatz oder führt vor allem junge Menschen durch das historische Kirchengebäude.

So sorgen Küsterinnen und Küster nicht nur für funktionierende Räume. Sie schaffen eine Atmosphäre, in der Menschen Gemeinschaft, Gott und Kirche erleben können – und geben Glauben damit einen verlässlichen Ort.

Hätte ich meinen Job als Küster nicht, wäre ich heute nicht, wie ich bin.

Küster Markus Klein

Das Evangelium mit in den Alltag nehmen

Lydia Webelhaus’ eigener Glaube hat sich durch ihren Dienst als Küsterin nicht grundlegend verändert. „Der war vorher schon da und gibt mir bis heute Halt, auch wenn er sich wandelt.“ Aber ihr Verständnis für Hintergründe und die Bedeutung von Symbolen, Ritualen und Texten hat sich durch die Tätigkeit und den zweiwöchigen Ausbildungskurs in Paderborn vertieft. Die Freude und Dankbarkeit, die sie zurückbekommt, bestärken sie in ihrem Tun.

Markus Klein wiederum versteht seinen Dienst als Glaubensbekräftigung und ist sich sicher: „Hätte ich meinen Job als Küster nicht, wäre ich heute nicht, wie ich bin.“ Sein Vorsatz: Jeden Tag eine gute Tat – man nehme eben die Worte aus dem Evangelium mit in die Woche. Besonders wichtig ist ihm am Glauben die Gemeinschaft. „Darum bin ich oft traurig, wenn kaum noch Menschen in den Gottesdienst finden.“ Sein größter Wunsch: mehr Priester, mehr Messdiener und wieder mal 100 Leute an einem gewöhnlichen Sonntag in der Kirche.

Jetzt aber ist die Messe erst mal beendet. Nur der Kelch muss noch gereinigt, Kerzen gelöscht und die Gewänder wieder weggeräumt werden. Zum Abschluss dreht Markus Klein die Schlüssel im Schloss der hölzernen Kirchentüren von St. Andreas. Und bevor er in den Feierabend startet, prüft er noch mal, ob die Türen für heute auch wirklich geschlossen sind.

Wenn Sie sich für den Küsterdienst im Erzbistum Paderborn interessieren, finden Sie hier weitere Infos zum nächsten Ausbildungskurs.

Ein Beitrag von:
Dr. Carina Middel, freie Autorin, schreibt Texte für Print und Online im Erzbistum Paderborn. © Carina Middel/Erzbistum Paderborn
Freie Autorin Dr. Carina Middel
Freie Autorin

Dr. Carina Middel

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