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Erzbistum Paderborn
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Florian Kopp / Adveniat

Adveniat

Adveniat ist das Lateinamerika-Hilfswerk der katholischen Kirche in Deutschland. Die Mitarbeitenden von Adveniat setzen sich für die Ränder der Gesellschaft und die Armen Lateinamerikas ein. Sie helfen Jugendlichen auf der Straße, bieten ihnen ein Zuhause und Bildung und engagieren sich für die Rechte der indigenen Bevölkerung Südamerikas. Zu 95% finanziert sich Adveniat aus Spenden.

Adveniat-Weihachtsaktion: „ÜberLeben in der Stadt“

Steigende Armut in Lateinamerika

80 Prozent der Menschen in Lateinamerika und der Karibik leben bereits heute in den Städten. Und die Landflucht hält weiter an. Doch die Hoffnung auf eine bessere Zukunft wird häufig enttäuscht. Das Leben der Indigenen, Kleinbauern und Klimaflüchtlinge am Stadtrand ist geprägt von Armut, Gewalt und fehlender Gesundheitsversorgung. Und wer arm ist, kann für seine Kinder keine gute Ausbildung bezahlen.

Mit seinen Projektpartnern, wie zum Beispiel Ordensleuten und pastoralen Mitarbeitern, durchbricht das Lateinamerika-Hilfswerk Adveniat die Spirale der Armut: durch Bildungsprojekte in Pfarrgemeinden, insbesondere auch für Frauen und Kinder, Menschenrechtsarbeit und den Einsatz für faire Arbeitsbedingungen.

 

Weihnachtsaktion für das „ÜberLeben“

Unter dem Motto „ÜberLeben in der Stadt“ rückt Adveniat mit seiner diesjährigen Weihnachtsaktion die Sorgen und Nöte der armen Stadtbevölkerung in den Blickpunkt. Schwerpunktländer sind Mexiko, Paraguay und Brasilien. Die Eröffnung der bundesweiten Adveniat-Weihnachtsaktion findet am 1. Advent, dem 28. November 2021, im Bistum Münster statt. Die Weihnachtskollekte am 24. und 25. Dezember in allen katholischen Kirchen Deutschlands ist für Adveniat und die Hilfe für die Menschen in Lateinamerika und der Karibik bestimmt. Spendenkonto bei der Bank im Bistum Essen, IBAN: DE03 3606 0295 0000 0173 45 oder unter www.adveniat.de.

Nachfolgend finden Sie ein paar kurze Porträts und Reportagen sowie den Link zum YouTube-Kanal von Adveniat, auf dem Sie weitere Reportagen, aber auch Hörbuch-Beiträge und musikalische Elemente finden.

Neben der Spendenaktion hat Adveniat auch ein Programm für die Advents- und Weihnachtszeit zusammengestellt. Es gibt ein Krippenspiel für Zuhause, einen Online-Gottesdienst, einen besinnlichen Kommunion-Einspieler, ein Musikvideo mit dem lateinamerikanischen Weihnachtslied „Noche Buena“ und vieles mehr.

Mehr dazu finden Sie hier.

Überleben auf den Straßen der Amazonas-Metropole Manaus

20.000 Venezolaner sind vor politischer Verfolgung, Hunger und wegen der fehlenden Gesundheitsversorgung nach Brasilien geflohen. Ordensfrauen und kirchliche Einrichtungen sind ihre Hoffnung auf eine bessere Zukunft

 

Beschwerlicher Alltag für die junge Familie

Er mit dem Einkaufswagen, sie mit einem Karren aus Aluminium: So ziehen die Venezolaner Jesús Parra und Rossmary Gallardo durch die brasilianische Millionenstadt Manaus, um etwas Geld zu verdienen. Ihre Kinder, die fünfjährige Jessmary und der einjährige Keyler, sind immer dabei.

Mitten in der Nacht steht die Familie auf. Anstelle von Limonen, Orangen, Mangos und Avocados legt Jesús heute nur in Tütchen abgepackte Bananenchips in seinen Wagen. Er hatte kein Geld, um frische Früchte zu besorgen. Rossmary kocht Kaffee und füllt ihn mit viel Zucker in mehrere Thermoskannen. Um zwei Uhr machen sie sich auf in die Dunkelheit einer Stadt, die neu für sie ist und deren Sprache und Regeln sie kaum kennen. Ihr Ziel ist der große Markt am Ufer des Amazonas. Zwischen Händlern, Verkäufern und Trägern bahnen sich Rossmary und Jesús ihren Weg. Immer in der Hoffnung, dass jemand einen Kaffee für einen Real (umgerechnet ca. 15 Cent) bei ihr bestellt, oder ihm eine Tüte der frittierten Bananenchips als Snack abkauft.

Rund um den Markt von Manaus gibt es Hunderte Menschen wie Jesús und Rossmary. Sie alle versuchen, sich im informellen Sektor zu behaupten. Viele sind aus Venezuela geflüchtet. Schätzungen zufolge leben mittlerweile 20.000 Menschen aus dem nördlichen Nachbarland in der Großstadt.

„Alles ist besser als Venezuela“

„Alles ist besser als Venezuela“, meint der 28-Jährige. Er und die 22-jährige Rossmary haben Ende 2020 ihre Heimat verlassen. „Hambre!“, antworten sie auf die Frage nach den Gründen: „Hunger!“. „Wir hatten nicht mehr genug Geld, um uns zu ernähren. Alles ist teuer in Venezuela und die Preise steigen ständig“, sagt Jesús. Hinzu kam, dass Rossmary seit der Geburt ihres Sohnes unter Unterleibsschmerzen leidet. An eine medizinische Versorgung in Venezuela war nicht zu denken. „Es gibt keine Medikamente mehr“, sagt sie.

Dramatische Flucht und viele Gefahren

Aber es gibt auch politische Gründe für die Flucht: Als Techniker bei der venezolanischen Luftwaffe wartete Jesús russische Kampfhubschrauber. „Ich wollte der Maduro-Regierung nicht mehr dienen“, sagt er. Also desertierte er.

Mit dem Bus reiste das Paar 1.600 Kilometer quer durch Venezuela. Sie bezahlten einen Schlepper, der sie nachts über die Berge der Grenzregion brachte. Als ihre Gruppe vor der Polizei flüchten musste, verloren sie ihre Tochter. Erst einige Stunden später fanden sie Jessmary wieder. Eine andere Flüchtlingsgruppe hatte die Fünfjährige gefunden. „Ich bin vor Angst fast gestorben“, erzählt Rossmary. Während der dramatischen Flucht löste sich auch noch die Sohle einer ihrer Turnschuhe. Sie trägt ihn noch immer, weil sie keine anderen Schuhe hat.

Obdachlosen-Pastoral hilft beim „ÜberLeben“

Um die Mittagszeit zählt das Paar ihre dürftigen Einnahmen. „Vor der Pandemie waren es manchmal 50 bis 80 Real pro Tag“, sagt Jesús, zwischen acht und zwölf Euro. Aber durch Corona seien die Einnahmen stark geschrumpft. Es sind einfach viel weniger Menschen unterwegs.

Die Familie hat Hunger und reiht sich in eine Schlange ein, in der schon andere Venezolaner warten. Die Obdachlosen-Pastoral bietet jeden Tag neben einer Kirche ein warmes Mittagessen an: Hühnchen mit Reis und Bohnen. Obwohl Jesús und Rossmary nicht obdachlos sind, bekommen auch Bedürftige wie sie hier eine Mahlzeit. Hin und wieder hilft Dom Leonardo Steiner, der Erzbischof von Manaus, persönlich bei der Essensausgabe. Der 70-jährige Franziskaner sieht es als seine Pflicht an, persönlich mit anzupacken. „Manaus hat große soziale Probleme, die Kirche muss zu den Menschen gehen.“

Kirche sorgt für die Geflüchteten

Als Jesús und Rossmary sich auf die Stufen der Kirche setzen, um zu essen, gesellt sich der Erzbischof dazu. Sie berichten, dass sie ohne die täglichen Mittagessen der Kirche während der Pandemie Hunger gelitten hätten, und dass sie sehr dankbar seien. Dom Leonardo hört ihnen aufmerksam zu. Er ist niemand, der sich in den Vordergrund drängt.

Rossmary sieht schwach aus, wirkt abgemagert. Doch bislang traute sie sich nicht, zum Arzt zu gehen, weil sie und Jesús noch nicht in Brasilien registriert sind. Um das Problem zu lösen, suchen sie nun die Migranten-Pastoral von Manaus auf. Von anderen Venezolanern haben sie gehört, dass die Schwestern des Scalabrinianerinnen-Ordens Flüchtlingen wie ihnen helfen.

 

Gesundheitliche Versorgung für Geflüchtete fehlt

Schwester Dinair Pereira und Schwester Gema Vicense raten Rossmary und Jesús, sofort eine Steuernummer zu beantragen. Nur so hat man in Brasilien Zugang zu Sozialleistungen. Als Schwester Dinair von den Beschwerden Rossmarys hört, ruft sie sofort einen kubanischen Arzt an. Er arbeitet als Freiwilliger für die Migranten-Pastoral, die ihm selbst einst half, in Brasilien zu bleiben. Er untersucht Rossmary am nächsten Tag und sagt, dass sie eine MRT-Untersuchung (Magnetresonanztomographie) machen müsse. Doch der nächste freie Termin in einem öffentlichen Krankenhaus ist erst in sechs Monaten. Also bezahlt Schwester Dinair kurzentschlossen eine private Untersuchung für die junge Frau. Es stellt sich zudem heraus, dass Rossmary eine schwere Blaseninfektion hat, außerdem Anämie und Darmparasiten. Schwester Dinair besorgt auch die Medikamente für sie.

 

Prekäre Wohnverhältnisse

„Wir begleiten die Migranten sehr eng“, sagt die kleine energische Frau. „Viele fühlen sich am Anfang verloren und brauchen Unterstützung.“ Sie will heute Rossmary und Jesús besuchen. Das Paar wohnt in einem Zimmer in einem recht verwahrlosten Haus im alten Zentrum der Stadt. „Hier leben viele Venezolaner“, sagt Schwester Dinair. Die Hälfte des kleinen Raums nimmt die Matratze auf dem Boden ein, es gibt ein Bad, in dem das Wasser nicht läuft, und zwei Elektroplatten zum Kochen. 300 Real zahlen sie monatlich an Miete, das sind umgerechnet ca. 50 Euro. „Wenn es regnet, tropft es durch die Decke“, klagt Jesús.

 

Hoffnung in Sicht

Schwester Dinair hilft dem Paar, einige Dokumente zu sortieren, die sie in Brasilien gebrauchen können. Jesús erzählt, dass er gerne wieder als Helikopter-Techniker arbeiten würde. Aber werden seine Diplome in Brasilien anerkannt? Dinair ermutigt ihn, seine Zeugnisse zusammenzusuchen, und sich beim Flughafen vorzustellen. „Es ist wichtig, dass die Immigranten in Bewegung bleiben“, sagt sie. „Sonst besteht die Gefahr, dass sie resignieren.“ Die Migranten-Pastoral hilft ihnen, diesen kritischen Moment zu überwinden.

Auch Rossmary hofft, dass sie sie ihr Studium in Rechnungswesen in Brasilien beenden kann. Bis dahin, das weiß sie, ist es noch ein langer Weg. Aber sie möchte ihn gehen.

Text: Philipp Lichterbeck

Paula Regueiro – Sanfte Frauenpower gegen Mexikos Machismo

Kleiner Raum mit viel Hilfe

Zwei Stunden lang haben sich die elf Frauen in dem kleinen Versammlungsraum ihre Sorgen von der Seele geredet. Von wirtschaftlichen Nöten während der Pandemie, über die Angst um die Schulbildung der Kinder bis hin zu prügelnden und trinkenden Ehemännern und Krankheiten, die sich durch die nahegelegene Müllkippe ausbreiten. Es gibt viele Probleme in San Bartolo Coyotepec, einem Vorort der südmexikanischen Stadt Oaxaca. Und wenig Gelegenheit und Orte, wo die Frauen in geschützter Atmosphäre ihr Herz ausschütten können. Dank Adveniat ist dieser kleine Kirchenraum so ein Ort.

Paula Regueiro von der Frauenorganisation GEM (Grupo de Educación Popular con Mujeres) hat den Frauen aufmerksam zugehört. Manchmal hat sie als Moderatorin Probleme auf den Punkt gebracht oder einfühlsam mit einer Nachfrage Lösungsansätze herausgekitzelt. Jetzt steht die 51-Jährige mit dem Kurzhaarschnitt auf. Sie nimmt ein blaues Wollknäuel in die Hand, und wirft es einer der Teilnehmerinnen zu. Es ist ein interaktives Spiel, mit dem die angestauten negativen Energien aufgelöst werden sollen. Nacheinander fangen die Frauen das Knäuel auf und sagen, welche Eindrücke sie aus dem Treffen mitnehmen: Hoffnung, Stärke, Erleichterung, sind Begriffe, die fallen.

 

Workshops für die Gleichberechtigung

Im machistischen Mexiko sind Selbsthilfegruppen wie diese ein erster Schritt zu mehr Selbstständigkeit und Emanzipation für Frauen. „Es klingt unglaublich, aber noch heute wissen viele Frauen in Mexiko nicht über ihre Rechte Bescheid“, sagt die Anthropologin Paula Regueiro. Orte wie San Bartolo Coyotepec, die an der Schnittstelle zwischen Land und Stadt, zwischen indigener Tradition und moderner Emanzipation liegen, sind besonders problematisch. Vor sechs Jahren bot die aus der Hauptstadt stammende Paula Regueiro auf Bitte des lokalen Pfarrers erste Workshops an. Mit Leticia Real von der Frauenpastoral hat sie inzwischen eine fähige, umtriebige Kontaktperson vor Ort. „Frauen im Wind“ heißt das örtliche Netzwerk. Über 100 Frauen gehören ihm an. Jede von ihnen reagiert anders, wenn sie ihr Schicksal in die Hand nimmt. Manche verlassen ihre gewalttätigen Männer, andere ziehen sogar gegen sie vor Gericht, manche bleiben auch in der Partnerschaft, erobern sich aber Freiheiten wie die, ein eigenes Geschäft aufzumachen. Paula Regueiro weiß, dass es noch ein weiter Weg bis zur Gleichberechtigung ist – aber die Frauen von San Bartolo Coyotepec haben den Aufbruch gewagt.

Text: Sandra Weiss

Erzbischof Dom Leonardo Steiner - Der richtige Mann zur richtigen Zeit am richtigen Ort

Erzbischof Dom Leonardo Steiner geht dahin, wo Hilfe gebraucht wird. In der brasilianischen Amazonas-Metropole Manaus packt er mit an, um das Über-Leben für die Armen zu ermöglichen.

 

Leibliches und geistliches Wohl

Um die Mittagszeit bildet sich im Zentrum von Manaus eine Menschenschlange. Dutzende stehen an, um von der Obdachlosen-Pastoral ein warmes Mittagessen zu bekommen. Einer, der hier Essen und Getränke aushändigt, ist Dom Leonardo Steiner. Ende 2019 berief Papst Franziskus den heute 70-Jährigen zum Erzbischof der Millionenstadt am Amazonas. „Ich bat darum, hier dienen zu dürfen“, sagt Dom Leonardo. „Es gibt hier viel zu tun.“

In Schutzkleidung reicht Dom Leonardo den Menschen ihr Mahl. Als alle versorgt sind, setzt er sich zu einer Familie, Flüchtlinge aus Venezuela. Das Paar erzählt, dass es vor dem Hunger geflohen sei und nun versuche, in Manaus Fuß zu fassen. Dom Leonardo hört aufmerksam zu und spricht dem Paar Mut zu. Anschließend sagt er: „Manaus hat große soziale Probleme: Gewalt, Armut, Prekarisierung. Die Kirche muss zu den Menschen gehen, wie es der Papst gesagt hat.“

 

Adveniat unterstützt mit Spenden

Als die Corona-Pandemie in Manaus wütete, startete Dom Leonardo Spendenaufrufe für den Kauf von klinischem Sauerstoff. Dieser war in den Hospitälern knapp geworden. Der Erzbischof selbst half, die dringend benötigten Gaszylinder zu verteilen. „Als Mitglied des Franziskanerordens ist es meine Pflicht, unter die Menschen zu gehen, dorthin, wo es schmerzt“, sagt er. Unterstützt vom Lateinamerika-Hilfswerk Adveniat versorgte die Kirche in der Pandemie außerdem rund 40.000 Menschen mit Lebensmittelpaketen. „Ohne die Spenden hätten hier viele Menschen Hunger gelitten“, berichtet Dom Leonardo. „Ich bewundere die Großzügigkeit der Deutschen sehr.“

„Er ist der richtige Mann“

Der Erzbischof stammt aus dem Süden Brasiliens. Dennoch zog es ihn zum Ende seiner Karriere nach Amazonien. „Ich mag, dass die Kirche hier in Bewegung ist, sie ist dynamisch und fröhlich“, erklärt er. Gerade die Besuche in entfernten Gemeinden bereiteten ihm viel Freude. Neben der Hilfe für die Bedürftigen legt er großen Wert auf den Schutz der Natur und der indigenen Völker. „Es ist unsere Verantwortung, den Indigenen dabei zu helfen, ihre Kultur und ihre Umwelt zu bewahren.“ Spricht man mit den Menschen in Manaus, hört man immer wieder einen Satz über Dom Leonardo: „Er ist der richtige Mann zur richtigen Zeit am richtigen Ort.“

Text: Philipp Lichterbeck

YouTube-Kanal von Adveniat

Auf dem YouTube-Kanal von Adveniat werden verschiedenste Beiträge veröffentlicht. Von kurzen Reportagen über Musik bis hin zu Hörbuch-Beiträgen ist alles vorhanden, um sich über das schwierige Leben der benachteiligten Bevölkerung Südamerikas zu informieren.

 
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