Diese Anzeige der Kapuziner in Brakel galt einem ihrer Wohltäter, der sich in die Gebetsgemeinschaft hatte aufnehmen lassen und in deren Auftrag sie verfasst wurde. Die Anzeige beschreibt in anschaulichen Worten das Sterben und das Leben des Verstorbenen, das ihn des ewigen Lebens würdig erscheinen ließ. Der Verstorbene war Konduktor (Pächter) eines größeren Gutes in Amelunxen, Kreis Höxter.
Die Todesanzeige der Kapuziner ist in mehrerlei Hinsicht zeittypisch. Da sind zum einen die Bandwurmsätze, die, nebenbei bemerkt, trotz ihrer für heutige Verhältnisse überbordenden Komplexität grammatikalisch absolut korrekt sind. Zum anderen machen die Väter Capuziner in Brakel als Autoren kein Geheimnis aus dem Krankheitsverlauf, den Gebrechen und den Todesumständen und erlauben sich weiterhin, mit dem Hinweis auf den „vergnügten Ehestand“ des Verstorbenen höchst Privates auszuplaudern. In dieser Beziehung ist die Todesanzeige als Muster für heutige Annoncen nur bedingt geeignet.
In anderer Beziehung allerdings ist die Todesanzeige auch für heutige Verhältnisse vorbildlich. Der Text würdigt den Verstorbenen als Person, als Individuum. Zudem hält der Inhalt höchst sensibel die Waage zwischen sachlicher Information, der ausgedrückten Trauer und der Hoffnung darauf, „dass die Seele des Verstorbenen schon die Freuden eines besseren Lebens genieße“. Es gibt jedenfalls nur wenig Schöneres als diesen Schlusssatz, in dem zum Messopfer und zum Gebet aufgerufen wird, sollten „wider Vermuthen“ nicht näher benannte „menschliche Schwachheiten“ die Seele des Verstorbenen von der Anschauung Gottes abhalten. Möge der Hochedelgebohrne Herr Konduktor Johannes Franciscus Sarrazin ruhen in Frieden.