Die EU-Kommission plant umfassende Reformen des mehrjährigen Finanzrahmens (MFR) für die Jahre 2028 bis 2034. Das hätte Auswirkungen auf den Europäischen Sozialfonds (ESF). Demnach soll der ESF seine eigenständige Budgetlinie verlieren und stattdessen in einen zentralen national-regionalen Partnerschaftsplan (NRPP) pro Mitgliedsstaat integriert werden – ein Multifonds, in dem bisher getrennte EU-Fonds unter einem einzigen Dach zusammengefasst werden sollen. Das könne Verteilungskämpfe zur Folge haben, befürchtet die Diözesane Arbeitsgemeinschaft. Ebenso kritisch sieht man die Pläne zur Einführung eines leistungsbasierten Auszahlungsmechanismus, zum Wegfall der regionalen zugunsten einer zentralisierten Steuerung auf Bundesebene und zur Streichung der höheren EU-Kofinanzierungssätze für Projekte mit besonders vulnerablen Zielgruppen und für soziale Innovationen.
Erfolgschancen der Förderangebote gefährdet
„Die Planungen der EU-Kommission haben weitreichende Bedeutung auch für unsere Angebote, denn der ESF wirkt in alle sozialen Bereiche hinein“, sagte Arbeitsgemeinschaftsvorsitzender Wolfgang Gelhard (Kolping-Bildungswerk Paderborn). Die Vertreterinnen und Vertreter der katholischen Trägergruppen – Bund Deutscher Katholischer Jugend (BDKJ), Diözesan-Caritasverband, Kolping-Bildungswerk Paderborn, IN VIA und Katholisches Jugendwerk Förderband Siegen-Wittgenstein – warnten vor den Auswirkungen auf ihre Arbeit, wenn das Thema „Soziales“ in den MFR-Verhandlungen nicht den nötigen Stellenwert erhalte.
Dabei sind es gerade die vielen kleineren Projekte, die eine passgenaue Begleitung der Menschen vor Ort ermöglichen. Zudem würde unter anderem weniger Einzelfallhilfe möglich sein: „Spezifische Bedarfe können dann nicht mehr ausreichend berücksichtigt werden. Statt individueller Begleitung müssten häufiger Gruppen- oder Infrastrukturangebote an ihre Stelle treten. Das gefährdet die Erfolgschancen der Förderangebote“, erklärte Markus Rickert, Geschäftsführer Kolping-Bildungszentren Südwestfalen. Risiken sieht er neben der reduzierten Individualisierung auch in der höheren Abbruchgefahr, der Überlastung von Regelsystemen und steigendem Steuerungs- und Nachweisdruck.
„Bedarfslage wird größer und komplexer“
Welche wichtige Funktion die Träger der katholischen Jugendsozialarbeit mit ihren Projekten und Angeboten für den gesellschaftlichen Zusammenhalt sowie für die Stärkung und den Schutz der Demokratie haben, demonstrierte der Gastgeber des Jahresgesprächs exemplarisch: Authentische Einblicke in die aktuellen Entwicklungen und Herausforderungen im Bildungsbereich bekamen die Gäste bei einem Streifzug durch die IN-VIA-Projektvielfalt und bei eindrücklichen Erfahrungsberichten. Von der Jugendberufshilfe über Vermittlung in Berufsperspektiven bis hin zu Migration und Integration: Rund 40 Projekte vereint IN VIA unter einem Dach. Zum Leben erweckten die IN-VIA-Expertinnen ihre Arbeit unter anderem mit O-Tönen aus der Uma-Hilfe, einem Rundgang durch das IN-VIA-Lädchen und die Kreativwerkstatt sowie die Vorstellung des Jugendmigrationsdienstes (JMD) und des Projektes „EQ plus Sprache“.
„Die Bedarfslage bei Jugendlichen mit Einschränkungen wird immer größer und komplexer“, verdeutlichte Margarete Schwede, IN-VIA-Vorständin. Große Themen in der Migrationsarbeit sind unter anderem die langwierige Anerkennung von ausländischen Schulabschlüssen, bezahlbarer Wohnraum für junge Migrantinnen und Migranten, eine Verschlechterung der Ausbildungsplatzsuche und die veränderte Stimmung in der Gesellschaft gegenüber Migrantinnen und Migranten. „Das wird an vielen Stellen deutlich, wenn es um Unterstützung bei der gesellschaftlichen und beruflichen Integration der Jugendlichen geht“, schilderte Margarete Schwede. Veränderte Fördermittelstrukturen lasse die Luft zudem für die Träger immer dünner werden.
Anwalt für Jugendliche sein
„Insbesondere trifft es die Arbeit mit Jugendlichen und damit die Schwächsten der Gesellschaft. Es ist unsere Aufgabe, die Anwaltschaft für sie zu übernehmen und auf die Probleme aufmerksam zu machen“, betonte Wolfgang Gelhard. „Es war ein sehr informativer Nachmittag. Ich gehe sehr nachdenklich aus dem Gespräch und nehme sehr viele Impulse mit“, sagte Generalvikar Dr. Michael Bredeck zum Abschluss.
Text: Diözesanarbeitsgemeinschaft katholischer Jugendsozialarbeit im Erzbistum Paderborn