Propst Josef Bömer wurde 1881 in Brüllingsen, Pfarrei Körbecke, geboren. 1906 empfing er in Paderborn das Sakrament der Priesterweihe. Ab 1930 war er zum Propst in Arnsberg bestellt, ab 1933 Dechant des Dekanats Arnsberg. Das Sondergericht Dortmund verurteilte ihn am 19. Februar 1936 wegen eines Verstoßes gegen das sogenannte Heimtückegesetz zu sieben Monaten Haft. Bömer trat die Haft am 13. März 1936 im Gefängnis Werl an, wurde aber schon am 24. März 1936 wegen Krankheit auf Bewährung entlassen. Propst Josef Bömer verstarb 1942 in Arnsberg.
„Mein Gewissen und meine Priesterauffassung ließen eine andere Lösung nicht zu für mich.“ Diesen Satz schreibt der Arnsberger Propst Josef Bömer am 7. April 1937 an seinen Erzbischof in Paderborn. Er erklärt, was er soeben getan hat: Gemeinsam mit dem Küster hat er „still … (aber wohl in liturgischen Gewändern)“ das Allerheiligste aus der Arnsberger St. Georgskapelle geholt, das Ewige Licht gelöscht und die Kirche abgeschlossen. Hier kann kein Gottesdienst mehr gefeiert werden.
Das ist Bömers Reaktion auf etwas, das für ihn als katholischen Priester unfassbar ist: Örtliche Nationalsozialisten haben 20 Minuten vorher ein Hakenkreuz auf der Turmspitze der Georgskapelle angebracht. Mit leiser Genugtuung schreibt Bömer, dass man nur den Wetterhahn hätte abnehmen können, „das Christuskreuz ist (symbolhaft!) so fest gewesen, daß es nicht entfernt werden konnte“. Daher setzte man das Zeichen des NS-Regimes direkt darüber: ein vergoldetes Hakenkreuz. Für Propst Bömer geht das gegen alles, was ihm heilig ist.
Gläubiger Mut
Bömer riskiert viel. Doch er folgt seinem Gewissen und seiner christlichen Überzeugung. In seinem Brief betont er immer wieder, dass er nicht einfach nur seinen Kopf habe durchsetzen wollen. Sondern, dass es ihm um Grundlegendes geht: Über dem Kreuz seines Heilandes darf kein anderes Symbol stehen. Schon gar nicht eines, das für Verfolgung und Gewalt steht.
Die Nazis versuchen in der Folge Bömer durch Schmähkampagnen in Verruf zu bringen. Üben Druck auf die Bistumsleitung aus, Bömer zu versetzen. Doch Erzbischof Caspar Klein hält zu seinem Propst. In einem weiteren Brief bedankt sich Bömer später für die Rückendeckung aus dem Paderborner Generalvikariat. Auch vor Ort bekommt er Zuspruch: Der Arnsberger Kirchenvorstand spricht ihm sein volles Vertrauen aus.