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© Erzbistumsarchiv Paderborn
© Erzbistumsarchiv Paderborn

Propst Bömer gegen das Hakenkreuz auf dem Kirchturm

Frühjahr 1937. Der Arnsberger Propst Bömer sieht, was nicht sein darf: Über dem Kreuz auf dem Turm der Georgskapelle prangt ein Hakenkreuz. Das kann Bömer nicht hinnehmen. Und handelt.

„Mein Gewissen und meine Priesterauffassung ließen eine andere Lösung nicht zu für mich.“ Diesen Satz schreibt der Arnsberger Propst Josef Bömer am 7. April 1937 an seinen Erzbischof in Paderborn. Er erklärt, was er soeben getan hat: Gemeinsam mit dem Küster hat er „still … (aber wohl in liturgischen Gewändern)“ das Allerheiligste aus der Arnsberger St. Georgskapelle geholt, das Ewige Licht gelöscht und die Kirche abgeschlossen. Hier kann kein Gottesdienst mehr gefeiert werden.

Das ist Bömers Reaktion auf etwas, das für ihn als katholischen Priester unfassbar ist: Örtliche Nationalsozialisten haben 20 Minuten vorher ein Hakenkreuz auf der Turmspitze der Georgskapelle angebracht. Mit leiser Genugtuung schreibt Bömer, dass man nur den Wetterhahn hätte abnehmen können, „das Christuskreuz ist (symbolhaft!) so fest gewesen, daß es nicht entfernt werden konnte“. Daher setzte man das Zeichen des NS-Regimes direkt darüber: ein vergoldetes Hakenkreuz. Für Propst Bömer geht das gegen alles, was ihm heilig ist.

Gläubiger Mut

Bömer riskiert viel. Doch er folgt seinem Gewissen und seiner christlichen Überzeugung. In seinem Brief betont er immer wieder, dass er nicht einfach nur seinen Kopf habe durchsetzen wollen. Sondern, dass es ihm um Grundlegendes geht: Über dem Kreuz seines Heilandes darf kein anderes Symbol stehen. Schon gar nicht eines, das für Verfolgung und Gewalt steht.

Die Nazis versuchen in der Folge Bömer durch Schmähkampagnen in Verruf zu bringen. Üben Druck auf die Bistumsleitung aus, Bömer zu versetzen. Doch Erzbischof Caspar Klein hält zu seinem Propst. In einem weiteren Brief bedankt sich Bömer später für die Rückendeckung aus dem Paderborner Generalvikariat. Auch vor Ort bekommt er Zuspruch: Der Arnsberger Kirchenvorstand spricht ihm sein volles Vertrauen aus.

Was mit widerständigen Priestern passiert

Im Vorjahr musste Propst Bömer schon kurzzeitig ins Gefängnis. Parteitreue Richter hatten ihm einen Verstoß gegen das sogenannte Heimtückegesetz vorgeworfen – ein Gesetz, das Kritik am NS-Regime unterdrücken sollte. Bömers Brief entnimmt man, dass er ähnliche Folgen auch für sein Handeln im April 1937 in Betracht zieht: „Ich verspreche aber Ew. [Anm. d Red.: Euer] Erzbischöflichen Gnaden jetzt schon, alles, was etwa kommen sollte mutig aufzuopfern für unsere verfolgte Kirche in Deutschland.“ Doch sollte es nicht dazu kommen. Die Nazis lassen die Sache im Sande verlaufen. Das Hakenkreuz bleibt bis Kriegsende auf dem Glockenturm. Und die Kapelle bleibt bis Kriegsende zu.

Und heute?

Heute, 80 Jahre nach Ende des Zweiten Weltkriegs, dreht sich längst wieder der alte Wetterhahn über dem Kreuz der Arnsberger Georgskapelle im Wind. Die Tür des Gotteshauses steht den Gläubigen offen. Doch Propst Bömers Protest ist mehr als nur ein Kapitel lokaler Kirchengeschichte. Er ist Zeugnis. Für eine Kirche, die sich wehrt. Und für Mut, der aus dem Kern des Evangeliums erwächst.

Angesichts des erstarkenden Rechtsextremismus braucht es diesen Mut auch heute. Es braucht klare Stimmen für Menschenwürde, Menschenrechte und Demokratie. Christinnen und Christen dürfen sich den Arnsberger Propst Josef Bömer zum Vorbild nehmen und sich – im besten Sinne – einmischen.

ZUSAMMEN:HALT! Ist die beste Wahl!

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Foto Erzbistumsarchiv Paderborn
Signatur EBAP, A 2.1 (Acta specialia 1821-1945), Arnsberg, Propstei, Bd. 12 (Die Stadtkapelle zu Arnsberg 1844-1943)
Entstehungsdatum 7. April 1937
Provenienz Erzbistumsarchiv, Akten des Erzbischöflichen Generalvikariats zur Stadtkapelle in Arnsberg
Kulturhistorische Bedeutung Die Archivalie belegt den kirchlichen Widerstand gegen den Absolutheitsanspruch und die Dominanz des Nationalsozialismus.
Literaturangaben Michael Senger, Glaubenstreue und Persönlicher Mut – Priester und Laien im Abwehrkampf gegen den Nationalsozialismus -, in: Schieferbergbau-Heimatmuseum Schmallenberg-Holthausen (Hg.), Das Hakenkreuz im Sauerland, Fredeburg 1988, S. 187-216.
Jürgen Schulte-Hobein, Propstdechant Joseph Bömer (1881-1942), in: Achim Funder (Hg.) „… eine hochansehnliche Pfarrei …“. 150 Jahre Propstei St. Laurentius Arnsberg 1859-2009 in Lebensbildern ihrer Pfarrer und Pröpste, Arnsberg 2009, S. 70-89.
Jürgen Schulte-Hobein, Und eines Tages war das Hakenkreuz auf dem Glockenturm --: der Aufstieg des Nationalsozialismus in der Stadt Arnsberg (1918-1934), 2. Aufl., Siegen 2000.

Propst Josef Bömer wurde 1881 in Brüllingsen, Pfarrei Körbecke, geboren. 1906 empfing er in Paderborn das Sakrament der Priesterweihe. Ab 1930 war er zum Propst in Arnsberg bestellt, ab 1933 Dechant des Dekanats Arnsberg. Das Sondergericht Dortmund verurteilte ihn am 19. Februar 1936 wegen eines Verstoßes gegen das sogenannte Heimtückegesetz zu sieben Monaten Haft. Bömer trat die Haft am 13. März 1936 im Gefängnis Werl an, wurde aber schon am 24. März 1936 wegen Krankheit auf Bewährung entlassen. Propst Josef Bömer verstarb 1942 in Arnsberg.

Die Archivalie des Monats

Das Erzbistumsarchiv ist das Gedächtnis unserer Erzdiözese. Es sichert und erschließt die schriftliche Überlieferung und macht Geschichte allgemein zugänglich. Und das sogar kostenlos. Selbst die wertvollsten Archivstücke können Sie sich werktäglich zu den Öffnungszeiten des Erzbistumsarchivs ansehen. Darunter sind selbstverständlich auch die Stücke, die wir Ihnen in unserer Reihe „Die Archivalie des Monats“ vorstellen.

Besuchendenadresse:

Erzbistumsarchiv Paderborn
Domplatz 15 (Konrad-Martin-Haus)
33098 Paderborn
Tel.: (0 52 51) 1 25-12 52
E-Mail: archiv@erzbistum-paderborn.de
Geöffnet Montag-Donnerstag, 9.00 Uhr bis 16.00 Uhr

Ein Hinweis für alle genealogisch Interessierten: Die digitalisierten Kirchenbücher des Erzbistums Paderborn finden Sie auf

Matricula

Ein Beitrag von:
Redakteur

Cornelius Stiegemann

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