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© Ralf Litera / Erzbistum Paderborn
© Ralf Litera / Erzbistum Paderborn

Wie die Firmung stärken kann: Mit Gott an der Seite ins nächste Kapitel

Für Simone Freitag wurde die Firmung zu einer bewussten Entscheidung für den Glauben – und zu einem besonderen Moment, der ihr Vertrauen schenkt, mit Gott an der Seite ins nächste Kapitel zu gehen.

Als bei Familie Freitag die Einladung zur Firmung im Briefkasten lag, hat Simone etwas anderes erwartet. Anders als das, was sie in den nächsten Monaten erleben wird. „Meine Eltern haben mich damals in die Küche gerufen und gesagt, ich darf selbst entscheiden“, erinnert sich die 15-Jährige. Mit Kirche hatte sie bis dahin wenig am Hut. Schule, Tanzgarde und Rhönradtraining, ihre Ehrenämter und Freunde – das alles füllt sie und ihre Tage gut aus. „Als ich Kirche hörte, dachte ich, das wird bestimmt langweilig. Vielleicht sonntags im Kreis knien und beten.“ Aber irgendwie gehört Firmung ja auch dazu, sagte die innere Stimme – und Simone meldete sich an.

"Das war eine sehr wertvolle Zeit"

Zur Vorbereitung traf sich Simone an vier Abenden im Frühjahr mit rund 20 Jugendlichen aus Finnentrop im Kinder-, Jugend- und Kulturhaus der St.-Nepomuk-Kirchengemeinde. Begleitet wurden sie durch Pfarrer Michael Krischer und Familien- und Jugendreferentin Hannah Tillmann.

Der Einstieg fiel Simone eher schwer: „Ich habe etwas Langweiliges erwartet.“ Die meisten Firmlinge saßen schüchtern auf ihren Plätzen im Stuhlkreis – unsicher, was da jetzt kommen würde. Keine seltene Erfahrung, weiß Hannah Tillmann: „Viele der jungen Menschen kommen mit gemischten Gefühlen und Vorstellungen.“ Während der Treffen zur Firmvorbereitung entstehe dann aber eine Vertrautheit und Gemeinschaft in der Gruppe.

Auch Simone merkte bald: Mit Kennenlernspielen, Impulsen zur eigenen Identität und der persönlichen Beziehung zu Gott sowie Partnerübungen und Diskussionsrunden wurde die Stimmung schnell lockerer, die Gespräche wurden tiefer. „Das war eine sehr wertvolle Zeit.“ Dankbar blickt sie heute darauf zurück, denn im Alltag beschäftige man sich selten so intensiv mit sich selbst und seinem Glauben.

Ich erlebe, dass sich die jungen Menschen mehr öffnen und eine neue Sprachfähigkeit gewinnen. Da entstehen tiefgründige Gedanken und es zeigt sich eine große Sehnsucht, sich angenommen und geliebt zu fühlen. Die Berührungsängste mit dem Glauben werden kleiner und junge Menschen fühlen sich mit ihren Fragen und Zweifeln ernst genommen.

Hannah Tillmann – Referentin für Jugend und Familie im Dekanat Südsauerland

© Besim Mazhiqi / Erzbistum Paderborn
© Besim Mazhiqi / Erzbistum Paderborn

Raum für Fragen, Zweifel, Glauben

In den Vorbereitungstreffen ging es weniger um Wissensvermittlung als darum, Räume für Austausch zu schaffen. Die Jugendlichen setzten sich mit ihren Stärken, Zielen und Fragen auseinander, auch über die Spiritualität hinaus – und damit, welche Rolle Gott in ihrem Leben spielen kann. Ein Moment aus der Firmvorbereitung wird Simone ganz sicher in Erinnerung bleiben: „Als ich verstanden habe, dass ich mich mit anderen nicht vergleichen muss – das war sehr besonders.“

Oft hat sie sich auch zuhause noch mit dem begleitenden Workbook „Zweifeln und Staunen“ zurückgezogen, um über sich und die Welt nachzudenken. Könnte sie Gott eine Nachricht schicken, würde sie ihn gern fragen, was er im Sinn hatte als er sie auf die Erde schickte: „Was ist meine Aufgabe – was soll ich hier verändern?“ Fragt man sie selbst, will sie ihre Neugier und ihr Wissen nutzen, andere Menschen inspirieren. Kein Wunder, dass sie als Klassensprecherin, Rhönradtrainerin und Nachhilfelehrerin schon heute anderen ein Beispiel ist.

Firmung: Segen für den eigenen Weg

Simone Freitag ist eine von weit mehr als 1000 Jugendlichen aus dem Erzbistum Paderborn, die in diesem Jahr ihre Firmung feiern. Neben Taufe und Erstkommunion ist die Firmung eines der Initiationssakramente, sie gilt als Bekräftigung des Glaubens. „Für viele Jugendliche ist die Firmung die bewusste und freie Entscheidung, das Leben mit Gott zu gehen“, sagt Hannah Tillmann, Referentin für Jugend und Familie im Dekanat Südsauerland, die als ehrenamtliche Firmkatechetin Simone und andere junge Menschen aus Finnentrop in der Vorbereitung begleitete. „Bei der Firmung wird diese Entscheidung mit dem Segen des Heiligen Geistes gestärkt.“

Das Sakrament wird durch den Bischof oder einen seiner Weihbischöfe gespendet. Dieser legt den Firmlingen die Hand auf und zeichnet mit Chrisamöl ein Kreuz auf ihre Stirn. Dabei spricht er die Formel: „Sei besiegelt durch die Gabe Gottes, den Heiligen Geist.“ In den Gemeinden des Erzbistums findet die Firmung für Jugendliche im Alter von 15 und 16 Jahren in der Regel alle zwei Jahre statt – vor allem im Frühsommer, um den Bezug zum Pfingstfest zu wahren, an dem die Sendung des Heiligen Geistes gefeiert wird.

Ein Segen, der nachwirkt

Am 14. Juni 2026 war es dann endlich soweit: Der Pastoralverbund Bigge-Lenne-Fretter-Tal hatte zur Firmfeier in die St.-Joseph-Kirche nach Bamenohl eingeladen. Und für Simone begann der große Tag so, wie solche Tage oft beginnen: Fast hätte sie verschlafen. Nachdem ihre Mutter sie weckte, ließ sie sich trotzdem Zeit, denn sie wusste: Sie würde nervös sein.

„Meine ganze Familie war dabei, Eltern, Großeltern, mein Bruder und meine Patentante mit ihrer Familie. Das hat mir viel bedeutet“, sagt Simone.

Ein Segen, der berührt

Als Weihbischof Matthias König während der Messfeier schließlich vor sie trat und Simone die Hand ihrer Firmpatin auf der Schulter spürte, fühlte sie sich tief berührt. Mehr noch, als der Weihbischof ihr in die Augen sah und nach der offiziellen Formel bei der Salbung mit geweihtem Öl sagte: „Bleib, wie du bist, Gott hat dich genau so gewollt und geschaffen.“ Für Simone ein wunderschöner Tag zum Abschluss einer sehr besonderen Zeit. Wieder zuhause hat sie mit ihrer Familie noch lange zusammengesessen, Glückwunschkarten gelesen, gemeinsam gegessen, geredet und Erinnerungsfotos gemacht.

Mit der Firmung schließt man ja ein wichtiges Kapitel ab und beginnt ein ganz neues. Man wird, kirchlich gesehen, erwachsen und holt sich Gott an seine Seite.

 

Simone Freitag
Ein Beitrag von:
Dr. Carina Middel, freie Autorin, schreibt Texte für Print und Online im Erzbistum Paderborn. © Carina Middel/Erzbistum Paderborn
Freie Autorin Dr. Carina Middel
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Dr. Carina Middel

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