In Kirchenbüchern werden seit Jahrhunderten Taufen, Eheschließungen und Sterbefälle notiert und damit das Leben der Christinnen und Christen vor Ort dokumentiert. Alte Urkunden und Schriftstücke erzählen von der bewegten Entwicklung der Gemeinden. Und es gibt noch vieles mehr, was wohl gehütet und verwaltet werden will, dass man es auch in Zukunft noch auffinden kann. Wer aber verwahrt eigentlich die Geschichte vor Ort? Pfarrarchivarinnen und -archivare sowie Pfarrarchivpflegende bekleiden ein kaum bekanntes und doch wichtiges Ehrenamt. Was sie antreibt und was sie treiben zwischen Aktenordnern und Archivboxen, PC und historischen Schätzen? Rudolf Rath aus dem Pfarrarchiv St. Blasius in Balve gewährt im Rahmen der Reihe „Archivalie des Monats“ Einblick.
Wie sieht es im Pfarrarchiv aus?
Geruch aus längst vergangener Zeit, sichtbar gewordene Geschichten über Lebensschicksale, Meilensteine von Gemeindearbeit – nichts davon beim ersten flüchtigen Blick hinter die Tür des Pfarrarchivs St. Blasius, das sich seit 2022 im neuen Pfarrheim im Balver Dechant-Löcker-Weg befindet. Moderner Neubau, Schreibtisch, Monitor, Drucker, Wandkalender – typisch Büro eben. Wäre da nicht die große, unscheinbare Kiste am Boden, die erst auf den zweiten Blick auffällt. Hinterlassenschaften: alte Bücher, Notizen, Schwarz-weiß-Fotografien, die Rudolf Rath am Vorabend aus dem Haus eines vor Kurzem Verstorbenen erhalten hat. Wäre da nicht eine Vitrine in der Ecke mit handschriftlichen Dokumenten aus dem 17. bis 19. Jahrhundert: Abrechnungen für die Stadtkapelle, Notizbüchlein, Messbüchern, historischen Gegenständen wie Münzen, die dem Zimmer musealen Charakter verleihen. Und wäre da nicht ein goldener Engel, der geduldig, aber wachsam gegenüber dem Schreibtisch sitzt und der mit einer Corona-Maske am Oberarm Rudolf Rath und seine Besucher zur Vernunft ermahnt.