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© Reinhold Großelohmann / Erzbistum Paderborn
Ausstellungseröffnung Gott liebt die Fremden in Werl © Reinhold Großelohmann
Im Gang des Wallfahrtskloster sind die zwölf Tafeln mit den biblischen Migrations-Geschichten ausgestellt.

Gott liebt die Fremden zwölf Beispiele aus der Bibel in Werl zu erleben

Die Ausstellung „Gott liebt die Fremden“ im Werler Wallfahrtskloster greift das Thema Migration aus biblischer Perspektive auf. Sie lädt dazu ein, über Fremdsein und Begegnung neu nachzudenken.

Im Flur des Werler Wallfahrtsklosters ist es enger geworden. Zwölf mannshohe Roll-ups mit großformatigen Fotos und biblischen Textauszügen der Migrations-Ausstellung „Gott liebt die Fremden“ machen den Durchgang schmaler. Weiten und öffnen möchten sie indes Herz und Geist der Betrachterinnen und Betrachter.

Die Tafeln stehen ein wenig im Weg, was der Intention der Exposition jedoch in die Karten spielt. Denn sie wirken damit wie ein dringender Appell dazu, Menschen, die aus welchen Gründen auch immer in unser Land kommen, offen, fair, freundlich und hilfsbereit zu behandeln. Die Botschaft ist für Christinnen und Christen das Maß aller Dinge und könnte im Ausstellungsnamen nicht klarer formuliert sein: Gott liebt die Fremden.

Eindrücke und Statements von der Ausstellungseröffnung belegen, wie Integrationsarbeit schlicht gelebter Glaube und Nächstenliebe ist. Und dass sie allein über das „Mensch sein“ gelingt.

Biblische Grundlagen der Flüchtlingsarbeit aufzeigen

Dies in einer solchen Deutlichkeit hervorzuheben, ist dem Caritasverband im Kreis Soest mit Blick auf seine Betätigungsfelder im Bereich Integration und Migration wichtig. So zögerte Georg Karbowski als Bereichsleiter keine Sekunde mit der Zusage zur Beteiligung, als seiner Einrichtung diese von der Österreichischen Bibelgesellschaft konzipierte Ausstellung angeboten wurde. „Wir wollen einen Bezug herstellen zwischen biblischen Texten und Figuren zur Arbeit unserer Einrichtungen“, sagt er.

Es gehe darum, die biblischen Grundlagen der Flüchtlingsarbeit aufzuzeigen. „Gastfreundschaft bringt Segen. Das gilt für den barmherzigen Samariter genauso wie heute für uns in der Begegnung mit Asylsuchenden.“ Dabei solle aber nicht verschwiegen werden, so Karbowski, „dass wir aktuell in der Spannung zwischen ,Wir schaffen das‘ und den Klagen über eine ,Überfremdung‘ der Gesellschaft leben.“ Der Ausdruck Überfremdung sei seiner Meinung nach zu Recht im Jahr 1993 zum Unwort des Jahres erklärt worden.

Bibelvers 1.Petr. 4, 8-10

„Vor allem haltet fest in der Liebe zueinander: denn die Liebe deckt viele Sünden zu. Seit untereinander gastfreundlich, ohne zu murren.“

Gott fragt: „Wohin gehst Du?“ statt „Woher kommst Du?“

Im Wortgottesdienst in der Basilika, der die Ausstellungseröffnung am 19. Februar 2026 einleitet, verweist Wallfahrtsseelsorgerin Ursula Altehenger auf die biblische Figur der Rut, die ein Schicksal als Migrantin erlebt. Als „Frau auf fremden Boden“, die anders spricht und sich anders kleidet, erfährt sie trotzdem Hilfe und Schutz. „Gott fragt nicht zuerst, woher kommst Du, sondern wohin gehst Du“, so Ursula Altehenger. Sie lädt die Anwesenden ein, darüber nachzudenken, was Fremdsein ausmacht, und in Gedanken an Fremde im eigenen Umfeld in einer Sandschale Kerzen anzuzünden.

Olga Kinos, die seit 2021 in der Caritas-Migrationsberatung tätig ist, möchte die Idee der Gastfreundschaft hervorheben, wie sie im Petrusbrief geschildert ist. Im Neuen Testament findet sich auch bei den Emmaus-Jüngern ein solcher Hinweis. „Für mich hat dies Relevanz in der Praxis“, sagt sie. Im vergangenen Jahr wurde ihr Dienst 600mal kontaktiert, zumeist von Menschen aus der Ukraine, Syrien oder aus afrikanischen Staaten. Sie freute sich, zur Einführung in die Schau eine Klientin an ihrer Seite zu haben, die über einen erfolgreichen Weg berichten konnte. Vor fünf Jahren ist Frau Ehiowan aus Nigeria geflohen und sie tritt jetzt mutig ans Mikrofon. Sie habe einen Sprachkurs gemacht, dann im Bistro der Caritas gearbeitet und arbeite jetzt in der Mensa eines Soester Gymnasiums, sagt sie in gut verständlichem Deutsch – und erhält spontanen Applaus.

Ich höre Geschichten leise und schwer, Sprachen, die ich nicht immer verstehe, aber die ich fühle.“

Tümay Omeirat, Flüchtlingsberaterin

Aus Beratung wird Begegnung, aus Fremden werden Nachbarn und Freunde

Tümay Omeirat steckt über ihre Tätigkeit in der Flüchtlingsberatung für den Caritasverband tief im Thema und bilanzierte für 2025 allein 735 Fälle, in denen sie mit Hilfe eines Netzwerkes „Hilfe zur Selbsthilfe“ vermittelte. Unterstützung erhalte sie durch die zwei Sprachmittlerinnen Fartima Al fahad und Sora Nasiry. Letztere übersetzt aus den Sprachen Persisch und Afghanisch, wie sie selbst bei der Ausstellungseröffnung berichtete. Tümay Omeirat schilderte ihre Arbeit auf emotionale Weise: „Zahlen bekommen Namen, Flucht erhält ein Gesicht und Hoffnung fragt vorsichtig, ob sie bleiben darf“, formuliert sie. Ihr Rezept: „Aus Beratung wird Begegnung.“

Dies greifen die ehrenamtlich Aktiven Peter und Inge Leder, Beate Drolshagen, Emy Schewe, und Susanne Hoffmann auf und stellen eine kleine Szene dar, in denen eine Frau, die aus ihrem Land geflohen ist und nur wenig Deutsch spricht, Kontakt sucht. Sie werben auf diese Weise für das „Interkulturelle Frühstück“ jeden Donnerstagvormittag im Werler Norberthaus, ein Projekt, das wegen seines nachhaltigen Nutzens vom Flüchtlingsfonds des Erzbistums gefördert wird. „Fremdheit nimmt ab, Vertrauen wächst, Begegnung wird zur Brücke zwischen Kulturen, Lebensgeschichten und Hoffnung“, schilderten sie. „Aus Fremden werden Nachbarinnen und Nachbarn.“

Wir müssen an einer größeren Identität arbeiten, bei der jeder das beibehält, was er für wichtig hält.“

Fatima Abboud, Leiterin Integrationsagentur

Es gibt viele Erfolgsgeschichten

Mit acht Jahren sei sie nach Deutschland gekommen, lebe nun 35 Jahre hier, mache aber trotzdem die Erfahrung, dass ihr etwas anderes Aussehen dazu führe, dass sie sich immer noch ein wenig als „Fremdling“ fühle. Das berichtet Fatima Abboud, Leiterin der Integrationsagentur Soest und Werl des Caritasverbandes, aus eigenen Lebenserfahrungen. „Ich fühle mich deutsch, ich träume auf Deutsch aber tatsächlich sehe ich nicht so aus. Aber ich bin auch stolz, dass ich nicht so aussehe, meine arabische Identität ist mir sehr wichtig.“:

Wenn sie im Libanon unterwegs sei, fühle sie sich auf der einen Seite heimischer, „weil ich nicht anders aussehe. Auf der anderen Seite fühle ich nicht wie die Leute im Dorf. Denen bin ich zu modern.“ Sie hat einen Weg gefunden, diesen Zwiespalt aufzufangen. „Mittlerweile habe ich meine arabische und deutsche Identität zu einem großen Weltbild entwickelt, einem offenen Weltbild. Ich sehe einen Mehrwert im interkulturellen Dasein. Wir können viel offener auf die Welt blicken, wenn wir beide Welten verstehen.“ Das funktioniert aus ihrer Sicht auch mit dem Glauben.

Für die Integrationsarbeit begeistert sie sich, weil sie das Privileg habe „für die positiven Projekte da zu sein“. Sie erlebt Menschen, die „wirklich in der neuen Heimat ankommen“. So wie Amal Al-Khatib, die vor zehn Jahren aus Syrien nach Deutschland floh. „Ich habe Deutsch gelernt und im Café angefangen.“, Seit zwei Jahren arbeitet sie bei der Caritas in der Betreuung alter Menschen. Und seit einem Jahr betreibt sie zusätzlich ein Kleingewerbe. „Ich mache arabisches Essen“, strahlt sie und serviert Leckeres zur Ausstellungseröffnung. „Wir sind stolz, dass wir Dich für uns gewinnen konnten“, lobt Fatima Abboud. Wie Amal Al-Khatib gebe es viele Flüchtlinge, die sich schnell integrierten, viele Erfolgsgeschichten. Und eben nicht nur „Gegenwind“, wie oft in den Medien zu lesen sei. „Ich bin sehr stolz, für Menschen mit Migrationshintergrund zu arbeiten.“

Georg Karbowski und Wallfahrtsseelsorgerin Ursula Altehenger sind begeistert über den großen Besucherzuspruch schon zur Eröffnung und hoffen, dass viele Besucherinnen und Besucher den Weg in die sehenswerte Ausstellung finden.

Die Wanderausstellung ist bis zum 18. März im Wallfahrtskloster in Werl zu sehen, und zwar täglich von 8 bis 18 Uhr.

Ein Beitrag von:

Reinhold Großelohmann

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